20 Milliarden Dollar in den Sand gesetzt

Megaprojekt Sadara fertiggestellt

01.09.2017 Geld in den Sand gesetzt und trotzdem zufrieden – beim Megaprojekt Sadara ist dies kein Widerspruch: In Rekordzeit haben die Joint Venture-Partner Dow und Saudi Aramco den Chemiekomplex aus dem saudischen Wüstenboden gestampft. Ende August ist die letzte von 26 Großanlagen in Betrieb gegangen.

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Sadara Chemical Company - Mixed Feed Cracker at Dawn

Herzstück des Chemiekomplexes ist ein Cracker, der sowohl flüssiges Naphtha als auch gasförmiges Ethan verarbeiten kann. Bild: Sadara

Es ist ein Start-up-Unternehmen der Superlative, das – wenn alles gut geht – ein Jahr nach Produktionsstart zu den 500 größten Unternehmen der Welt zählen wird: Die Rede ist vom Chemiekonzern Sadara, der zur Unternehmensgründung 2011 gleich den größten Chemiekomplex in Auftrag gegeben hat, der jemals in einer einzigen Phase gebaut wurde. Doch mit universitären Start-up-Unternehmen hat die Sadara Chemical Company wenig gemein. Hinter dem Jungunternehmen stehen die Petrochemie-Giganten Saudi Aramco und Dow Chemical. Der US-Chemiekonzern hält an dem Joint Venture einen Anteil von 35 %.

Start-up-Unternehmen der Superlative

20 Mrd. US-Dollar haben die Joint Venture-Partner in den Bau der Mega-Anlagen im saudischen Al Jubail am Persischen Golf investiert. 35 Mio. Kubikmeter Sand, Gestein und Erde wurden bewegt, um auf einer Fläche, die 575 Fußballfeldern entspricht, insgesamt 26 Einzelanlagen zu errichten. Der Chemiekomplex besteht aus 2.500 km Rohrleitungen, 11.000 km Kabel und 160.000 t Stahl und erforderte mehr als 500 Mio. Arbeitsstunden. Zu Spitzenzeiten der Bauphase waren 60.000 Arbeiter vor Ort.

Der Komplex beinhaltet die weltgrößten Chloralkali-Elektrolyseanlagen und vier Großanlagen zur Herstellung von Polyethylen. Herzstück des Chemiekomplexes ist ein Cracker, der sowohl flüssiges Naphtha, als auch gasförmiges Ethan verarbeiten kann. Insgesamt soll der Chemiekomplex künftig Jahr für Jahr über 3 Mio. Tonnen an Kunststoffen und Spezialchemikalien liefern. Auch Technik aus Deutschland kommt bei Sadara zum Einsatz. So beruht die Ammoniakherstellung auf dem Haber-Bosch-Verfahren von Uhde. Linde hat rund 380 Mio. Euro investiert, um den Petrochemie-Komplex mit Kohlenmonoxid, Wasserstoff und Ammoniak zu versorgen.

Ziel: weltgrößter Energie- und Chemiekonzern

Für die Ölnation Saudi Arabien ist der Komplex ein wichtiger Baustein in der Strategie, die Wertschöpfungsketten zu verlängern. Das Königreich will vom Netto-Importeur zu einem globalen Exporteur von Chemikalien werden und strebt im Zuge der Vison 2030 an, die Industrien außerhalb des Ölgeschäfts voranzutreiben. Der Ölriese Saudi Aramco hat sich vorgenommen, in den kommenden Jahren zum weltgrößten integrierten Energie- und Chemiekonzern aufzusteigen. Als Flagschiff-Projekt soll Sadara dazu beitragen, vermehrt ausländische Investitionen nach Saudi Arabien zu bringen. Im Joint Venture mit Dow Chemical ist das eindrucksvoll gelungen. Das CT-Team gratuliert allen Projektbeteiligten!

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Heftausgabe: September 2017
Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK

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Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
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