„Auf dem Weg zum Dienstleister um den Messwert“

Interview mit Krohne-Geschäftsführer Stephan Neuburger

20.10.2015 “Smarte Sensorik – neue Technologien zur Prozessoptimierung“ lautet das Motto des diesjährigen Anwendertreffens der Namur. Mit smarten Sensoren, die neben klassischen Messwerten auch die Stoffanalyse umfassen, will auch Sponsor Krohne in Zukunft punkten. Dabei geht die Vision des Herstellers weit über den Verkauf von Geräten hinaus – erläutert Stephan Neuburger im CT-Gespräch.

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CT: Herr Neuburger, was macht einen Sensor „smart“?
Neuburger: Smarte Sensorik ist klar mit der Applikation verbunden. Smarte Sensorik weiß mehr über die Anwendung und kann sich daran anpassen. Sie ist in der Lage, sich mit anderen Geräten zu vernetzen, Diagnosen zu erstellen und auch selbständig Schlüsse zu ziehen.

CT: … die Grundlage für eine dezentrale Automation.
Neuburger: Richtig, wobei wir allerdings im Auge behalten müssen, dass wir auch mit unseren smarten Sensoren in Zukunft die ganzen Vorgaben der Anwender und die Randbedingungen in der Applikation erfüllen müssen – beispielsweise Ex-Schutz, Sicherheit, Standard-Kommunikationsschnittstelle, Namur-Richtlinien usw.
 
CT: In der Praxis beherrscht immer noch die klassische 4…20-mA-Technik die Anwendungen. Der Sensor liefert seine Daten an das Leitsystem.
Neuburger: Das ist richtig, aber ich bin überzeugt, dass sich das ändern wird. Mit einer höheren Standardisierung und einem neuen „Advanced Physical Layer“ werden wir zu einer intelligenten digitalen Kommunikation kommen.

CT: Welche Anwendungen sehen Sie schon heute als Startpunkt für smarte Sensorik?
Neuburger: Ich glaube an das messtechnische Modul. Beispielsweise eines, das für die Überwachung von Druck, Durchfluss und einer Förderpumpe entwickelt wird. Dieses registriert zum Beispiel, dass am Sensor ein Druck ansteht, die Pumpe läuft, aber kein Durchfluss vorliegt. Ein smartes Modul ermittelt selbständig, weshalb kein Durchfluss anliegt und zieht die richtigen Schlüsse daraus. Beispielsweise, indem es aktuelle Zustandsinformationen aus dem Prozess mit einem Prozessmodell vergleicht.

CT: Das bedeutet, dass Hersteller sehr viel über den Prozess wissen müssen, um so ein Modell zu erstellen.
Neuburger: Das ist eine meiner Erwartungen an die Namur-Hauptsitzung: Dass die Anwender uns das Vertrauen entgegenbringen, und Anlagen- und Prozessmodelle für diesen Zweck mit uns teilen. Denn ohne das Vertrauen der Anwender werden smarte messtechnische Module in den Kinderschuhen steckenbleiben.

Heftausgabe: Oktober 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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