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Objektorientierte Engineering-Software sorgt für flüssige Arbeitsabläufe im Anlagenbau

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24.07.2010 Die steigende Komplexität im Anlagenbau verlangt flexible Engineering-Werkzeuge, die einfach zu bedienen und leicht integrierbar sind. Hager+Elsässer, Hersteller von Wasseraufbereitungsanlagen, setzt dazu ein objektorientiertes CAE-System ein, bei dem Rohrleitungs- und Instrumentierungs-Diagramme im Mittelpunkt stehen. Die auf Microsoft-Standards basierende Lösung hat bereits zu deutlich kürzeren Planungsprozessen geführt.

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Entscheider-Facts Für Planer

  • In der Integration der Engineering-Werkzeuge liegt ein wesentliches Effizienzpotenzial für den Anlagenbau.
  • Hager+Elsässer setzt zur Planung und Dokumentation von Wasseraufbereitungsanlagen die Software Visual Plant Engineer ein. Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Rohrleitungs- und Instrumentierungsdiagramme.
  • Der Datenaustausch zwischen Softwaremodulen erfolgt per XML-Schnittstelle.
  • Der Anlagenbauer schätzt, dass sich das Erstellen, Verwalten und Ändern von Fließschemata durch den Einsatz der Software gegenüber komplexen CAD-basierten Systemen um 60 % beschleunigen lässt.

Die Hager + Elsässer GmbH ist ein führender Hersteller von Wasseraufbereitungsanlagen, der mit optimierten Prozessabläufen durch den Einsatz innovativer Softwaresysteme die Weichen für zukünftiges Wachstum gestellt hat. Der Stuttgarter Anlagenbauer wickelt pro Jahr rund 150 zum Teil schlüsselfertige Anlagen im Auftragswert bis zu 20 Millionen Euro für die Abwasser- sowie Prozess- und Reinstwasseraufbereitung ab.

Mit wachsendem Auftragsvolumen erhöhten sich auch die Anforderungen an die Projektorganisation. Für die Projektabwicklung wurde die Kommunikation über den Schreibtisch zunehmend ineffizient. Oft kamen entscheidende Informationen nicht rechtzeitig dort an, wo sie gebraucht wurden. Weil das Unternehmen mit wechselnden und heterogenen Teams arbeitet, verzichtet der Anlagenhersteller auf überladene und starre Kompaktlösungen und setzt stattdessen auf ineinandergreifende Softwarekomponenten, basierend auf standardisierten Microsoft-Technologien.

Zukunftsfähige IT-Prozesse

Nach dem Grundsatz „IT-Strategie folgt Unternehmensstrategie“ führte das Unternehmen bereits 2006 ein IT-Konzept ein, in dem die einzelnen Softwarebausteine intelligent miteinander verzahnt sind. „Um frühzeitig auf die Branchentrends von Morgen vorbereitet zu sein, bedarf es mehr als eines reinen Datenaustausches zwischen den einzelnen Anwendungen – entscheidend ist ein gut durchdachtes und konsistentes IT-Gesamtkonzept“, resümiert Oliver Franke, Leiter QM+IT bei Hager+Elsässer: „Wir suchten nach einer unternehmensübergreifenden und leistungsfähigen Engineering-Plattform, die von jedem Projektmitglied genutzt werden kann. Eine problemlose Integration in die vorhandene IT-Landschaft und offene Schnittstellen zum ERP-System sowie die Interoperabilität mit anderen Anwendungen waren weitere Anforderungen.“

Die Engineering- und Dokumentationssoftware des Berliner Softwareunternehmens X-Visual Technologies bot sich als optimale Lösung an. Mit dem objektorientierten „Visual PlantEngineer“ werden intelligente Rohrleitungs- und Instrumentierungsdiagramme (R&Is) erstellt, die Anlagenhersteller und Anlagenbetreiber entlang des gesamten Lebenszyklus‘ einer Anlage begleiten.
Die auf Microsoft Office Visio basierende Lösung stellt das R&I als zentrales Planungsdokument auch angrenzenden Fachabteilungen zur Verfügung und versorgt diese mit bedarfsgerechten Informationen. Der Datenaustausch zwischen CAE-Software und anderen Softwaremodulen wird durch die vielfältig einsetzbare Schlüsseltechnologie XML verwirklicht. Durch die in der Praxis bewährte Office-Oberfläche ist der Schulungsaufwand gering.
Damit bereits die Vertriebsmitarbeiter erste Kundenanforderungen anhand von Fließbildern fundiert umsetzen können, wurde die Software zunächst in den Planungsteilphasen Vertrieb und Basic Engineering eingeführt. Der mit der Vertriebsphase beginnende Abgleich von Plan- und Ist-Daten ist eine wichtige Voraussetzung für nahtlose Engineering- und Dokumentationsprozesse im gesamten Projektverlauf. Eine konsistente Datenpflege auf der Grundlage einer gemeinsamen Datenbasis optimiert die Zusammenarbeit der verschiedenen Gewerke im Unternehmen.

Dezentrale Auftragsabwicklung vermeidet Leerlaufzeiten

„In den Projektphasen Konstruktion und Beschaffung betrachteten wir es als wichtige Aufgabe, bestimmte Arbeitsschritte vorzuziehen, um den gesamten Beschaffungsvorgang zu beschleunigen und kostenintensive Leerlaufzeiten zu vermeiden“, erklärt Stephan Koepp, Leiter Dokumentation und Typisierung PRW beim Anlagenhersteller. Insbesondere für Langläufer-Komponenten können dann in der Designphase Anfragen über das ERP-System an die Hersteller gerichtet werden. Die abgeglichenen Artikeldaten werden anschließend in das Fließbild rückübertragen. Das Verfahrensschema wird entlang des Planungsprozesses iterativ vervollständigt und ermöglicht bereits in frühen Planungsphasen eine Vorkalkulation oder Beschaffungsanfragen. Während der Montage und Inbetriebnahme wird die Software direkt vor Ort und für die As-built-Dokumentation zum Einsatz kommen. Flexible Sichtweisen auf die Anlagenkomponenten berücksichtigen die Informationsbedarfe der einzelnen Abteilungen. Neben der funktionalen Sicht der Anlage ermöglicht die Software die Definition von gemeinsam zu montierenden Komponenten sowie kompletten Beschaffungseinheiten. Die dispositive Sicht stellt Informationen für den Bereich Logistik bereit. „Die flexible Bearbeitung komplexer Abläufe spricht für unser dezentrales System“, so Koepp.

Die Bewältigung komplexer Daten bedarf einer neuartigen Kommunikation der Projektmitarbeiter. „Bei der Software-Einführung wurden in gemeinsamen Workshops optimale Begriffe für Objekte und Abläufe festgelegt. Mit einer gemeinsamen Sprache wird auch das Verständnis für die Aufgaben und Informationsbedarfe der Abteilungen untereinander wachsen“, stellt Oliver Franke heraus. Nach zweijähriger erfolgreicher Projektumsetzung ist Franke überzeugt: „Eine gut durchdachte Projektorganisation, eine gemeinsame Datenbasis und standardisierte Begriffsysteme helfen uns, die Datenflut komplexer Projekte in die richtigen Bahnen zu lenken.“
„Bereits während der Testphase konnten wir eine Produktivitätssteigerung von rund 20 Prozent verzeichnen. Durch die leichte Handhabung und die Konzentration auf die wichtigsten Funktionen wird die Engineering-Software eine um 60 Prozent beschleunigte Erstellung, Verwaltung und Änderung von Fließschemata im Vergleich zu komplexen CAD-basierten Lösungen ermöglichen. Im Bereich der Projektdokumentation generiert das Unternehmen dann eine Zeitersparnis von 40 bis 60 Prozent. Diese enorme Effizienzsteigerung wird unsere Projektdurchlaufzeiten verkürzen und steigert gleichzeitig die Qualität unserer Daten“, fasst Franke die Vorteile zusammen und bestätigt zudem, dass „durch die freigesetzten Ressourcen mehr Zeit für das Kerngeschäft zur Verfügung steht und zukünftig mehr Aufträge abgewickelt werden können.“

Ausblick: Neben Systemschnittstellen zur Automatisierungstechnik ist auf internationaler Ebene die Einführung bei Schwestergesellschaften geplant. Smartphone und PDA sollen das Datenmanagement auf der Baustelle und im After-Sales-Service verbessern. Zudem sollen die Anlagenbetreiber profitieren, indem Sie jederzeit direkten Zugriff auf alle im System hinterlegten Projektdaten und Wartungszyklen der Anlage haben. So können Änderungen auf Grundlage der As-built-Dokumentation vorgenommen und dokumentiert werden. Das spart Zeit und Geld, da Änderungen im Design sind insbesondere während der Betriebsphase einer Anlage sehr kostspielig sind.

„Bereits während der Testphase konnten wir eine Produktivitätssteigerung von rund 20 Prozent verzeichnen“
Oliver Franke ist Leiter QM + IT bei Hager+Elsässer

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Heftausgabe: Juli 2010
Jenny Brockel

Über den Autor

Jenny Brockel

Jenny Brockel ist bei X-Visual zuständig für Marketing

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