Blick in die Röhre

Produktivität im Rohrleitungsbau

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15.09.2014 Wachstum hilft Schwachstellen zu identifizieren: Immer komplexere Projekte, immer mehr Rohrspools, die es herzustellen und zu montieren gilt, eine stetig wachsenden Zahl an zu prüfenden und zu zertifizierenden Schweißnähten und das Bedürfnis, Großprojekte innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens und Budgets fertigzustellen – darum beschloss IMR Hamburg, ein Unternehmen für den Bau von Hochdruckrohrleitungen für Kraftwerke und Industrieanlagen, die eigenen Geschäftspraktiken und Arbeitsmethoden zu prüfen, um festzustellen, wo Verbesserungen möglich sind.

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Und wurden fündig: Bisher lagen die Unterlagen auf den Baustellen nur in Papierform vor. „Um Bestandszeichnungen zu erstellen und Konstruktionszeichnungen in 2D-CAD zu ändern, die vom Kunden mit Änderungsmarkierungen versehen wurden, benötigten wir bis dahin pro Blatt bis zu vier Stunden“, erinnert sich Andre Köhsel, Leiter Qualitätssicherung und Schweißtechnik bei IMR. Für die Beschaffung und Verwaltung der Materialien, zur Überprüfung von Schweißnähten und Projektfortschritten und zur Erstellung von Berichten für die Geschäftsleitung wurden zahlreiche zusätzliche Tabellen benötigt. Nach dem Überprüfen der bisher üblichen Vorgehensweisen stellten die Beteiligten fest, dass die Abläufe nicht nur sehr arbeitsintensiv, sondern auch zeitaufwendig, teuer und fehleranfällig waren. Eine Modernisierung war daher dringend nötig. Schnell stand fest, dass der Schlüssel zur Steigerung von Effizienz und Produktivität in einer Software liegen würde, mit der das Unternehmen elektronische Zeichnungen und Rohrleitungskonstruktionsdaten seiner Kunden empfangen und mit denen es im Anschluss arbeiten könnte.

Elektronische Rohrleitungsdaten

Ein typischer Auftraggeber des Unternehmens verwendet 3D-Planungssoftware, beispielsweise PDS von Intergraph, um Kraftwerke zu planen, wobei die für den Bau benötigten Isometrien automatisch mit Hilfe von Isogen entstehen. Nach einiger Recherche, welche Software überhaupt auf dem Markt erhältlich ist, entschied sich der Rohrspezialist für Smartplant Spoolgen Plus von Intergraph. Mit Hilfe der Software ist es möglich, elektronische Rohrleitungsdaten im IDF- oder PCF-Format von anderen Programmen wie Smart 3D, PDS und CAD-Worx von Intergraph sowie von allen größeren Anbietern von 3D-Software zu empfangen, die Isogen verwenden. Das Programm deckt alle Prozesse und technischen Aspekte für den Bau von Rohrleitungssystemen für neue Industrieanlagen sowie kleinere Wartungsprojekte von bestehenden Rohrleitungssystemen ab, wodurch die jeweiligen Projekte zu geringeren Kosten schneller zu realisieren sind, ohne auf Qualität und Genauigkeit verzichten zu müssen. Dies führt zu Wertschöpfung und einer schnellen Rentabilität. Die Softwarelösung ermöglicht das automatische Erstellen von Produktions- und Konstruktionsunterlagen, Schweißunterlagen und Qualitätssicherungsbescheinigungen gemäß der europäischen Druckgeräterichtlinie (DGRL) oder den amerikanischen ASME-Normen für die Planung und Herstellung von Rohrleitungen.

Kontrolle vor Ort
„Vor Ort auf der Baustelle ist für uns meist ein Team von 50 bis 60 Personen zugegen, darunter Schweißer sowie einige Qualitätssicherer. Für jede Rohrleitung, die wir errichten – und das können bei einigen Projekten mehr als 2.000 Stück sein – sind wir vertraglich verpflichtet, unseren Kunden vollständige Bestandsunterlagen bereitzustellen“, erklärt Köhsel. Dazu gehören Bestandszeichnungen, Schweißunterlagen (inklusive der Ergebnisse der zerstörungsfreien Prüfung, Röntgenfilme sowie eine Qualitätssicherungsbescheinigung). Mit dem Programm ist es nun möglich, mit den Konstruktionsdaten eines Kunden zu arbeiten und alle Rohrleitungsdaten zentral in einer Datenbank zu verwalten. Die integrierten Funktionen ermöglichen es den Ingenieuren dann, genauere und qualitativ hochwertigere Qualitätssicherungsunterlagen zu erstellen. „Und das Ganze schneller und einfacher als zuvor“, kommentiert Köhsel. Die Auswirkungen auf die Produktivität sind laut ihm gewaltig und ermöglichen es den Angestellten vor Ort, effizienter zusammenzuarbeiten. Das Qualitätssicherungspersonal beispielsweise ist dafür verantwortlich, dass alle vor Ort vorgenommenen Schweißarbeiten qualitativ hochwertig ausgeführt werden. Die Softwarelösung stellt hierfür umfassende Informationen zur jeder Schweißnaht zur Verfügung. Das Aufsichtspersonal kann diese Informationen dazu nutzen, um mit geringem Aufwand schnell detaillierte Schweißunterlagen vor Ort und Aufträge für zerstörungsfreie Prüfungen durch externe Prüfunternehmen zu erstellen. Darüber hinaus ist es möglich, für jede Schweißnaht automatisch den für das Projekt festgelegten Prüfrahmen für die zerstörungsfreie Prüfung anzuwenden, um stets eine einheitliche Qualitätssicherung umsetzen können. Dies ist auch für die Zusammenarbeit mit den benannten Stellen ein großer Vorteil.

Reibungslose Abläufe

Bei Bedarf erstellt das Programm umfassende Berichte, bei denen entweder das komplette Projekt oder die einzelnen Schweißer als Grundlage dienen – so ist es beispielsweise möglich auszuwerten, welche Schweißnähte bis zum jeweiligen Datum fertiggestellt wurden und bei welchen Schweißnähten der Prüfer Mängel feststellte. Dies ist insbesondere für das Qualitätssicherungspersonal von großem Vorteil, da sie die Leistungen jedes einzelnen Schweißers überwachen und sicherstellen können, dass die Arbeiten den geltenden Qualitätsvorgaben entsprechen. Der Status jeder ausgeführten und geprüften Schweißnaht wird dokumentiert, inklusive Reparaturen und Tracern, um so eine vollständige Nachver-folgbarkeit ermöglichen. Und auch die Verwaltung des Projektfortschrittes ist einfach und direkt: Das System erfasst den Status der abgeschlossenen Arbeiten täglich. Berichte, bei denen das System den Fortschritt der fertiggestellten Rohrleitungen auf Grundlage der Länge, des Gewichts oder dem prozentualen Anteil an den Gesamtarbeiten grafisch anzeigt, kann der Anwender bei Bedarf per Knopfdruck erstellen. Diese Berichte, die die Verantwortlichen – je nach Projekt – täglich oder wöchentlich abrufen, helfen, Ausgaben zu kontrollieren und die Ressourcen vor Ort sinnvoll einzusetzen, so dass Anlagen nach Plan entstehen. „In der Vergangenheit war die Umsetzung von Änderungen an Entwürfen stets problematisch, da jede Änderung mühevoll per Hand geschah. Änderungen an den Rohrleitungen oder den zugrundeliegenden Prozessdaten erkennt die Software nun automatisch und kann sie graphisch darstellen. So kann unser Unternehmen Änderungen systematisch umsetzen, so dass Unterbrechungen in der Produktion seltener vorkommen und der Projektzeitplan nicht in Gefahr gerät“, kommentiert Köhsel. Das Erstellen von Bestandzeichnungen ist nun ebenfalls einfacher: Das Unternehmen importiert die IDF vom Kunden und erstellt einen editierbaren Entwurf. Die Verantwortlichen ändern dann nur noch den vor Ort auf der Baustelle mit einer Änderung versehenen Bereich des Rohrleitungs-entwurfes und erstellen die gewünschte Bestandszeichnung. Im Vergleich zur Erstellung in 2D-CAD, wie es früher geschah, spart der Rohrspezialist nun pro Isometrie zwei bis drei Stunden ein.

Stunden zu Minuten

„Unsere Projekte finden zum Großteil in Europa statt. Daher müssen wir die Übergabedokumente für unsere Kunden, darunter Druckprüfungen, Endabnahme- und Übergabebescheinigungen, gemäß der Druckgeräterichtlinie (DGRL) erstellen. Früher benötigten wir für jede errichtete Rohrleitung bis zu einer Stunde für das Erstellen der entsprechenden Dokumente. Jetzt benötigen wir dafür nur noch Minuten“, erklärt Köhsel. Für ein Projekt mit 2.000 Rohrleitungen sind die Zeiteinsparungen entsprechend gewaltig. Darüber hinaus kann er sich auf die Dokumente verlassen, die er seinen Kunden übergibt, da sie den aktuellsten Stand der Rohrleitungsdaten gemäß Datenbank widerspiegeln. Pro Rohrleitung betragen die Einsparungen schätzungsweise bis zu 10 Stunden Arbeitszeit. Das Programm spielt damit für die Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund ist es auch geplant, die Software für alle zukünftigen Projekte standard-mäßig einzusetzen.

Einen Link zum Unternehmen finden Sie hier.

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Heftausgabe: September 2014

Über den Autor

Myriah Lesko, Senior Communication Specialist, Intergraph PP&M
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