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04.08.2008 Effizientes CO2-Management als Wettbewerbsfaktor

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Im Emissionshandel sind ähnliche Kompetenzen wie im Energiehandel gefordert und die flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls – Clean Development Mechanism und Joint Implementation – können am effizientesten in enger Kooperation zwischen Energiewirtschaft und Industrie genutzt werden. Das wird deutlich, wenn man sich diese neuen Anforderungen im Einzelnen ansieht: Für Industrieunternehmen sind in der Praxis zurzeit zwei Handelsprodukte interessant. Das sind zum einen europäische CO2-Zertifikate, die bislang zum größten Teil auf der Basis historischer Emissionen oder Benchmarks kostenlos zugeteilt werden. Zum anderen CERs und ERUs, also CO2-Zertifikate, die aus internationalen Klimaschutz-Projekten in Ländern stammen, die nicht am Kyoto-Handel teilnehmen. Solche speziellen Zertifikate können Unternehmen der Industrie und Energiewirtschaft bis zu einer Obergrenze von 22% ihres Bedarfs in europäische CO2- Zertifikate umwandeln. Diese Produkte können von Industrieunternehmen mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen gehandelt werden: Braucht ein Unternehmen weniger CO2-Zertifikate für die Produktion als ihm zugeteilt wurde, können diese in den Markt verkauft werden. Umgekehrt können Zertifikate am Markt zugekauft werden, wenn das Unternehmen mehr für die Produktion benötigt, als aus der Zuteilung verfügbar sind.

Bei der Entwicklung einer entsprechenden Handelsstrategie dürfen Unternehmen den Zusammenhang zwischen Strom- und CO2-Marktpreisen nicht vernachlässigen: CO2-Zertifikatepreise haben unmittelbare Auswirkungen auf die Kosten der Stromerzeugung und damit auf die EEX-Preise. CO2-Zertifikatepreise spielen durch ihre Interaktion mit Brennstoffpreisen daher auch eine entscheidende Rolle bei der Absicherung gegen volatile Strompreise.

Absicherung gegen Schwankungen

Das Know-how, um solche integrierten Portfoliomanagement-Konzepte für Strom und CO2 umzusetzen, spielt dabei genauso eine wichtige Rolle, wie der Marktzugang zu internationalen Handelsmärkten und laufende Analysen des CO2-Marktes. Dazu kommt die Kombination von technischem Verständnis und Know-how in finanzmathematischem Portfolio-Management. So ist es durch Nachfragebündelung möglich, in dem jungen und illiquiden Markt günstige Einkaufskonditionen zu erreichen.

Durch die Instrumente Clean Development Mechanism und Joint Implementation erhalten Unternehmen erstmalig die Möglichkeit, aus eigenen Klimaschutzprojekten CO2-Zertifikate zu erhalten. Entsprechende Projekte wurden von RWE bereits in Afrika, Asien und Südamerika durchgeführt. Die Unternehmen wurden dabei partnerschaftlich bei der Identifikation und Bewertung möglicher Projekte unterstützt sowie Beteiligungen an deren Finanzierung eingegangen. Darüber hinaus agiert RWE als Genehmigungsmanager, der im Kontakt mit nationalen und internationalen Behörden die Anerkennung nach den Kyoto-Mechanismen sicherstellt.
Genügt das aber, auch mit Blick auf die Post-Kyoto-Phase nach 2012, mittel- und langfristig die Wettbewerbsnachteile gegenüber Konkurrenten aus Märkten ohne CO2-Handel zu kompensieren? Die Chancen wären sicherlich besser, wenn die Beschränkung der Umwandlungsrechte auf 20 % der 2008 bis 2012 zugeteilten CO2-Zertifikate gelockert würde und so das Marktpotenzial für CDM- und JI-Projekte größer wäre. Leider gehen die aktuellen Pläne der EU-Kommission in die andere Richtung: Für die Post-Kyoto Phase ab 2013 beabsichtigt sie selbst für den Fall weiterer internationaler Klimaschutzabkommen eine drastische Reduktion der möglichen Verwendung von CERs oder ERUs: Dann läge die Höchstgrenze im Falle eines geplanten europäischen Emissionsminderungsziels von 40% jährlich nur noch bei 10 % der benötigten Zertifikate.
Eine weitere wesentliche Veränderung der CO2 Handelsregeln ist in der Post-Kyoto-Phase ab 2013 zu erwarten. Während ein großer Anteil der benötigten Zertifikate heute noch frei zugeteilt wird, ist ab 2013 eine Versteigerung vorgesehen, die für besonders energieeffiziente Industrien temporär noch Ausnahmeregelungen ermöglicht.

Fazit: Zu welchem Ergebnis man am Ende tatsächlich kommen wird, ist heute noch unklar und hängt selbstverständlich auch von den Resultaten der internationalen Verhandlungen über den Kyoto-Nachfolgeprozess ab. Sicher scheint jedoch zu sein, dass die Anforderungen schärfer werden und ein effizientes CO2-Management für alle vom CO2- Handel betroffenen Indutrieunternehmen an Bedeutung gewinnt.

Heftausgabe: August 2008

Über den Autor

Dr.Martin Glimpel , Geschäftsführer RWE Key Account GmbH
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