Interview mit Friedrich Klütsch, VDMA

Prozesspumpen: Aktuelle Entwicklungen, Energieeffizienz und Störungsfrüherkennung

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07.10.2008 Pumpen spielen in verfahrenstechnischen Prozessen eine zentrale Rolle. Um so gespannter blicken die Prozessbetreiber auf die aktuellen Entwicklungen. Themen wie Energieeffizienz rangieren für die Betreiber deutlich unter dem Kriterium Verfügbarkeit. Die Trends verdeutlicht Friedrich Klütsch von der Fachvereinigung Pumpen im VDMA im CT-Interview.

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CT:Von welchen Technologien versprechen Sie sich die meisten Impulse für die Entwicklung von Pumpen?

Klütsch: Die Entwicklung von Pumpen wird wie in der Vergangenheit von zwei wesentlichen Forderungen getrieben. Zum einen steigende Verfügbarkeit und zum anderen Kosten. Bei der Verfügbarkeit kommen mehrere Ansätze in Frage. Neben verbesserten Werkstoffen und steigender Fertigungsgüte werden Störungsfrüherkennung und damit die Elektronik an Bedeutung gewinnen. Bei komplexen Systemen werden Pumpen über Feldbusse verstärkt in die Leittechnik eingebunden.

Bei den Kosten setzt sich langsam aber stetig die Lebenszyklusphilosophie durch. Hier zeigen die steigenden Energiekosten Wirkung. Energieeffizienz wird für Pumpen eine Herausforderung und zugleich Chance sein. Jede Technologie, die unter den genannten Forderungen Verbesserungen bringt, wird ihren Platz in den Märkten finden. Die zunehmende Spezifizierung und Individualisierung wird dazu führen, dass bestimmte Techniken in bestimmten Anwendungen favorisiert werden.
Es darf aber dabei nicht vergessen werden, dass in Dritt- und Schwellenländern ein wachsender Bedarf an Pumpen entstehen wird – zum Beispiel in der Wasserver- und entsorgung, der zunächst aller Voraussicht nach nicht mit Hochtechnologie abgedeckt werden wird.


CT: Welche Potenziale und Entwicklungen sehen Sie für Prozesspumpen hinsichtlich Energieeffizienz?

Klütsch: Prozesspumpen werden vorrangig unter dem Aspekt der Verfügbarkeit gesehen. Hier beginnt langsam ein Umdenken. Es wird im Zuge von Ersatzinvestitionen zum Einsatz energieeffizienterer Pumpen kommen, wobei hier in erster Linie die Antriebstechnik genannt sei. Per Gesetz werden Hocheffizienzmotoren vorgeschrieben, und im Falle schwankender Lastprofile, beispielsweise in der Gebäudetechnik, werden drehzahlgeregelte Antriebe verstärkt eingesetzt werden. So lassen sich Einsparpotenziale von etwa 20% generieren. Über eine Optimierung des Pumpensystems ließen sich zwar von Fall zu Fall deutlich höhere Einsparpotenziale heben, doch setzt dies den Austausch sensibler Prozessdaten voraus, eine Maßnahme, die verständlicherweise nicht einfach zu realisieren ist.

 

CT: In der Chemie werden verstärkt hermetisch dichte Pumpen eingesetzt: Welche weiteren Entwicklungen erwarten sie hier?

Klütsch: Auch für hermetisch dichte Pumpen wird es, vor dem Hintergrund schärfer werdender Umweltgesetzte (z.B. TA Luft) leicht wachsende Marktanteile geben. Hier werden voraussichtlich größere Pumpen realisiert werden.

CT: Welche Entwicklungen sind für die Störungsfrüherkennung besonders vielversprechend und wie wichtig ist die Einbindung solcher Systeme in Automatisierungs- und Leittechnik?

Klütsch: Die Möglichkeit, Pumpen im Betrieb zu überwachen, bieten aktuell bereits eine ganze Zahl von Herstellern an. Was bis dato fehlte, war ein einheitliches Geräteprofil, das von vergleichbaren Pumpen gemeinsam verwendet werden kann. Hier hat mit dem Erscheinen des VDMA-Einheitsblattes 24223 „Allgemeines Geräteprofil für Pumpen und Vakuumpumpen“ ein neues Zeitalter begonnen. Nun gibt es grundlegende Festlegungen, die von Pumpen erfüllt werden müssen. Dies realisiert die Einbindung von Pumpen in existierende, übergeordnete Automatisierungs- und Leittechnik. Damit wird auch der Austausch vergleichbarer Pumpen ohne Verlust bestimmter Funktionalitäten oder Eigenschaften ermöglicht und dem Anwender die Entscheidungsfreiheit gegeben, unter verschiedenen Produkten das am besten geeignete auszuwählen. Es bleibt zu hoffen, dass viele Anwender das Potenzial dieser Lösung erkennen und solche Produkte anfragen.[AS]

„Im Zuge von Ersatzinvestitionen wird es auch bei Prozesspumpen zum Einsatz energieeffizienterer Geräte kommen“
Friedrich Klütsch ist technischer Referent im VDMA Fachverband Pumpen+Systeme

Heftausgabe: Oktober 2008

Über den Autor

Scheuermann
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