Von wegen Treudoof

Mit Weiterbildung das Personal binden

07.10.2008 Der Markt für Fachpersonal ist heiß umkämpft, und Unternehmen müssen Maßnahmen ergreifen, um einerseits Fachkräfte zu gewinnen und andererseits die vorhandenen zu binden. Weiterbildung und Qualifizierung stärken die emotionale Bindung an den Arbeitgeber, und vielleicht vertreiben mehr Emotionen im Berufsleben auch die Sorgen um den Nachwuchs.

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Oktober 2008

Ingenieure sind treue Individuen – sie bleiben überdurchschnittlich lange bei einem Arbeitgeber. Und wenn sie nicht treudoof, sondern gebildet sind, lässt sich ihre Treue durch Fortbildung und Qualifizierung noch festigen. Wie eine Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) berichtet, haben Ingenieure, die sich als sehr gut qualifiziert einstufen, eine weitaus höhere emotionale Bindung an den Arbeitgeber als solche, die sich nur schlecht gefördert fühlen. Demnach lohnt es sich, in die Bildungsmaßnahmen für seine Fachkräfte zu investieren, um sie und ihr Know-how länger im Unternehmen zu halten.

Neue Perspektiven

Im Werben um Fachkräfte dürfen Unternehmen nicht nachlassen. Laut VDI und der Bundesagentur für Arbeit gab es 2007 mehr offene Ingenieur-Stellen als arbeitslose Ingenieure. Zwar sind in diesem Wintersemester erstmals seit fünf Jahren die Anfängerzahlen in den Ingenieurwissenschaften wieder gestiegen, doch was nutzt das, wenn einfach nicht genug Nachwuchs geboren wird? Bislang steigt die Geburtenrate trotz Elterngeld nur marginal von 1,33 im Jahr 2006 auf 1,37 in 2007. Das statistische Bundesamt spricht von einer signifikanten Erhöhung. Eine Erhöhung, die verspricht, dass jede neue Generation mehr als ein Viertel kleiner ist als die vorherige – nicht gerade ein Aufwärtstrend. In der Folge wird die Bevölkerung in Deutschland in weniger als 50 Jahren um etwa zehn Prozent schrumpfen und gleichzeitig das Durchschnittsalter erheblich steigen, wie das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung prognostiziert.

Doch das muss nicht nur negative Folgen haben. Die Entwicklung könnte dazu zwingen, dass Probleme, die bisher vor allem unter Gerechtigkeitsaspekten diskutiert wurden, in Zukunft unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Dann werden Themen wie gerechte Bildungschancen für alle Kinder, Einwanderung oder Gleichstellung von Mann und Frau möglicherweise neu bewertet. Die Berliner Studie jedenfalls sieht die Länder imVorteil, die mehr in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, in die Integration vonEmigranten und vor allem in Bildung investieren.

Emotionale Bindungen

Demnach könnte doch die Devise gegen den Fachkräftemangel lauten: Mehr Bildung für mehr Gefühl! Das bindet die Fachkräfte an das Unternehmen und könnte bei einem ausgewogenem Geschlechterverhältnis im Unternehmen vielleicht auch die Geburtenrate steigen lassen. Nachwuchssorgen adé![ega]

Heftausgabe: Oktober 2008

Über den Autor

Gandert
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