„Bewerber und Aufträge detailliert beurteilen“

Interview mit Stefan Körmendi, Geschäftsführer beim Fachpersonal-Dienstleister Europakraft

16.05.2017 Fachkräfte für Projekte oder die Produktion zu finden, ist oft ein mühsames Geschäft. Und auch generalistisch agierende Personaldienstleister sind hier keine Hilfe, wenn sich der vermittelte Schweißer auf der Baustelle für die Aufgabe als unqualifiziert herausstellt. Der Vermittler Europakraft hat sich deshalb auf Metallbearbeitung spezialisiert und testet Bewerber auf Herz und Nieren.

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Stefan Körmendi ist Geschäftsführer von Europakraft,

Stefan Körmendi ist Geschäftsführer von Europakraft,
„Unsere Auftraggeber brauchen Partner, die fähige Mitarbeiter vermitteln, die von der ersten Minute an Qualität liefern.“

CT: Personaldienstleister für die Industrie gibt es viele – was machen Sie im Hinblick auf die Anforderungen im Anlagen- und Apparatebau anders?
Körmendi: Viele Auftraggeber haben eine sehr negative Einstellung gegenüber Zeitarbeitsfirmen. Und meist haben sie damit recht: Denn sehr oft werden ungeeignete Leute vermittelt – das führt auf der Baustelle oder im Betrieb zu Ärger und Zeitverlusten. Der Auftraggeber hasst es, wenn er Personal anfordert und dann kommen Leute, die ungeeignet sind. Der Grund dafür ist häufig, dass die Verleiher selbst nicht vom Fach sind und sie die Bewerber und deren Qualifikationen nicht beurteilen können. Bei uns müssen Schweißer nach dem Vorstellungsgespräch erst einmal in unserem Prüfzentrum ihr Können beweisen, bevor wir sie zum Kunden schicken. Außerdem beurteilen wir sehr detailliert, welche Kenntnisse vorhanden sind und nicht zuletzt wollen wir vom Auftraggeber auch genau wissen, welche Aufgaben unsere Fachkräfte erledigen sollen und danach treffen wir die Auswahl. Deshalb sind unsere Fachkräfte sofort einsatzbereit und für den Job qualifiziert.

CT: Was macht eine qualifizierte Fachkraft aus?
Körmendi: Das Wichtigste ist Branchenerfahrung. Gerade im Anlagen- und Apparatebau müssen Fachkräfte mit einer Vielzahl von Werkstoffen, Werkstoffkombinationen, Sonderwerkstoffen, Plattierungen und Edelmetallen vertraut sein und auch mit nicht alltäglichen Werkstoffen souverän umgehen können. Sie müssen in der Lage sein, röntgensichere Schweißnähte, normgerechte Schweißwurzeln und einwandfreie Schweißkronen zu produzieren. Wir haben deshalb 2014 ein Prüfzentrum für Metall-Fachkräfte, zum Beispiel Schweißer, Rohrschlosser, Rohr-Vorrichter, Schlosser oder CNC-Abkanter in Betrieb genommen. Dort werden alle Bewerber bezüglich ihrer Fachkenntnisse und Branchenerfahrung getestet. Schweißer werden von erfahrenen Spezialisten auf ihre Qualifikation  überprüft und, wenn notwendig, trainiert. Von allen Fachkräften verlangen wir ohnehin eine abgeschlossene Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung. Wenn Sie bei uns einen Schweißer anfordern, dann schicken wir Ihnen eine Fachkraft, die fehlerfreie Schweißnähte herstellen kann, die auch einer Röntgen- oder Ultraschallprüfung standhalten.

CT: Wie finden Sie neue Fachkräfte?
Körmendi: Wir haben in den vergangenen Jahren einen sehr großen Personalbestand aufgebaut. Ständig bewerben sich neue Fachkräfte, die wir prüfen. Sind diese gut und haben Erfahrungen in unseren Arbeitsbereichen, nehmen wir sie unter Vertrag. Wer bspw. noch nie im Pharmaanlagenbau gearbeitet hat, den setzen wir dort auch nicht ein. Wir testen die Bewerber deshalb intensiv auf ihre Kenntnisse und Fähigkeiten. Nur wer wirklich qualifiziert und branchenerfahren ist, wird von uns eingesetzt.

CT: Für welche Gewerke bieten Sie Personal an?
Körmendi: Ausschließlich für die Metallbearbeitung. Dort kennen wir uns aus und können sowohl die Bewerber als auch die Aufträge beurteilen. Auf diese Weise kann eine von uns vermittelte Fachkraft auch sofort eingesetzt werden.

CT: Verleihen Sie auch Werkzeuge und Maschinen?
Körmendi: Viele Auftraggeber wollen Fachkräfte, die voll ausgerüstet ihre Arbeit beginnen – denen bieten wir das Personal inklusive Werkzeug an. Andere haben die Ausrüstung selbst und brauchen nur das Personal. Ausschließlich Geräte und Maschinen verleihen wir nicht.

CT: Wie speziell sind die Anfragen aus dem Chemie-,  dem  Pharma-  und  dem  Lebensmittelsegment?
Körmendi: Wir arbeiten für Auftragnehmer, d. h., wir nehmen keine Aufträge als Generalunternehmer an, sondern unterstützen bspw. Anlagenbauer bei der Abwicklung von Projekten in den genannten Branchen. Für die speziellen Anforderungen im Chemie-, Pharma- oder Nahrungsmittelanlagenbau haben wir viele Fachkräfte, die mit der Handhabung der dort üblichen Materialien vertraut sind. Das ist sehr wichtig.

CT: Besetzen Sie eher kurzfristige Lücken mit Ihren Fachkräften oder werden diese auch langfristiger gebucht?
Körmendi: Wir werden nicht nur zum Ausgleich von Auftragsspitzen gebucht. Auftraggeber greifen auch langfristig auf unsere Unterstützung zurück. Oft werden unsere Kräfte zunächst für zwei bis drei Wochen angefordert, weil der Auftraggeber das Risiko von Fehlbesetzungen minimieren will. Zum Teil werden daraus mehrere Jahre. Das entspricht auch unserem Selbstbild: Wir wollen für unsere Auftraggeber ein langfristiger Partner sein. Unser Bewerberpool, in dem wir mittlerweile 10.000 Fachkräfte haben, ermöglicht uns, für jede Aufgabe die geeignete Fachkraft zu finden. Darauf bauen  unsere Auftraggeber.

Bild: Europakraft

Bild: Europakraft

Zum Unternehmen Europakraft:

Der Dienstleister Europakraft GmbH bietet Fachkräfte für die Metallbearbeitung an und ermöglicht Auftraggebern, diese zeitweise auch projektbezogen und bei Personalengpässen zu disponieren. Die Qualifikationen der ausgewählten Bewerber werden sorgfältig getestet. Diese für den Einsatz qualifizierten Fachkräfte können als Leiharbeitnehmer (Arbeitnehmerüberlassung) oder als Dienstleister (selbständig, auf eigene Rechnung arbeitend) gebucht werden.

Heftausgabe: Mai 2017

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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