Standards für die Basis

Nicht mehr Äpfel mit Birnen vergleichen müssen

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04.06.2008 Prozesssensoren bilden in der Automatisierung den größten Teil der Investionskosten. Für Anwender ist daher die Standardisierung der PLT-Feldgeräte von großer Bedeutung. Da passt es gut in die Zeit, dass Endress+Hauser seine Memosens-Technologie offenlegen will und in der Prozessanalysentechnik mit weiteren Anbietern kooperieren will.

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Wesentliches Ziel in der Entwicklung von PLT-Geräten sollte die Standardisierung sein, empfiehlt die Namur. Danach gäbe es in Zukunft pro Messprinzip eine Gerätebaureihe, die für etwa 80 Prozent der Applikationen geeignet ist. Das Standardgerät müsste sich für Anwendungen in Chemie und Pharmazie einsetzen lassen und auch zukünftige Anforderungen in der Messtechnik erfüllen. Nach den Vorstellungen der Anwender-Interessengemeinschaft umfasst die Standardisierung den gesamten Lebenszyklus eines PLT-Feldgeräts – von der Entwicklung, zur Bestellung bis zu Verschrottung sollen vergleichbare Maßstäbe gelten. In der Namur erwarten die Mitglieder, dass dadurch die Lebenszykluskosten sinken. Armin Bruker, BASF, progonostizierte auf der Namur-Hauptsitzung 2007 bereits für 2009 ein Namur-Standardmessgerät.

Sich öffnen bringt Vorteile für alle

Auf der Hauptsitzung wurde auch deutlich, dass nicht nur die Standardisierung der Hardware ein wichtiges Thema, sondern auch eine einheitliche Kommunikation mit dem Prozessleitsystem wichtige Forderungen der Anwender sind. Einen Schritt in Richtung Vereinheitlichung der Schnittstellen ging nun der Hersteller Endress+Hauser Conducta (E+H). Das Unternehmen hat sich entschlossen, die von ihm entwickelte Memosens-Technik für Sensoren offenzulegen. Nachdem sich die 2004 entwickelte Technik in mehren 10000 pH-Messstellen im Betrieb bewährt hat, soll die Schnittstelle nun auch von anderen Anbietern verwendet werden können. Anwendern soll damit erleichtert werden, nach der 80:20-Regel Sensoren verschiedener Anbieter einsetzen zu können, ohne größere Anschluss-Hürden überwinden zu müssen. Endress+Hauser einigte sich bereits mit Hamilton, weitere Kooperationen werden derzeit verhandelt. „Der Industrie-Standard ist offen für alle Anbieter – für Hersteller von Transmittern und Sensoren“, so Dr. Thomas Steckenreiter, Endress+Hauser Conducta.

Steckerkonzept wird auf weitere Messprinzipien ausgeweitet

Im Memosens-Kopf des Sensors ist der Messumformer integriert und digitalisiert die Signale. Da die Stromversorgung des Sensors und die Kommunikation über eine induktive Kupplung erfolgen, werden Umweltstöreinflüsse reduziert. Die Signale sind stabil und galvanisch vollständig entkoppelt. „Die Entwicklung löst das Problem der Hochohmigkeit ursächlich“, erklärt Dr. Thomas Steckenreiter. Bislang bietet E+H Memosens-Sensoren zur Messung der konduktiven Leitfähigkeit, von Sauerstoff, pH, Redoxpotenzial sowie glasfreie Isfet-Sensoren mit Memosens-Kopf an – in Planung sind Sensoren für die induktive Leitfähigkeit. Das Memosens-Konzept umfasst darüber hinaus Wartung und Instandhaltung der Sensoren. Der Sensor wird nicht mehr an der Messstelle kalibriert, sondern im Labor. Die qualitätsrelevanten Daten werden im Sensor gespeichert und über eine Datenbank lückenlos dokumentiert. Dr. Thomas Steckenreiter rechnet vor, dass sich bei zehn pH-Messtellen mit zehn Kalibrierungen pro Monat über fünf Jahre etwa 15000 Euro Anschaffungskosten sowie mehr als 15000 Euro Wartungskosten einsparen ließen.

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Für Anwender:

  • Mit Standards für Messgeräte können Kosten gesenkt werden.
  • Die Memosens-Technik könnte sich in Zukunft als herstellerübergreifendes, störungsunempfindliches Anschluss-Prinzip für Elektroden eignen.
  • Das System umfasst neben der neuen Anschluss-Technik, ein ausgefeiltes Wartungs- und Instandhaltungskonzept.

 

 

Für Hersteller:

  • Nach Vorstellung der Namur gäbe es in Zukunft pro Messprinzip eine Gerätebaureihe, die für etwa 80 Prozent der Applikationen geeignet ist.
  • Die Standardisierung soll den gesamten Lebenszyklus eines PLT-Feldgeräts betreffen – von der Entwicklung, zur Bestellung bis zu Verschrottung.
  • E+H legt nun seine neue Technik offen und will mit anderen Herstellern kooperieren, um das System als herstellerübergreifenden Elektroden-Anschluss zu etablieren.

Heftausgabe: Mai 2008

Über den Autor

Dr. Etwina Gandert, Redaktion
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