Ausgefackelt

Neues Verfahren für die Umwandlung von Methan in Methanol

16.11.2017 Bohrinseln treiben Umweltsensiblen im Grunde gleich doppelt die Tränen in die Augen. Zum einen wäre da die Tatsache, dass sie Öl fördern. Zum anderen fackeln sie im Zuge dessen Erdgas ab, für das Betreiber wirtschaftlicher Nutzbarkeit keine bessere Verwendung finden.

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gas flame over blue sky background

Bild: UMB-O – Fotolia

Jährlich beläuft sich so die Summe an sinnlos verbranntem Erdgas – das ja als Übergangs-Energieträger auf dem Weg in eine nachhaltige Energiezukunft gilt – auf rund 150 Mrd m3. Nicht zu vergessen die 400 Mio. t CO2, die bei der Verbrennung entstehen.

Stand der Technik: unbefriedigend

Zwar ist es auch heute schon grundsätzlich möglich, Methan unter hohem Druck zu verflüssigen. Doch braucht es hierfür spezielle Anlagen, um das Methan zu kühlen und unter Druck zu halten. Genauso schwierig ist der Abtransport von der Bohrinsel, für den besondere und damit teure Druckbehälter oder auch Pipelines zum Einsatz kommen müssten. Eine weitere Option ist es, das Methan in Methanol umzuwandeln, dessen Umgang sich deutlich unkritischer gestaltet. Allerdings benötigt die aktuelle Generation von Anlagen, in denen Katalysatoren verbaut sind und die hohe Temperaturen benötigen, etwas, das aus nachvollziehbaren Gründen Mangelware auf einer jeden Bohrinsel ist: Platz.

Grüne und fossile Energie Seit‘ an Seit‘?

Ein Team um Professor Yogesh Surendranath vom US-amerikanischen MIT hat nun laut eigenen Angaben ein Verfahren entwickelt, das Methan

Oil platform on sea.

Auf Bohrinseln herrscht Platzmangel, was die Vor-Ort-Umwandlung von Methan schwierig macht. Bild: 3dmentat – Fotolia

mittels Elektrizität in verschiedene Methanol-Derivate umwandelt. Dabei handelt es sich um einen elektrochemischen Prozess, der nur niedrige Temperaturen benötigt. Die elektrische Energie erneuert dabei den Katalysator, der den Prozess in Gang setzt, kontinuierlich. Dabei entstehen laut den Wissenschaftlern Methylbisulfat sowie Methansulfonsäure, aus denen in einem weiteren Prozessschritt Methanol gewonnen werden kann – selbst wiederum Ausgangsprodukt für beispielsweise Treibstoff, Kunststoff oder auch Arzneimittel. Der Clou an der Sache: Der für den Prozess nötige Strom könnte dabei aus regenerativen Quellen stammen, beispielsweise aus Windkrafträdern oder Solaranlagen direkt neben einer solchen Anlage, und damit als durch und durch nachhaltig gelten.

Fast schon zu spät?

Einziger Wehrmutstropfen: Der Prozess hin zum Methanol gestaltet sich derzeit noch schwierig. Zwar arbeiten die Wissenschaftler gerade daran, diesen letzten und laut eigenen Angaben sehr herausfordernden Schritt zu perfektionieren – aber so könnte es dennoch einige Jahre dauern, bis die ersten Anlagen auf Bohrinseln installiert werden können. In Zeiten der globalen Bemühungen um Dekarbonisierung vielleicht schon fast ein Wettlauf gegen die Zeit? 1712ct999

Hier finden Sie die Meldung des MIT.

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Heftausgabe: November 2017
Philip Bittermann, Redaktion

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