Am gleichen Strang ziehen

Kooperation für Elektroden-Standard

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12.03.2009 Wer am selben Strang zieht, sollte das nicht auf den gegenüberliegenden Seiten tun – dieses Credo haben sich auch die Messtechnikhersteller Knick Elektronische Messgeräte und Endress+Hauser Messtechnik zu eigen gemacht, als sie im November 2008 ihre künftige Zusammenarbeit besiegelten. Fragen zu den Zielen der Hersteller und dem Nutzen für die Anwender aus der Quasi-Standardisierung von Elektroden beantworten die folgenden Artikel.

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Entscheider-Facts Für Anwender


  • Die Hersteller Knick, Endress+Hauser, Hamilton und Schott arbeiten zusammen, um die Memosens-Technik für Elektroden im Markt weiter zu etablieren.
  • Memosens ist ein Elektrodenkonzept, mit dem sowohl digitale Signale als auch Speisespannung induktiv, also kontaktlos, übertragen werden.
  • Instandhaltung und Ersatzteilhaltung werden vereinfacht und kostengünstiger.
  • Die Kalibrierung der Elektroden kann statt vor Ort im Labor erfolgen.
  • Fast fünf Jahre nach der Markteinführung lieferte Endress+Hauser zum Jahresbeginn die 100.000ste pH-Elektrode mit Memosens-Technologie aus.

März 2009

Knick, Endress+Hauser, Schott und Hamilton arbeiten künftig gemeinsam daran, Memosens als Elektroden-Standard zu etablieren

Knick und Endress+Hauser entwickeln Steckersysteme für Sensoren, bei denen Messdaten und Speisespannung induktiv übertragen werden. Da beide Firmen für diese Technologie wichtige Patente besitzen, wäre langfristig eine gegenseitige Marktblockade für diese Technologie zum Nachteil der Anwender ein mögliches Szenario gewesen. Die vereinbarte Kooperation sieht die gemeinsame Entwicklung eines offenen Memosens-Standards vor, der die Vorteile beider Systeme vereint.

Was Memosens auszeichnet

Bei herkömmlicher Sensortechnologie können Korrosion, Feuchtigkeit oder Verschmutzung der Kontakte leicht die Messwerte verfälschen. Elektrochemische Sensoren verwenden flüssige Elektrolyten, zum Beispiel KCl, was zu einer ausgeprägten Kriechneigung auch entgegen der Schwerkraft neigt. Metallische Kontakte oder gar metallische Stecker sind daher unzuverlässig. Auch stellt die Verkopplung von Mediums- und Messumformerpotenzial eine potenzielle Fehlerquelle dar. Werden dagegen die Messdaten und Speisespannung zwischen Sensor und Kabelbuchse induktiv – und somit kontaktlos – übertragen, können solche Probleme nicht mehr auftreten. Die galvanische Trennung ist perfekt und mit einer Kopplung von etwa1pF etwa tausendmal besser als übliche Trennungen auf der Messumformerseite. Bei der mittlerweile schon im Markt fest etablierten Technologie sorgt ein Messumformer im Sensorkopf für die Digitalisierung der gemessenen Werte, die per Induktion an einen Mikroprozessor in der Buchse übertragen werden. Auf diese Weise ist es gelungen, eine Technologie in den Markt einzuführen, die die Zuverlässigkeit der Messungen erheblich verbessert. Gleichzeitig werden die Sensoren durch die Digitalisierung des Signals intelligent und ermöglichen es, durch Plug and measure vorkalibrierte Sensoren einzusetzen und damit die Instandhaltungskosten deutlich zu verringern.

Eine offene Kooperation zum Nutzen der Anwender

Der Einigung ging eine knapp zwei Jahre dauernde Verhandlungsphase voraus, in der die Partner die technischen und juristischen Details der Kooperation zu klären hatten. Als zentrale Ziele der Zusammenarbeit definierten die zukünftigen Partner neben der Weiterentwicklung der Technologie die Durchsetzung eines offenen Industrie-Standards auf Grundlage des bestehenden Memosens-Protokolls und die Garantie für den Anwender, auf der Grundlage von Memosens eine durchgängige und weitreichend kompatible Technologie zu erhalten. „Wir wollen zum Nutzen aller Anwender eine gemeinsame Plattform für induktive Steckersysteme etablieren“, erklärte Klaus Endress, CEO der Endress+Hauser Gruppe. Zudem sollen Kunden Memosens-kompatible Komponenten von unterschiedlichen unabhängigen Anbietern beziehen können.

Knick und Endress+Hauser haben vereinbart, sich gegenseitig die entsprechenden Nutzungsrechte an ihren Patenten einzuräumen und auf dieser Grundlage die Entwicklung von Memosens gemeinsam voranzutreiben, was die technische Angleichung der Systeme einschließt. Der erste Schritt betrifft die vollständige Integration des Memosens-Protokolls, mit dem die Messdaten übertragen werden, in die Knick-Produkte. In der Folge ist eine neue Produktgeneration geplant, bei der die InduCon-Funktionalität in die Memosens-Technik integriert wird. Dazu zählen unter anderem Kalibrierhistorien und Eigendiagnose-Programme, durch die eine Vorhersage der Sensor-Lebensdauer ermöglicht wird. Ein neues und gemeinsam genutztes Logo , welches den Namen Memosens mit der Bildmarke InduCon verbindent, unterstreicht die Zusammenarbeit.

Um mit Memosens einen offenen Standard auf breiter Ebene zu etablieren, wollen die Kooperationspartner diese Technologie auch anderen Herstellern zugänglich machen. „Unser Ziel ist, dass weitere Sensor- und Transmitterhersteller diese Technologie nutzen können“, beschreibt Dr. Martin Knick, CEO von Knick, ein Ergebnis der Kooperationsvereinbarung. Zurzeit unterstützen neben den Systemlieferanten die Sensorhersteller Hamilton und Schott die Memosens-Technik. Die Kooperationsgründer gehen aber auch davon aus, dass weitere Partner dem Zusammenschluss beitreten werden. Künftig soll ein unabhängiges Prüflabor hinzugezogen werden, um für jede neue Entwicklung die Abwärtskompatibilität und Interoperabilität zu anderen Memosens-Produkten zu garantieren. Erst nach bestandenen Tests sowie einer Begutachtung durch die Vertragspartner bekommen neue Produkte das Memosens-Logo.

 

Heftausgabe: März 2009

Über den Autor

Dr. Dirk Steinmüller , Leiter Business Development, Knick Elektronische Messgeräte,
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