Paradigmenwechsel in der Anlagenbeleuchtung

LED-Leuchten im Ex-Bereich

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21.01.2015 Ein Auftrag über 20.000 Einheiten einer Anlagenkomponente, die offiziell noch gar nicht auf dem Markt ist – was im anspruchsvollen Umfeld der Prozessindustrie sowieso schon erstaunlich klingt, wird noch erstaunlicher: Denn bei dem Produkt handelt es sich um eine brandneue LED-Leuchte für den Einsatz in explosionsgefährdeten Umgebungen, und Auftraggeber ist ein Raffineriebetreiber.

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Entscheider-Facts Für Betreiber und Planer

  • Auch in der Beleuchtung von Prozessanlagen geht der Trend klar zur LED-Technik.
  • Für diese sprechen neben der Energieersparnis gegenüber anderen Beleuchtungstechniken wie zum Beispiel der Leuchtstoffröhre vor allem die langen Lebens- und Wartungszyklen.
  • Das Ex-Schutz-Konzept und auch das Wärmemanagement von LED unterscheidet sich allerdings von der klassischen Leuchtstoffröhre.

Der Vorgang offenbart zweierlei: Einerseits hatte Reliance, Betreiber der neuen Raffinerie im indischen Jamnagar, ein Problem zu lösen, andererseits genießt der Lieferant – der Ex-Spezialist R. Stahl aus dem württembergischen Waldenburg – so viel Vertrauen, dass er trotz nagelneuer Technik den Zuschlag erhielt. Doch der Reihe nach.

Der Paradigmenwechsel in der Beleuchtungstechnik ist in vollem Gang – die Zukunft gehört der LED. Im Privatbereich hat nicht zuletzt das Glühlampenverbot der EU dieser Technik zum Durchbruch verholfen. Keine andere Beleuchtungstechnik beutet die eingesetzte elektrische Energie so effizient aus, wie der lichtemittierende Halbleiter. Und kaum eine andere Lichtquelle hat eine ähnlich große Lebensdauer.
Doch bislang hatte das seinen Preis. Im Gegen­satz zum „Cent-Artikel“ Glühlampe sind für LED-Leuchtmittel mit ähnlicher Lichtleistung mehrstellige Eurobeträ­ge fällig. Selbst bei den hohen Stromkosten in Deutschland stellt sich – abhängig von der Nutzungsdauer – der Return on Invest über Energieeinsparungen erst spät ein.

In Prozessanlagen, wie sie in der Chemie betrieben werden, sind die möglichen Energieeinsparungen allerdings deutlich geringer als in glühlampenbeleuchteten Privatwohnungen. Denn dort werden Anlagen schon seit Jahrzehnten mit sparsamen Leuchtstoffröhren in Szene gesetzt. Dennoch sind auch hier Einsparungen möglich. Beim Ex-Spezialisten R. Stahl rechnet man je nach Anwendung mit 20 bis 50 Prozent weniger Strombedarf für die Beleuchtung, wenn anstelle von Leuchtstoffröhren Langfeld- oder Rohrleuchten auf LED-Basis eingesetzt werden. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Leuchtstofflampe lichttechnisch gleichwertig zu ersetzen. Deshalb nennen wir Einsparungswerte eher konservativ“, betont Rico Schulz, Produktmanager Beleuchtungstechnik bei R. Stahl, mit Blick auf eine Problemstellung, die jeder kennt, der schon einmal eine 40-W-Glühbirne durch eine LED-Lampe mit auf der Verpackung als gleichwertig angegebener Lichtleistung in Betrieb genommen hat: Der Wohnbereich wird häufig schlechter ausgeleuchtet. Schulz: „Auch bei Ex-Leuchten gibt es am Markt Produkte, die mehr suggerieren, die aber lichttechnisch nicht gleichwertig zur alten Technologie sind. Es ist ein Fehler, nur nach der Leistungsaufnahme in Watt zu fragen. Eigentlich will der Anwender nicht Leistung, sondern Lichteffizienz.“ Denn: die Ausleuchtung von Prozessanlagen ist für das Anlagenpersonal sicherheitskritisch.

Doch obwohl Leuchtstoffröhren (noch) verfügbar sind, spricht neben der Energieeinsparung und dem Umweltaspekt für die Chemie auch ein weiteres gewichtiges Argument für den Austausch der quecksilberhaltigen Röhren: Der Wartungsaufwand. Während Leuchtstofflampen nach 12.000 bis 16.000 Betriebsstunden, d.h. in der Regel alle zwei Jahre, ausgetauscht werden müssen, halten LED-Leuchten 50.000 bis 80.000 Stunden. Der Wartungszyklus ist also zwei- bis dreimal länger. Wichtig für die Auswahlentscheidung ist dabei, dass sich Herstellerangaben zur Lebensdauer einer Leuchte nicht nur auf die LED selbst beziehen, sondern auch für das Vorschaltgerät gelten.

Heftausgabe: Januar/Februar 2015 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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