CT-Interview mit Franz Braun, Geschäftsführer BIS Maintenance Südwest

„Investitionsmaßnahmen ziehen stark an“

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31.01.2011 Industriedienstleister wie Bilfinger Berger Industrial Services haben die Finanz- und Wirtschaftskrise vergleichsweise gut überstanden. Nun zieht nicht nur der Markt für Instandhaltungsleistungen und deren Outsourcing wieder an, sondern auch das Projektgeschäft bietet interessante Perspektiven. Die Redaktion sprach dazu mit Franz Braun, Geschäftsführer von BIS Maintenance Südwest.

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CT: Welche Entwicklungen registrieren Sie im Nachgang der Wirtschaftskrise im Instandhaltungsgeschäft mit der Chemie?

Braun: Zum Ende des vergangenen Jahres haben die Investitionen in den Unternehmen kräftig angezogen – und zwar nicht nur in der Großchemie sondern auch im Mittelstand. Die BIS Maintenance Südwest hatte zwar auch in den Jahren 2009 und 2010 im Ergebnis keine Krise, aber das lag vor allem am stabilen Instandhaltungsgeschäft. Nun kommen die Projekte hinzu – und wir treten hier als Generalunternehmer für Anlagenprojekte auf. Das geht in der Chemie bis hin zum Bau und künftigen Betrieb, beispielsweise einer Misch- und Abfüllanlage.

CT: Die BIS Gruppe ist laut Lünendonk-Liste der größte Industrie-Instandhalter Deutschlands. Wie sehen Sie Ihre Position im Vergleich zu Industriepark-Betreibern, die jetzt ebenfalls verstärkt in dieses Geschäft außerhalb ihrer eigenen Standorte einsteigen?

Braun: Die BIS Group versteht sich als Konzern der Mittelständler. So hat beispielsweise die BIS Maintenance Südwest fast keinen Overhead, und unsere mittelständischen Kunden – beispielsweise in der Chemie – schätzen es sehr, dass wir ihnen mit unserer mittelständischen Unternehmenskultur begegnen. Und darin unterscheiden wir uns deutlich von den aus Konzernstrukturen hervorgegangenen Industrieparkdienstleistern. Zudem sind wir regional aufgestellt.

CT: Woran machen Sie Ihre Flexibilität fest?

Braun: Wir können in der Region sehr schnell und flexibel Ressourcen zur Verfügung stellen. Wir nennen das regionales Kooperationsmanagement – RKM. Unsere Mitarbeiter sind an verschiedenen Standorten tätig – jeder macht Basis-Instandhaltung, aber es gibt auch Spezialisten. Und da nicht überall gleichzeitig Stillstände sind, können wir im Bedarfsfall Ressourcen bündeln. Gewisse Qualifikationen wie befähigte Personen für bestimmte Gewerke braucht man nur einmal.

CT: Sind Chemieunternehmen offen für Outsourcing?

Braun: Das Management hat immer ein offenes Ohr, wenn es um Effizienz geht. Und das Instandhaltungspersonal, das wir von den Kunden übernehmen, ist in der Regel froh: Die Mitarbeiter gehören dann zu einem Unternehmen, in dem ihre Tätigkeit Kernkompetenz ist. In den Betrieben selbst wird die eigene Instandhaltung ja oft nur als das fünfte Rad am Wagen gesehen. Dazu kommen die systematische Qualifizierung, die wir als Instandhaltungsspezialisten bieten, sowie der Austausch mit Instandhaltungskollegen über den Standort hinaus. Und dadurch entstehen Synergien, die wir nutzen.

CT: Doch unterm Strich werden wahrscheinlich bei der Übernahme von Instandhaltungseinheiten zum Schluss weniger Beschäftigte übrig bleiben, damit daraus Synergien für Sie entstehen?

Braun: Ja, aber meistens haben wir später wieder mehr Leute – denn viele Instandhaltungsabteilungen wurden in der Vergangenheit in den Betrieben verkleinert. Um dies zu erreichen, hat man Leistungen bereits vor einem Übergang an uns nach extern vergeben. Es ist in unserem Interesse, diese Leistungen wieder zurückzuholen. Deshalb bauen wir in der Regel langfristig Personal auf. Denn eigenes Personal erhöht die Flexibilität am Standort. Die Kosteneinsparungen müssen wir durch intelligente Methoden und Instandhaltungskonzepte erreichen.

CT: Welche besonderen Leistungen bieten Sie für die Chemie an?

Braun: Chemie ist ein spezielles Thema. Kein Chemieunternehmen kann es sich erlauben, in der Arbeitssicherheit Kompromisse einzugehen. Unsere fachlich geschulten Mitarbeiter sind für den Umgang mit gefährlichen Stoffen besonders qualifiziert. In diesem speziellen Umfeld bieten wir alle relevanten Instandhaltungsleistungen an, vom Rohrleitungsbau über EMSR bis hin zu Pumpeninstandsetzung für Typen jedweder Art.
Das größte Problem der mittelständischen Unternehmen ist aber, dass die Kosten für Instandhaltung nicht transparent sind. Da arbeitet man oft mit Excel-Listen oder Word-Dokumenten. Zu unserer Methodik gehört es, ein angepasstes Instandhaltungs-Planungssystem basierend auf SAP zu installieren, mit dem die Instandhaltungsleistungen transparent werden. Dadurch werden diese Maßnahmen planbar. Und da dieses System Internet-basiert ist, muss der Kunde nicht selbst in IT investieren, sondern kann unser System über einen Web-Zugang nutzen.

CT: Worin sehen sie das größte Potenzial für Kostensenkungen?

Braun: In der Organisation und im Einsatz von modernen Instandhaltungssystemen liegt ein riesiges Potenzial. Dazu gehört beispielsweise, weg von einer zeitbasierten Wartung hin zu einer zustandsbezogenen Instandhaltung zu kommen. Den meisten Betrieben ist nicht klar, wo die Arbeitsschwerpunkte der Instandhalter liegen und wie viel Zeit für die Tätigkeiten veranschlagt werden muss. Ein weiterer Aspekt sind die Kosten im Materialeinkauf – da wir die Beschaffung bei uns im Konzern bündeln, können wir hier natürlich günstigere Konditionen erreichen. Und: Der Kunde spart den Aufwand für den Einkauf.

CT: Was liegt in den Betrieben aus Ihrer Sicht am häufigsten im Argen.

Braun: Die Wartung ist in der Regel gut organisiert und wird fachmännisch durchgeführt. Allerdings sind die Instandhaltungsprozesse und auch der Zeit- und Kostenaufwand häufig nicht transparent. Es wird immer noch sehr viel mit Papier gearbeitet und handschriftlich dokumentiert. Ein großes Thema sind Energieeinsparungen. Überall, wo große Motoren im Einsatz sind, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, ob sich unter Umständen zum Beispiel der Einsatz von Frequenzumrichtern lohnt. Dafür bieten wir einen Energiecheck an und setzen auf Wunsch dann auch entsprechende Maßnahmen um. Insgesamt sehe ich die Energieoptimierung als ein Thema, das für Instandhalter ein großes Potenzial hat – ein Schwerpunkt sind dabei vor allem auch Druckluftanlagen.

CT: Über zustandsorientierte Instandhaltung wird ja bereits seit Langem diskutiert. Wie sehen Sie hier die Situation bei Ihren mittelständischen Kunden?

Braun: Das Interesse ist da, allerdings wird im Mittelstand meist immer noch eine ausfallorientierte Instandhaltungsstrategie gefahren. Oft fehlt es am Know-how, häufig werden auch die Investitionen in das entsprechende Equipment als zu hoch angesehen. Doch hier tut sich einiges. So hat sich die Thermografie inzwischen als Methode etabliert, und die Preise für diese Technik sinkt.[AS]

Synergien in der Region
Regionales Kooperationsmanagement

Technische Dienstleistungen erfordern lokale Präsenz. Um diese wirtschaftlich darstellen zu können, setzt der Industriedienstleister BIS Maintenance Südwest auf ein regionales Kooperationsmanagement (RKM). Durch die Bündelung der Lager-, Beschaffungs- und Materialwirtschaft sowie die Kooperation mit anderen Gesellschaften der Bilfinger Berger Industrial Services werden günstige Rahmen- und Kooperationsverträge sowie Einkaufskonditionen erreicht. Personal und Material wird beim RKM-Konzept regional aus Betrieben mit Full Service zusammengezogen und steht damit auch Betrieben mit projektbezogenen Einzelaufträgen zur Verfügung. Damit wird eine hohe Serviceverfügbarkeit erreicht und steht eine umfassende Ausrüstung zur Verfügung.

Heftausgabe: Februar 2011

Über den Autor

Scheuermann
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