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Novellierte Betriebssicherheitsverordnung erlaubt Ersatzprüfungen mithilfe zerstörungsfreier Prüfverfahren

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26.11.2015 Voraussetzung für zerstörungsfreie Prüfungen (ZfP) bei der wiederkehrenden Prüfung von Druckanlagen ist ein von einer Zugelassenen Überwachungsstelle (ZÜS) bestätigtes Prüfkonzept, das sicherheitstechnisch gleichwertige Aussagen liefert wie die klassischen Prüfungen. Auf Grundlage eines derartigen Prüfkonzepts können sogar Anlagenteile mit den ZfP-Verfahren geprüft werden, ohne dass sie dafür außer Betrieb genommen werden müssen.

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Fachleute bei der Schallemissionsmessung am Lagerbehälter. Bild: TÜV Nord

Das bedeutet zum Beispiel, dass große Gaskugeln, erdgedeckte Flüssiggasbehälter, Druckbehälter für Wasserstoff oder Stickstoff und Tankanlagen nicht mehr entleert, gesäubert und mit einem Druckmedium gefüllt werden müssen. „Die teilweise schädigenden Einflüsse von Luftsauerstoff oder Wasser auf die Druckbehälterwerkstoffe werden somit von vornherein ausgeschlossen“, sagt Horst-Lorenz Halliger, Geschäftsfu?hrer TÜV Nord MPA. „Die damit verbundenen Kosteneinsparungen für den Betreiber sind hingegen enorm“, ergänzt er.

Zwei Prüfverfahren empfohlen
TÜV Nord MPA, eine Tochtergesellschaft der TÜV Nord Group und hervorgegangen aus der ehemaligen Materialprüfung der Leuna Werke, hat jahrzehntelange Erfahrungen bei der Anwendung von zerstörungsfreien Prüfverfahren im Rahmen der Zustandsbewertung von Druckbehältern und Rohrleitungen in der chemischen und petrolchemischen Industrie.

Gemeinsam mit der TÜV Nord Systems, die als ZÜS akkreditiert ist, wurden bereits Prüfkonzepte für den Einsatz von ZfP-Verfahren im Rahmen der wiederkehrenden Prüfung von Druckgeräten anstelle der klassischen Prüfungen erstellt und erfolgreich umgesetzt. So wird bei Wasserstoffspeicherbehältern die innere Prüfung durch eine Ultraschallprüfung der Schweißnähte bei 100 % des zulässigen Betriebsdrucks sowie durch eine Wanddickenmessung ersetzt. Die Festigkeitsprüfung wird als Gasdruckprüfung mit dem Behälterinhalt H2 bei 10 % oberhalb des zulässigen Betriebsdrucks von einer Schallemissionsanalyse begleitet. Der Behälter muss dabei nicht geöffnet, entleert und gesäubert werden. Betreiber setzen lediglich einen Wasserstofftrailer ein, der den erforderlichen Druckaufbau während der Druckprüfung erzeugt. Um derartige Ersatzprüfungen zu realisieren, empfiehlt Halliger zwei Prüfverfahren:

Schallemissionsanalyse oder Acoustic Emission
Schallemission entsteht in einem Bauteil immer dann, wenn Energie in Form von transienten elastischen Spannungswellen freigesetzt wird. Dieses Freisetzen, das mit Versetzungsbewegungen, Rissbildung, Delaminationen, plastischen Verformungen oder auch Rissuferreibungen einhergeht, ist die Folge von mechanischen, chemischen oder thermischen Belastungen oder Überbelastungen des Bauteilwerkstoffs.

Heftausgabe: Dezember 2015
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Über den Autor

Cathrin Scharkowski, freie Fachjournlistin für TÜV Nord
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