Gemeinsam an einem Strang

Mittelständler entwickeln Kooperationsmodell für Projektabwicklung

03.09.2015 Wie kann man immer größere Leistungspakete an immer weiter entfernten Orten anbieten? Diese Frage treibt inzwischen insbesondere auch mittelständische Unternehmen um. Eine Antwort darauf haben fünf Hersteller von Pharmamaschinen gefunden, und sich zur Excellence United zusammengeschlossen. Der Clou: Komplette Produktionslinien werden aus einer Hand und unter einer Projektleitung realisiert. Wie das funktioniert, erklären Thomas Hofmaier, Glatt, und Christian Link, Uhlmann Pac Systeme, im CT-Interview.

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CT: Ein Auftrag, aber fünf unterschiedliche Unternehmen – das klingt nach ziemlich viel Abstimmungsaufwand. Wie funktioniert Projektmanagement in der Excellence United?
Hofmaier: Es gibt extrem viele Varianten von Projekten, und jede Firma hat eigene Stärken – diese haben wir in der Excellence United gebündelt und daraus ein gemeinsames Projektmanagement-Handbuch erstellt. Dort sind die Grundregeln der kaufmännischen und technischen Zusammenarbeit beschrieben. Wichtig ist auch zu berücksichtigen,  was der Kunde unter dem Begriff „Projekt“ versteht und wie die Projektstruktur mit den Bedürfnissen des Kunden einhergeht. Die einfachste Ausprägung eines Projektes kann  eine einfache Systemintegration zwischen den Maschinen von zwei Herstellern sein und geht hin bis zur schlüsselfertigen Großanlage. Wichtig ist, dass es für Projekte der Excellence United ein gemeinsames Projektteam gibt, aus dem der Projektleiter hervorgeht.

CT: Und wer stellt den Projektleiter?

Hofmaier: In der Regel wird der Projektleiter von dem Unternehmen gestellt, das den größten Lieferumfang und damit die meiste Integrationsarbeit hat.
Link: Und natürlich richtet sich das auch nach den Wünschen der Kunden. Wenn es zum Beispiel bereits eine bestehende Kundenbeziehung gibt, weil der Auftraggeber schon mit einem Mitgliedsunternehmen der Excellence United zusammengearbeitet hat, dann übernimmt dieses Unternehmen die Projektleitung. Wichtig ist, dass einer das Projekt vorantreibt.

CT: Wie ist die Verantwortung aufgeteilt?

Hofmaier: Es gibt viele Varianten, und wir sind sehr flexibel aufgestellt – unser Handbuch beschreibt diese Varianten. Viele Pharmaunternehmen arbeiten direkt mit Herstellern zusammen und beauftragen keine zusätzlichen Engineeringunternehmen. Als Excellence United stellen wir sicher, dass nur einmal über Gewährleistungsfragen und die Vertragsgestaltung geredet wird. Das vereinfacht für den Kunden das ganze Projekt erheblich – nicht nur für uns, sondern vor allem auch für den Kunden. Manchmal vergibt dieser den Auftrag an eines unserer Mitgliedsunternehmen, das dann als Generalauftragnehmer agiert. Wir bestellen dann untereinander, aber ohne Aufschläge! Auch untereinander arbeiten wir dann zu den gleichen, im Vertrag mit dem Kunden definierten Bedingungen. Der Kunde kann sich also auf sein Projekt konzentrieren und muss sich nicht mit fünf verschiedenen Firmen abstimmen.

CT: Klingt alles sehr gut, aber wenn es zu Problemen wie Verzögerungen etc. kommt, muss einer den Kopf hinhalten. Dazu kommt, dass große Auftragspakete auch eine gewisse Größe erfordern. Wie ist die gesamtschuldnerische Haftung in Projekten der Excellence United geregelt?
Link: In unserer Kooperation, die von einer großen Solidarität geprägt ist, steht die Vertragserfüllung dem Kunden gegenüber ganz oben. Von den Eigentümern der in der Excellence United zusammengeschlossenen Unternehmen gibt es ein starkes Commitment. Risiken werden gemeinsam getragen. Wir haben einen großen Vertrauensvorschuss, und das hat sich in der Praxis bewährt.

Hofmaier: Jeder Partner stellt sicher, dass das Projekt in der vereinbarten Zeit zu den vereinbarten Kosten realisiert wird. Das Hand-in-Hand-Arbeiten und das Vertrauen des Kunden und der Partner untereinander sind  aus meiner Sicht eine ganz tolle Erfahrung.

Heftausgabe: September 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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