Mauser zeigt auf der Interpack Kreislauf-Lösungen

Nachhaltigkeit im Fokus

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30.06.2011 Nach und nach setzen sich die Betrachtungen zum Carbon Footprint und zur Nachhaltigkeit in der Produktion in der Chemie stärker durch. Ein wichtiger Aspekt sind die Logistikkette und Primärverpackungen. Der Industrieverpackungsspezialist Mauser hatte das Thema deshalb auf der Interpack in den Fokus gestellt.

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Nachhaltige Lösungen müssen gleichzeitig auch wirtschaftlich sein“, erklärte Dr. Clemens Willée, CEO der Mauser-Gruppe, im Interview mit der CT. Dazu dient das 2009 initiierte Sustainability-Programm sowie das weltweite Rücknahmeprogramm „Total Recollect“. Für die Rücknahme aller Verpackungen einschließlich solcher anderer Hersteller betreibt der Anbieter gemeinsam mit dem Tochterunternehmen National Container Group NCG ein Netzwerk von weltweit 25 Rekonditionierungsstätten, das künftig noch weiter ausgebaut werden soll. Im April hatte NGC die Mehrheit an dem kanadischen IBC-Rekonditionier RTQ sowie den US-Stahlfass-Rekonditionierer Burbank Barrel and Drum (BBD) in Houston übernommen. Im Dezember 2010 war der Hersteller mit der Übernahme des Fass-Rekonditionierers American Container Net (ACN)in den US- Markt eingetreten und bietet die Aufarbeitung von Stahlfässern inzwischen auch in Singapur an.

Dass Verpackungen aus Biokunststoffen bereits Realität sind, wurde dabei ebenso gezeigt, wie die Möglichkeit, bis zu 10 % des Verpackungsgewichts einzusparen. Mit gebrauchten Kunststoffen lässt sich die CO2-Bilanz deutlich verbessern. Dazu wurden komplett aus Recycling-Kunststoffen bestehende Deckelfässer, Paletten oder das zugelassene, in der mittleren Schicht recycelte 3-Schichten-L-Ring-Fass vorgestellt.[AS]

CT: Inwieweit spielt das Thema Carbon Footprint aus Ihrer Sicht in der Chemie bereits eine Rolle und schlägt auf den Bereich der Packmittel durch?

Willée: Alle großen Chemieunternehmen haben inzwischen umfassende Nachhaltigkeitsprogramme. Die Chemie betrachtet hierbei immer stärker die gesamte Supply Chain – und da können wir als Partner unterstützen. Wenn wir Lösungen bieten, die nachhaltig und gleichzeitig auch wirtschaftlich sind, dann finden wir Gehör. Aber diese Kombination ist von großer Bedeutung.
Unser Ansatz lautet, nicht mehr nur neue Verpackungen anzubieten, sondern den kompletten Kreislauf zu managen. Unser Rekonditionierungs-Service umfasst die Rücknahme der Verpackungen, deren Aufarbeitung, Reinigung und das erneute Inverkehrbringen. Und das setzt sich in der Chemie – insbesondere in Europa und in Nordamerika – immer stärker durch. Für die Chemie ist das nicht nur wirtschaftlich interessant, sondern hat auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit und das Vermeiden von CO2-Emissionen Vorteile.

CT: Welche Entwicklungen sehen Sie in der Logistikkette?

Willée: Früher hat die Chemie Verpackungskreisläufe selbst organisiert und Packmittel zum Beispiel gereinigt. Heute wird das stark outgesourct. Zunächst an kleine Unternehmen, mehr und mehr aber nun an größere Unternehmen wie Mauser. Die Chemieunternehmen und deren Einkaufsabteilungen bevorzugen hierbei wenige Partner, die den Service an unterschiedlichen Standorten anbieten können. Dadurch können wir mit den Kunden Programme aufsetzen, Rücklaufquoten messen und auch Incentives ausloben, um Rücklaufquoten zu erhöhen. Die Koordination spielt eine zunehmend wichtige Rolle.

CT: Ist die Chemie bereit, rekonditionierte und damit häufig qualitativ schlechtere Primärverpackungen einzusetzen?

Willée: Rekonditionierte Verpackungen sind in der Qualität nicht weniger gut. Hier kommt es auf die jeweiligen Anforderungen der Unternehmen an. Die einen kaufen nur Neuverpackungen, die anderen akzeptieren einen geschlossenen Kreislauf und setzen ihre eigenen oder andere rekonditionierte Verpackungen wieder ein – beispielsweise mit einer neuen „Blase“ im IBC. Aber es gibt auch Anwendungen, in denen gewaschene Behälter eingesetzt werden. In Amerika ist das schon viel stärker etabliert – dort heißt die Betrachtung meist „fit for purpose“. Die Wirtschaftskrise hat hier ebenfalls zu einem Umdenken geführt und zum Trend, wettbewerbsfähiger einzukaufen. Wir glauben, dass sich das auch in Europa etablieren wird.

CT: Welche Trends in Bezug auf Regelwerke beobachten Sie und welche aktuellen technischen Entwicklungen stehen bei Ihnen im Fokus?

Schmidt: Wir sehen momentan wenig grundlegend neue gesetzliche Anforderungen. In der Lebensmittelindustrie ist allerdings ein Trend zu höheren regulativen Anforderungen an die Verpackungen zu beobachten. Deshalb differenzieren wir unser Produktportfolio für diesen Anwendungsbereich zunehmend stärker, gerade wenn es um die Nachweispflichten geht. Aber auch hier geht es in die Richtung „fit for purpose“ – Differenzierung, ohne zu weit vom Standard abzuweichen, wie zum Beispiel durch den Einsatz von nachweislich lebensmitteltauglichen Dichtungen. Darüber hinaus sind Gewichtseinsparungen weiter ein Thema. Hier arbeiten wir mit den großen Rohstoffherstellern im Kunststoffbereich zusammen, um die Gewichtsreduzierung durch Einsatz neuer HDPE-Typen zu realisieren. Eine der jüngsten Entwicklungen in diesem Bereich ist beispielsweise der Einsatz von multimodalem Polyethylen für unsere Deckelfässer, von welchem wir uns Gewichtseinsparungen von fünf bis zehn Prozent versprechen.

CT: Sehen Sie aufgrund der Transportkosten einen Trend weg vom Mehrweg?

Schmidt: : Nein, das Gegenteil ist der Fall. Für die Industrieverpackung sehen wir zwei Kreisläufe – die Wiederverwendung der Verpackung und den Materialkreislauf der ursprünglich eingesetzten Werkstoffe. Im Bereich der Kombinations-IBCs ist die Wiederverwendung im Rahmen eines Mehrweg-Systems weit verbreitet.[AS]

Heftausgabe: Juli 2011

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Scheuermann
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