Kongress Automation 2011

Interview mit Dr.-Ing. Kurt Bettenhausen und Dieter Westerkamp, GMA

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06.06.2011 Im vergangenen Jahr sorgte der eindringliche Plenarvortrag von Roland Bent mit der These „Ohne Automation keine Zukunft“ für Diskussionsstoff. Vom 28. bis 29. Juni wird in diesem Jahr in Baden-Baden diskutiert werden, wie sich die Zukunft mit Mitteln der Automation verantwortungsvoll gestalten lässt. Im CT-Interview erklären Dr.-Ing. Kurt D. Bettenhausen und Dieter Westerkamp die Schwerpunkte.

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Juni 2011

Dieter Westerkamp ist Geschäftsführer der GMA (links) und Dr. Kurt Bettenhausen (rechts) ist Vorsitzender der GMA (Bild: Redaktion)

CT: Im vergangenen Jahr „Automation ist Zukunft“, dieses Jahr „Zukunft verantwortungsvoll gestalten“ – der Anspruch des Kongresses „Automation“ ist hoch gesetzt. Wie werden Sie versuchen, diesem auch 2011 gerecht zu werden?

Bettenhausen: Wichtig ist der Bezug der Automation zum Menschen. Als Technik mit dem Menschen, für den Menschen. Das ist Thema des Eröffnungsvortrags aus der Medizin. Denn dort ist der Berührungspunkt für jeden von uns persönlich spürbar.
Westerkamp: Prof. Vienken, Vice President BioScience Department Fresenius Medical Care, wird die Brücke zwischen Medizin und Automatisierung zu schlagen. Irgendwann ist jeder einmal auf eine technische und automatisierte Maschine angewiesen, wenn es um seine Gesundheit und sein Leben geht.

CT: Welche inhaltlichen Highlights wird der Kongress bieten?

Westerkamp: Wir haben nicht nur im Plenarvortrag das Thema Automatisierung im Alltag, sondern es spiegelt sich auch im weiteren Programm der Veranstaltung wider: Darunter Anwendungen in der Medizin sowie in der Verkehrs- und Fahrzeugtechnik. Neu ist auch, dass wir die Fachtagungen Wireless Automation und Industrielle Robotik integriert haben und diese parallel zum Kongress Automation besucht werden können.
Bettenhausen: Im dritten Jahr in Folge wird das Thema Design & Engineering bei Grundlagen und Methoden im Programm einen Schwerpunkt bilden. Weit verbreitet für dieses Themengebiet ist ist heute auch der Begriff „Digitale Fabrik“. Das ist für Forscher, Hersteller und Anwender so spannend, dass uns das Thema noch einige Jahre begleiten wird. Generell wird auch in diesem Jahr nicht das einzelne Fachthema, sondern der gesamte Lebenszyklus im Vordergrund stehen.

CT: Ereignisse wie der Untergang der Bohrplattform im Golf von Mexiko, der Virus Stuxnet sowie die Atomkatastrophe in Japan haben Sicherheitsthemen deutlich in den Vordergrund gerückt. Was kann die Automation zu einem hohen Sicherheitsstandard beitragen und was wird dazu in Baden-Baden zu hören sein?

Westerkamp: Das Thema wird den Kongress nicht prägen, aber es wird doch einige Vorträge zum Thema IT-Security geben.
Bettenhausen: Grundsätzlich gilt, dass wir als Automatisierer das verantwortungsvolle Gestalten immer als Grundlage unseres Handelns sehen, sicherlich aber auch mehr und aktiver damit in der Kommunikation und expliziten Ausbildung umgehen müssen. Das Thema IT-Security haben wir erstmals 2005 in größerem Umfang in der GMA behandelt und 2006 gemeinsam mit Namur, PNO, VDMA und ZVEI den Fachausschuss Security gegründet. Ein Ergebnis ist die gerade fertig gewordene Richtlinie VDI/VDE 2182, in der eine Vorgehensweise beschrieben wird, wie Security erreicht werden kann. Aus meiner Sicht hat diese langfristig dasselbe Potenzial wie die Richtlinie VDI /VDE 2180. Der Charme liegt in dem risikobasierten Ansatz und dem damit verbundenen Vorgehensmodell. Denn man wird ein Risiko niemals zu 100 Prozent ausschließen können. Es geht um die Frage: „Welche Aspekte sind in Bezug auf einen Angriff von außen besonders schützenswert?“ Das muss man herausarbeiten, um die technischen Maßnahmen zu bestimmen. Stuxnet hat das Thema sichtbar gemacht, aber es gilt, die Kirche im Dorf zu lassen. Es gibt verschiedene Lösungswege.

CT: Wie sehen sie den Kongress positioniert?

Bettenhausen: Wir sind seit sechs Jahren dabei, die Marke „Automation“ zu etablieren und ein Netzwerk-Event zu schaffen. Das ist durch ein ausgewogenes Programm zwischen Herstellern, Anwendern und Forschung gut gelungen. Der Kongress dient dem Austausch zu langfristigen Themen und der Gestaltung der Zukunft der Automatisierung. Die Netzwerkarbeit ist eine wichtige Stärke der deutschen Automatisierer. Dieser ausbalancierte Dreiklang zwischen Forschung, Herstellern und Anwendern liegt mir sehr am Herzen.[AS]

„Die Netzwerkarbeit ist eine wichtige Stärke der deutschen Automatisierer“
Dr.-Ing. Kurt Bettenhausen ist Vorsitzender der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA)
„Im Kongressprogramm wird das Thema Automatisierung im Alltag in verschiedenen Ausprägungen dargestellt“
Dieter Westerkamp ist Geschäftsführer der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA)

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Heftausgabe: Juni 2011

Über den Autor

Scheuermann
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