Markt

Klimagipfel: Verbindliche Unverbindlichkeit

15.12.2015 Während die Politik noch über die Ergebnisse des Klimagipfels jubelt und deutsche Finanzkonzernen nun schärfere Umweltgesetze für die europäische Industrie fordert, kritisiert letztere die Unverbindlichkeit des Abkommens - und befürchtet massive Nachteile. Und auch der Ölpreis hat infolge der Pariser Beschlüsse weiter nachgegeben - droht nun der Ausverkauf?

Anzeige
Klimagipfel: Verbindliche Unverbindlichkeit

Das Klimaschutzabkommen wird in Industriekreisen kritisiert (Bild: Roman Sigaev – Fotolia)

Der Text des Abkommens liest sich durchaus positiv: Die globale Erwärmung soll – gemessen an der Zeit vor der Industrialisierung – deutlich unter zwei Grad Celsius bleiben und die Länder wollen dazu alle fünf Jahre nationale Ziele zur Senkung der Emissionen neu setzen. 

Im allgemeinen Siegestaumel wollen sich einige Konzerne als Vorreiter profilieren: So fordern der Energieversorger EnBW sowie die Sportartikelhersteller Adidas und Puma sowie die Commerzbank und die Lebensmittel-Hersteller und -Händler Unilever, Aldi Süd und Rewe einem Spiegel-Bericht zufolge in Deutschland und Europa schärfere Umweltgesetze.

Aus der Industrie hagelt es dagegen Kritik: Diese entzündet sich vor allem an der unterschiedlichen Behandlung von Industrie- und Schwellenländern. Während erstere sich auf verbindliche Klimaziele festlegen sollen, werden letztere lediglich „ermutigt“, ihren Schadstoffausstoß zurückzuschrauben. Auch fehle ein globaler Emissionshandel, der dazu beitragen könnte, die in Asien sehr viel einfacher zu hebenden Klimaschutzpotenziale auch zu realisieren. 

Stahlhersteller bemängeln beispielsweise, dass europäische Hersteller belastet werden, während chinesische Anbieter bei deutlich geringeren Auflagen den Markt mit billigem Stahl fluten. „Es hilft weder dem Klimaschutz noch den weltweiten Wettbewerbsbedingungen, wenn die EU ein Klimaziel von 40 Prozent bis 2030 zusagt, während China seine CO2-Emissionen in diesem Zeitraum weiter steigert“, kritisiert Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der deutschen Wirtschaftsvereinigung Stahl, das Abkommen. Schon heute ist China der größte CO2-Emittend, aber als „Schwellenland“ ausgenommen von den verpflichtenden Zielen.

Der Chemieverband VCI und auch der Maschinenbau-Verband VDMA kritisierten bereits am Sonntag in Pressemitteilungen die unterschiedliche Behandlung der Weltregionen. „Das Abkommen biete keine Grundlage für Deutschland und die EU, weil der Rest der Welt nur das mache, was wirtschaftlich vertretbar sei“, äußerte sich beispielsweise Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des VCI. Beim VDMA erhofft man sich durch die Klimaziele Vorteile für deutsche Anbieter, die besonders energieeffiziente und emissionsarme Maschinen und Anlagen anbieten.

Nach den Beschlüssen vom Wochenende ist der Ölpreis gestern weiter unter Druck geraten und unter das 7-Jahres-Tief gefallen. Die Sorte Brent kostete nur noch 36 Dollar pro Fass. Gleichzeitig haben die Aktienkurse von Ölkonzernen weiter nachgegeben. Das in der CT-Analyse vom Frühjahr 2015 beschriebene Szenario, dass Ölvorkommen durch die Klimapolitik zu „Stranded Assets“ werden könnten, scheint damit auch in den Köpfen der Investoren und Produzenten angekommen zu sein.

(as)

 

Loader-Icon