US-Wahlen

Präsident Trump – und jetzt?

10.11.2016 Bei der Wahl des US-Präsidenten hat sich der republikanische Kandidat Donald Trump gegen die Demokratin Hillary Clinton durchgesetzt. Aufgrund seiner aggressiven und populistischen Pläne galt er hierzulande als praktisch unwählbar, ein möglicher Präsident Trump galt als Bedrohung für die internationalen Handelsbeziehungen. Wie reagierten Politiker, Branchenverbände und Märkte auf die Wahl?

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Präsident Trump – und jetzt?

Welche Konsequenzen die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten für die deutsch-amerikanischen Beziehungen haben wird, bleibt abzuwarten. (Bild: TR – Fotolia)

Das Unfassbare oder zumindest Unerwartete ist eingetreten: Donald Trump wird US-Präsident. Die ganze Welt hielt nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses entsetzt den Atem an, Aktienkurse brachen ein, an mehreren Orten in den USA kam es zu lautstarken Protesten. Viele andere Menschen sowohl in den USA als auch anderswo dachten offenbar zunächst an Flucht: Die Website der kanadischen Einwanderungsbehörde war kurz nach der Wahl vorrübergehend unter Anfragen zusammengebrochen, und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat per Twitter bekräftigt, der Mars sei noch nicht bewohnbar.

Tief luftholen

Nun entweicht der angehaltene Atem zischend und die Welt holt tief Luft. Denn irgendwie muss es ja weitergehen. Gratulationen von Freunden, Sympathisanten, Parteikollegen, politischen Rivalen und Gegnern sowie Staatsoberhäuptern aus aller Welt trudelten ein. Die ersteren sofort, andere dagegen zögerlich und versehen mit unterschiedlichen Graden des Zähneknirschens. Die Populisten und Nationalisten aller Welt jubeln. Viele Glückwunschbotschaften an den gewählten Präsidenten, ebenso wie Reaktionen von Vorständen und Branchenverbänden, sind aber geprägt von Hoffnungen und Mahnungen an die zukünftige Zusammenarbeit.

So bietet beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Atemzug mit ihrem Glückwunsch dem künftigen Präsidenten der USA eine Zusammenarbeit an, aber ausdrücklich auf Basis der Werte der Demokratie, Freiheit, sowie dem Respekt Menschenrechten und Menschenwürde unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk bekräftigten die Bedeutung der europäisch-amerikanischen Beziehungen. Damit diese nicht ausdünnen, luden sie Trump mit Ihrem Gratulationsschreiben gleich zu einem Gipfeltreffen nach Brüssel ein.

VDMA: Hoffentlich folgen den Worten keine Taten

Beim Verband der chemischen Industrie (VCI) herrscht eine Mischung aus Unsicherheit und Hoffnung: „Die Verunsicherung, wohin die USA nun steuern, ist groß,“ kommentiert Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. „Wir hoffen, dass Donald Trump trotz nationalistischer und protektionistischer Positionen im Wahlkampf als Präsident der Vereinigten Staaten an die engen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und den USA anknüpfen wird. Wir brauchen eine stabile transatlantische Zusammenarbeit bei weltweit wichtigen Zukunftsfragen – zum Beispiel bei der Handels-, Klima- und Wirtschaftspolitik.“ Die USA sind der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie: 11,4 % aller Ausfuhren von chemisch-pharmazeutischen Erzeugnissen gingen 2015 in die Vereinigten Staaten.

Beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) überwiegt die Sorge: „Wir können nur hoffen, dass er seinen Worten keine entsprechenden Taten folgen lässt“, sagt Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann hinsichtlich des von Trump angekündigten Rückzugs aus den transatlantischen Handelsbeziehungen. Mit Einfuhrzöllen auf deutsche Maschinenbauprodukte sei zwar vorerst nicht zu rechnen. Die protektionistischen Vorschläge von Trump hätten jedoch Auswirkungen auf das Investitionsklima in den USA und damit auch auf die Maschinenimporte aus Deutschland.

Siemens-Chef: „Gebt ihm eine Chance“

Neue Aufträge durch den von Trump versprochenen Ausbau der Infrastruktur erhoffen sich viele Unternehmen, darunter auch Siemens. „Die USA sind unser größter Einzelmarkt“, betonte Siemens-Chef Joe Kaeser, und forderte daher im Hinblick auf den vielfach kritisierten Trump: „Gebt ihm eine Chance. Wir müssen schauen, was wir zusammen machen können. Lasst es uns positiv angehen.“ Der Konzern erzielt in den USA 22 Mrd. US-Dollar Umsatz pro Jahr, etwa ein Viertel seiner Gesamteinnahmen.

Der im Vorfeld der Wahl als unabwendbare Konsequenz befürchtete Börsencrash ist ausgeblieben, die Aktienkurse erholten sich nach nur kurzem Absacken erstaunlich schnell. Einige Unternehmen profitierten sogar direkt davon, besonders durch die Pharmabranche ziehen sich die Erfolgsmeldungen: Die Aktien der US-Unternehmen Amgen, Lilly, Merck & Co und Pfizer legten um vier bis acht Prozent zu. Die deutschen Konzerne Bayer und Merck aus Darmstadt gewannen über drei Prozent. Dabei spielt wahrscheinlich Erleichterung eine große Rolle: Von Clinton befürchteten die Pharmakonzerne, sie werde ihre Macht über die Märkte einschränken. In Kalifornien scheiterte gleichzeitig mit der Präsidentenwahl ein Gesetzesantrag, der die Preise von Medikamenten stark begrenzt hätte. Auch die Kohleindustrie frohlockt: Trump ist erklärter Gegner des Klimaschutzes und will fossile Energieträger fördern.

Die allgemeine Sorge ist, dass Trump nun als Präsident machen kann, was er will. Zumal die Republikaner auch in beiden Häusern des US-Kongress die Mehrheit behalten haben, womit es den Demokraten praktisch unmöglich ist, gegen neue Gesetze vorzugehen. Dagegen steht jedoch, dass zahlreiche republikanische Spitzenpolitiker sich vor der Wahl deutlich von Trump und dessen Aussagen distanziert haben. Diese Politiker könnten die wildesten Ideen des Präsidenten im Zaum halten – allerdings vor allem innenpolitisch. Wie sich die Dinge wirklich entwickeln, bleibt abzuwarten, nach dem Motto: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. (ak)

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