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Interview mit Dr. Christoph Broßmer, Industriepark Wolfgang

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04.08.2008 Aus der Muttergesellschaft Degussa wurde die Evonik Industries. Gleichzeitig hat sich die IPW GmbH, Betreibergesellschaft des Industrieparks Wolfgang, Hanau, einer neuen Markenstrategie verschrieben. Die Redaktion sprach mit Dr. Christoph Broßmer, Leiter Marketing, über die neue Mission und Vision.

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  • Die IndustrieparkWolfgang GmbH (IPW) ist eine Tochter der Evonik Industries, dem Nachfolgeunternehmen der Degussa.
  • Der Fokus des IPW liegt auf dem Standortbetrieb im Rhein-Main-Raum. Neben dem Standort in Hanau betreibt die Gesellschaft auch den Evonik-Industrie-Standort in Frankfurt am Main.
  • Der Betreiber verfolgt ein integrales Konzept, d.h., die für Produzenten am Standort notwendigen Dienste werden aus einer Hand angeboten.

CT: Herr Dr. Broßmer, aus dem Traditionsunternehmen Degussa ist Evonik Industries geworden. Wie wirkt sich das auf den Standortbetreiber IPW aus?

Broßmer: Für unser Geschäft hat sich dadurch nichts geändert. Allerdings haben wir die Gelegenheit genutzt, um uns ein eigenständiges Profil zuzulegen. Wir können so den Kunden gegenüber neutraler auftreten. Als IPW ist die Unterscheidung zwischen Muttergesellschaft und uns bereits seit sechs Jahren im Namen verankert.

CT: In Leverkusen hat sich Currenta vom Namen „Bayer“ getrennt – wie wichtig ist der Aspekt „Neutralität“ für einen Standortbetreiber und: Kann Neutralität überhaupt gelebt werden? Denn schließlich sind Sie ja immer noch eine 100-prozentige Evonik-Tochter.

Broßmer: Unsere externen Kunden haben den Markenauftritt sehr positiv aufgenommen, die Konzernkunden haben den Unterschied kaum gemerkt. Unsere Mitarbeiter identifizieren sich längst mit IPW. Natürlich vertreten wir trotzdem die Interessen unserer Muttergesellschaft. Es gibt in der Industriepark-Landschaft ja noch viele Standortbetreiber, die den Produzenten gehören. Wir haben dabei das Glück, nur einen Eigner zu haben. Dort, wo es viele sind, werden Entscheidungen oft nur schwierig gefunden. IPW und Evonik Industries haben ein gutes gemeinsames Verständnis. Entscheidungen werden dezentral getroffen, und das ist gut so, denn unser Geschäft ist lokal. Die vor Jahren diskutierte Idee, eine große Servicegesellschaft über alle Degussa-Standorte zu ziehen, hat sich nicht als sinnvoll erwiesen. Daher heißt es in unserer neuen Mission: „Wir leben flache Organisationsstrukturen. Unsere Kunden profitieren von schnellen Entscheidungen.“

CT: Welche Ziele verfolgen Sie mit dem neuen IPW-Profil?

Broßmer: Der Claim von IPW heißt „Innovation, Profitabilität, Wachstum“ – und damit meinen wir nicht uns, sondern unsere Kunden. Wir sind klar fokussiert auf den Betrieb von Standorten im Rhein-Main-Gebiet. Unsere Stärken liegen in der Forschung und Entwicklung sowie in der Produktion. Außerdem leben wir ein integrales Konzept: Alle Services werden bei uns gebündelt, wir trennen weder Technik noch Catering-Dienstleistungen ab.

CT: Wie hoch sind die Gewinnerwartungen Ihrer Mutter?

Broßmer: Das Ziel ist eine „vernünftige“ Kapitalverzinsung, aber nicht die Ergebnis-Maximierung. Man braucht den Anspruch, Gewinn zu erwirtschaften, denn dadurch werden auch die unternehmerischen Elemente gestützt, die Anreiz für ständige Verbesserungen sind.

CT: Vor kurzem hieß es noch, dass es in Deutschland zu viel Industrieparkfläche gibt. Wie sehen Sie das heute?

Broßmer: Das Gegenteil ist der Fall – zumindest im Rhein-Main-Gebiet. Hier ist die verfügbare Fläche für eine 24-Stunden-Chemieproduktion inzwischen knapp. Der Industriepark Wolfgang ist mit 85 Hektar vergleichsweise klein und wir haben nur noch rund fünf Hektar frei. Allerdings zeichnet sich ab, dass die US-Army 340 Hektar Kasernengelände in unserer Nachbarschaft an den Bund zurückgeben wird.

CT: Sie werden also Fläche zukaufen?

Broßmer: Wir wollen einen Teil dieser Konversionsflächen gemeinsam mit der Stadt Hanau nutzen und zu Industriefläche entwickeln. Die Eigentümerfrage ist noch nicht geklärt. Wir schauen uns das genau an, sind aber an Teilen interessiert.

CT: Das Thema Energieversorgung steht bei vielen Chemieparks derzeit im Fokus. Wie bedeutend ist das für Sie?

Broßmer: Natürlich ist das auch für unsere Kunden ein Thema. Besonders der Anstieg der Energiepreise macht uns zu schaffen. Derzeit untersuchen wir ein Fernwärmeprojekt mit den Stadtwerken Hanau. Auch bei der Kraft-Wärme-Kopplung und Nutzung alternativer Energieträger verfolgen wir einige Ideen.K

„Das Modell ‘unabhängiger Industrieparkbetreiber’ setzt sich durch!“
Dr. Christoph Broßmer leitet das Marketing der IPW

Heftausgabe: August 2008

Über den Autor

Scheuermann
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