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KPMG: Chemie zögert bei digitaler Transformation

30.11.2016 Chemieunternehmen in Deutschland kümmern sich zu wenig um die Umsetzung der digitalen Transformation - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von KPMG und Emnid.

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Die deutsche Chemieindustrie hat die Digitalisierung zwar im Blick, allerdings hapert es noch an der Umsetzung – so eine aktuelle Studie der KPMG. Bild: Fotolia

Demnach sind sich die Unternehmen zwar der Herausforderung der Digitalisierung für Ihre Branche bewusst, aber viele haben die Bedeutung der digitalen Transformation noch nicht gänzlich erkannt – so die KPMG-Studie. Für die Untersuchung wurden 75 Geschäftsführer, Inhaber, Vorstandsvorsitzende und Abteilungsleiter aus der Branche befragt. Den Unternehmen der Chemiebranche fehlen die Ressourcen, um den Wandel aktiv zu gestalten, so ein Ergebnis. Mehr als die Hälfte (60 Prozent) stellen nicht ausreichend Mittel und Kompetenzen zur Verfügung. Nur eine kleine Gruppe von First-Movern und Pionieren (3 Prozent) ergreift bereits die Chancen der Digitalisierung. Die eher konservative Einstellung der Branche spiegelt sich auch im Investitionsverhalten wider. Ein Großteil der Investitionen wird weiterhin in Deutschland und Europa getätigt.
Vir Lakshman, Head of Chemicals & Pharmaceuticals bei KPMG Deutschland: „Unsere Studie belegt, dass viele Chemieunternehmen die Chancen, die sich aus einer erfolgreichen Transformation ergeben, erkannt haben. Doch mit dieser Erkenntnis ist es nicht getan. Es gilt, jetzt die richtigen Weichen zu stellen. Im ersten Schritt sollten Unternehmen die eigene Position und Möglichkeiten analysieren und die für sie individuell optimale Strategie identifizieren. In einer kapitalintensiven Branche wie der Chemieindustrie sind zudem Plattformen und Kooperationen relevant. Durch die Vernetzung mit Kunden und Zulieferern sind an vielen Stellen Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen zu erwarten.“

Kunde rückt in den Mittelpunkt der Wertschöpfung
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Chemieindustrie rückt näher an den Kunden heran. Für mehr als die Hälfte der Befragten zählt die Anbindung an den Kunden zu den drei Prioritäten, wenn es um den Ausbau der digitalen Vernetzung ihres Unternehmens geht. Trotzdem erwarten 73 Prozent der Unternehmen keine oder nur eine geringe Veränderung ihres Geschäftsmodells. Rund ein Viertel (23 Prozent) plant beim Ein- und Verkauf primär mit virtuellen Plattformen, 68 Prozent hingegen mit Verhandlungen von Mensch zu Mensch.

Neue Kernkompetenzen entscheiden über Erfolg
In den meisten Fällen haben sich die Chemieunternehmen bereits damit beschäftigt, wie sie die relevanten Kompetenzen erwerben können. So wollen 52 Prozent der Unternehmen Data & Analytics in der Verwaltung und im Produktlebenszyklus als eigene Kernkompetenz in den nächsten zehn Jahren aktiv etablieren. Andere wichtige Kompetenzen wie IT Security, Vernetzungstechnologie und Simulationstechnik wollen sie wiederum nicht aktiv erwerben. „Unternehmen benötigen heute weitergehendes Wissen. Wer wichtige Kompetenzen nicht selbst entwickelt, läuft Gefahr, sich in essentiellen Bereichen von Drittanbietern abhängig zu machen“, sagt Sven Linden, Head of Transformation bei KPMG Deutschland.

(as)

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