Ölpreis-Tiefstand

Ölförderung: Libyen und Nigeria torpedieren Opec-Limit

21.06.2017 Der Ölpreis steht so niedrig wie seit sieben Monaten nicht mehr, ein Barrel der Sorte Brent kostet derzeit weniger als 46 US-Dollar und könnte sogar noch niedriger fallen. Grund ist die höhere Förderung in Libyen und Nigeria.

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Ölpreis-Verfall: BP will in Deutschland 800 Stellen streichen.

Zuletzt ging es mit dem Ölpreis wieder stark bergab: Öl ist so billig wie zuletzt vor sieben Monaten. (Bild: Berthold Werkmann – fotolia)

In Libyen hat unter anderem die BASF-Tochter Wintershall die Förderung wieder aufgenommen. Das Land produziert mittlerweile 900.000 Barrel am Tag, schreibt das Handelsblatt. Die Exporte aus Nigeria sollen bis August auf rund 285.000 Barrel am Tag steigen, was rund einem Viertel der von der Opec beschlossenen Förderkürzungen entspricht. In dem afrikanischen Staat hat Shell die Produktion vor Kurzem wieder angekurbelt. Hinzu kommt eine steigende Produktion aus der Schieferförderung in den USA.

Der Preis für ein Barrel der Benchmark-Sorte Brent liegt bei 45,6 US-Dollar, ein Barrel der US-Sorte WTI kostet nur 42,9 US-Dollar. Analysten halten für möglich, dass der Brent-Preis bis auf 45 US-Dollar sinkt. Fällt der Preis weiter, wird jedoch die US-amerikanische Schieferölförderung zunehmend unwirtschaftlich, was wiederum einen Preisanstieg bewirken sollte. Die Opec-Staaten hatten im Mai gemeinsam mit zehn weiteren Staaten beschlossen, das Förderlimit bis März 2018 zu verlängern. Ziel ist es, die weltweit hohen Lagerbestände zu senken und so den Ölpreis zu stabilisieren. Libyen und Nigeria sind von dieser Vereinbarung nicht betroffen.

Trotz übererfüllter Förderkürzungen war das Kartell der ölfördernden Staaten damit bislang nur wenig erfolgreich, der Ölpreis stieg auch bis zum jüngsten Preissturz nur wenig an. Und ein Ende des billigen Öls ist nicht in Sicht: Selbst wenn der Ölpreis bis zum dritten Quartal wie von Analysten der HSH Nordbank erwartet auf 56 US-Dollar/Barrel steigt, wäre dies noch immer nur die Hälfte des Preises von vor dem großen Preisverfall im Jahr 2014.

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