Konzepte in der Instandhaltung

Instandhaltung optimieren – wer macht was?

06.09.2016 Viele Schäden an verfahrenstechnischen Anlagen ließen sich in der jüngeren Vergangenheit auf unzureichende Instandhaltung zurückführen. Und das, obwohl wir heute über umfangreiche technische Prüfmethoden sowie Berechnungs- und Prognosemodelle für das Verhalten von Bauteilen verfügen. Der Grund: Selten wird die richtige Strategie für die Instandhaltung gefunden, weil kurzfristige Kostensenkungen auf Basis methodischer Ansätze im Vordergrund stehen.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Jede Anlage erfordert ein eigens abgestimmtes Konzept zur Instandhaltung, das auch Mitarbeiter einbezieht, deren Kenntnis und Erfahrung nutzt und dabei Freiräume und Verantwortung zuweist.
  • Präventive Wartung konzentriert sich darauf, konkrete Fehlerursachen durch rechtzeitige Wartungsintervalle auszuschließen.
  • Probabilistische Instandhaltungskonzepte analysieren funktionale Zusammenhänge und schätzen die Ausfallwahrscheinlichkeit von Anlagenteilen sowie die Auswirkungen eines Ausfalls ab.

Nur mit der richtigen Instandhaltung läuft eine Anlage langfristig rund – doch dafür ist das passende Konzept wichtig.

Nur mit der richtigen Instandhaltung läuft eine Anlage langfristig rund – doch dafür ist das passende Konzept wichtig. (Bild: Andrei Merkulov und Kurhan – Fotolia)

Unzureichende Instandhaltung und ungeeignete Strategien verursachen immer wieder Ausfälle und erhebliche Schäden, verbunden mit hohen Kosten. Weil jede Anlage individuell ist, lässt sich jedoch kein Ansatz zur Instandhaltung eins zu eins von einer Anlage zur nächsten übertragen. Der Faktor Mensch wird außerdem bei den derzeit angewandten deterministischen und probabilistischen oft vernachlässigt.

Gut ausgebildetes und engagiertes Personal ist bei der qualifizierten Instandhaltung ein entscheidender Faktor. Damit diese Mitarbeiter auch Verantwortung übernehmen können und Freiräume haben, ist eine entsprechende innerbetriebliche Organisation notwendig. Zu selten ermöglichen Führungskräfte ihren Mitarbeitern, diese Möglichkeiten auch in der Praxis zu nutzen. Klarheit und Konsequenz, Vertrauen und Wertschätzung sollten das Miteinander prägen. Erst wenn diese Faktoren erfüllt sind, ist das Entwickeln und Umsetzen einer passenden Strategie für die Instandhaltung von verfahrenstechnischen Anlagen möglich. Dabei sollten folgende Ansätze zunächst kritisch reflektiert werden:

Deterministik: das „Wenn-Dann“-Prinzip

Das deutsche Technikrecht basiert auf deterministischen Methoden und Regeln, die dem „Wenn-Dann“-Prinzip folgen. Konsequentes Einhalten der gesetzlichen Anforderungen und des technischen Regelwerks schließt eine ernste Gefahr durch Szenarien wie Bersten aus. Die Grundlage dafür ist umfangreiche Erfahrung zusammen mit definierten Sicherheitsbeiwerten zur Kompensation von Unschärfen und Unsicherheiten.

Durch präventive Wartung in festen Intervallen lassen sich ungeplante Stillstände zwar vermeiden. Diese Sicherheitsbeiwerte führen allerdings fallweise zu Überdimensionierungen. Werden Komponenten und Bauteile aufgrund deterministischer Methoden vor dem Erreichen ihrer tatsächlichen Belastungsgrenze vorbeugend ausgetauscht, steigen die Kosten durch Wartungsstillstand und Ersatzteile vor allem bei komplexeren Systemen erheblich.

Heftausgabe: September 2016
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Über den Autor

Hans Christian Schröder, Senior Expert Kraftwerks- und Anlagenservice, TÜV Süd Industrie Service
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