Datenfriedhof beherrschen

Prozessdaten-Auswertung vereinfacht

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17.11.2008 Der Schatz liegt meist im Datensilo: Wie ein Produktionsprozess optimal geführt werden kann, ist häufig auf den Datenträgern des Leitsystems bereits gespeichert. Die Crux: Historien-Pakete zum Prozessleitsystem sind meist teuer und können oft nur von Spezialisten bedient werden. Für das System Aprol wurde nun ein Auswertungs-Paket entwickelt, das einfach zu bedienen ist. Und dieses kann auch neben bereits installierten Leitsystemen genutzt werden.

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Entscheider-Facts Für Betreiber



  • Die Auswertung historischer Daten der Prozessleittechnik ist eine Voraussetzung für die Prozessoptimierung und zum Erreichen des „golden Batch“.
  • Historien-Pakete zu Leitsystemen sind oft teuer und erfordern Spezialistenwissen, um die Daten zu interpretieren.
  • Mit dem Daten-Informationssystem des Leitsystems Aprol steht eine preislich interessante und bedienerfreundliche Alternative zur Verfügung.

Verbesserungen in bestehenden Prozessen gehen häufig von der Verfahrenstechnik aus. Basis dafür sind meist (historische) Prozessdaten, in denen die optimalen Parameter – beispielsweise für Batch-Prozesse – festgehalten sind. Doch die Hemmschwelle für Verfahrenstechniker ist hoch: Daten aus den Speichermedien des Prozessleitsystems sinnvoll abzurufen und zu verknüpfen erfordert häufig Spezialistenwissen. Und so kann die Komplexität der Historien-Pakete von Prozessleitsystemen zum Hindernis für Optimierungsprojekte werden.

Die Firma Grillo-Werke AG, ein traditionsreiches Familienunternehmen mit Hauptsitz in Duisburg, stellt am Produktionsstandort Frankfurt-Höchst anorganische Schwefelchemikalien her. Für die Optimierung der Produktionsprozesse und auch aus Sicht der Qualitätsverbesserung war es notwendig, alle anfallenden Daten aus den verschiedenen Produktionsbereichen zentral zu speichern und auszuwerten.
Durch die dabei entstehende Informationsflut wird das Datenarchiv, ohne eine übersichtliche, vom Bediener intuitiv und selbst zusammenstellbare Aufbereitung sowie Darstellung der Daten früher oder später zu einem großen „Datenfriedhof“ für den Benutzer. Selbst teure Historien-Lösungen als Module von Prozessleitsystemen sind häufig nur durch Spezialisten und Programmierer zu bedienen – sogar der Betriebsleiter findet sich hier oft nicht mehr zurecht.
Gemeinsam mit Anwendern und Kunden wurde deshalb ein Softwarepaket zur Auswertung von Prozessdaten entwickelt, dessen zentrales Entwicklungsziel die Benutzerfreundlichkeit war. Das auf der Betriebssystem Plattform Suse Linux Enterprise Server 10 betriebene Aprol deckt mehrere Informationsschichten ab, die sehr einfach und intuitiv zusammengestellt werden können. Durch nur wenige „Mausklicks“ können unterschiedlichste Daten in Bezug gesetzt werden, um verfahrenstechnische Abläufe transparent darzustellen.
Einfaches „Drag and Drop“ der Messstellen aus der Datenbank und bedie-nerfreundliche Werkzeuge ermöglichen dem Anwender eine individuelle und komfortableKonfiguration seiner Oberfläche. Trenddarstellungen und verschiedenste Auswerte- und Analysemöglichkeiten wie beispielsweise Häufigkeitsverteilung, Zeitfolgedarstellungen und auch Exportmöglichkeiten in Tabellenkalkulationen wie MS Office Excel oder OpenOffice Calc stehen dem Bediener über ein Menü zur Verfügung.

Automatische Datenübernahme von Freelance

Um die Produktionsdaten transparent zu machen, entschied man bei den Grillo-Werken Mitte Mai 2008 am Standort Frankfurt-Höchst das Prozessleitsystem Aprol als Daten-Informationssystem (Aprol DIS) einzusetzen. Die verschiedenen Produktionsanlagen, jeweils automatisiert mit dem ABB-Leitsystem Freelance, liefern über das Ethernet (OPC-Server) alle relevanten Produktionsdaten an das zentrale Daten-Informationssystem. Über einen „Tag Importer“ werden alle relevanten Konfigurationsgrunddaten, wie Messstellentexte, physikalische Einheiten, Alarme etc., automatisch im Zielsystem Aprol angelegt. Dieser Vorgang erspart teures Engineering und verhindert überdies Fehler bei einer ansonsten notwendigen manuellen Eingabe dieser Daten. Moderne Web-Technologien sowie eine Zugriffsrechte-Verwaltung ermöglichen den gesicherten Zugriff von jedem Büro-PC über das Netzwerk auf den Server des Daten-Informationssystems. Auf diese Weise stehen jedem einzelnen Bediener die eigenen und – bei Bedarf – auch die Daten aus den anderen Produktionsanlagen vollständig zur Verfügung. Das schafft eine größtmögliche Transparenz – insbesondere bei vernetzten Abläufen in der Produktion.

Die technischen Vorgaben zu diesem Projekt und auch kleine Verbesserungsvorschläge aus Sicht des Anwenders kamen von dem EMR-Leiter des Standorts Frankfurt-Höchst der Grillo-Werke AG. Mit den aktuellen Daten aus den Anlagenbereichen und den historischen Werten der Langzeitspeicherung steht dem verantwortlichen Betriebsleiter nun eine Informationsbasis für eine Optimierung der Prozessanlagen zur Verfügung. Die intuitive Bedienung des Systems, im Zusammenhang mit den verschiedenen Auswertemöglichkeiten, erleichtert und unterstützt diesen Optimierungsprozess erheblich.

Heftausgabe: November 2008
Martin Reichinger , Business Manager Process Automation, B&R

Über den Autor

Martin Reichinger , Business Manager Process Automation, B&R

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