Andocksystem für Einweg-Foliengebinde mit großem Potenzial

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30.06.2011 Eines der Highlights auf der diesjährigen Interpack war aus Sicht der Redaktion ein neues Andocksystem für Folien und Foliensäcke. Das Flecozip genannte System ermöglicht in der Chemie und Pharmaindustrie das kontaminationsfreie Verbinden von Gebinden und Transfervorrichtungen beim Befüllen und Entleeren von Schüttgut-Gebinden sowie bei der Probenahme.

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Abfüll- und Umfüllvorgänge gehören bem Einsatz von Schüttgütern in der Chemie und Pharmaindustrie zum täglichen Geschäft. Allerdings bergen diese Vorgänge stets Gefahren in sich: Bei der Mobilisierung von Pulvern und anderen Partikeln können toxische Stäube freigesetzt werden, oder aber das Produkt kann durch äußere Einflüsse verunreinigt werden. Entsprechend hoch ist in der Regel auch der Aufwand, um Fässer, Container, Säcke oder andere Gebinde möglichst staubfrei an den Prozess anzudocken.

Ein Novum für das Handling von Schüttgütern ist das Flecotec-System, das vom Anbieter Andocksysteme Untch auf der Interpack vorgestellt wurde. Basis des Systems ist der Flecozip-Verschluss, eine Konstruktion, die der von wiederverschließbaren Beutelverpackungen im Consumerbereich ähnelt. Allerdings wird die Verbindung beim Flecozip-System mit einer speziellen Vorrichtung (Slider) hergestellt – einer Art Reißverschlusssystem, bei dem ein Gleiter mit zwei Griffen ähnlich wie bei einem Reißverschluss die Enden zweier Folien (Halbverschlüsse) miteinander verbindet oder aber staubfrei trennt. Der Trick: Die Halbverschlüsse werden sicher miteinander verbunden, bevor sie gemeinsam für den Umfüllprozess geöffnet werden können. Genauso wird nach dem Umfüllprozess erst abgedockt, nachdem die Halbverschlüsse sicher geschlossen sind.
Voraussetzung dafür ist, dass die Enden der Säcke bzw. Abfüllsysteme mit je einem Halbverschluss versehen bzw. verschweißt sind. Dazu können entweder Adapter an vorhandene Materialien angeschweißt werden oder aber vorgefertigte Säcke, Gebinde und Transfer-Folienschläuche eingesetzt werden. Gebinde und Adapter gibt es in verschiedenen Materialien und Materialstärken – unter anderem auch in FDA- und GMP-konformer, steriler oder antistatischer Ausprägung. Die Geometrie ist dabei nahezu frei wählbar. Standard ist eine Schlauchfolie deren Dimension sich nach dem benötigten Volumen richtet. Eine Seite ist verschweißt, die andere Seite verfügt über den Flecozip Halbverschluss.
Die Halbverschlüsse des Andocksystems sind in beliebigen Längen verfügbar. Es gibt sie vorkonfektioniert an Gebinden oder Adaptern, zusätzlich können sie als eigenständiges Bauteil durch einfache Konfektionierung an handelsübliche LDPE-Gebinde wie Säcke, Inliner, Big-bags etc. durch den Hersteller von Foliengebinden oder den Endverbraucher selbst angebracht werden. Die anzudockenden Halbverschlüsse können sogar unterschiedliche Längen aufweisen. Die durch den Slider verbundenen Halbverschlüsse lassen sich dann lediglich bis zum Öffnungsquerschnitt des jeweils kürzeren Verschlusses öffnen.
Je nach Volumen werden Schlauchfolien mit unterschiedlichen Durchmessern eingesetzt, die allerdings so gewählt sind, dass sie gängigen Anschlussdurchmessern der Prozesseinheiten entsprechen (2 / 4 / 6 / 8 / 10 / 12 Zoll). Die komplementären Anschlussadapter bestehen aus denselben Schlauchfolien, sind wiederum einseitig mit einem Halbverschluss konfektioniert und rückseitig zunächst offen. Dieses offene Schlauchfolienende kann bei Bedarf mit dem Flecotric-System konfektioniert werden, welches einen direkten Anschluss an handelsübliche Zoll- bzw. DIN-Tri-Clamp Flanschverbindungen erlaubt. Das System kann optional beidseitig an eine Schlauchfolie angeschlossen werden und wird beispielsweise als Produktrohr-Inliner oder direkt als flexible Rohrverbindung eingesetzt.

Eine Spezialgebindeform stellt das Flecodrum dar. Dieses Gebinde ist beidseitig mit dem Flecozip-System konfektioniert und zusätzlich so konzipiert, dass es durch eine Faltbodenschweißung eigenständig steht und dadurch gut zu lagern bzw. zu transportieren ist. Dieses Gebinde ist deutlich einfacher zu handhaben als herkömmliche Säcke: Es wird durch Schwerkraft von oben befüllt und ohne es wenden zu müssen, unten wieder angedockt und entleert. Neben diesen Gebinden und Vorrichtungen stehen zusätzliche Komponenten wie Reinigungsadapter, Probenehmer oder zusätzliche Klemmverschlüsse zur Verfügung. Allerdings kann der Halbverschluss auch an vorhandenen Foliengebinden nachgerüstet werden. [AS]

Interview mit Günter Untch, Geschäftsführer Andocksysteme Untch
„Keine Leergebinde mehr transportieren“

CT: Wo sehen Sie das Potenzial für Flecotec – Flexible ContainmentTechnologies – mit dem neuen Andocksystem?
Untch: Die Flecotec-Lösung kann überall eingesetzt werden, wo Gebinde mit Schüttgütern, aber auch anderen Produkten befüllt oder entleert werden müssen. Insbesondere dort, wo toxische oder sensible Stoffe zu handhaben sind – das geht von der Chemie und Pigmentproduktion bis hin zu Pharmaprodukten und der Produktion im Reinraum.

CT: Welche Systeme und Gebinde wollen Sie mit der neuen Technik ersetzen?
Untch: Die Fülle der Möglichkeiten ist noch gar noch nicht absehbar. Aber wir werden langfristig Containern, Papptrommeln und Fässern „das Leben schwer machen“. Denn der entscheidende Vorteil besteht darin, dass keine leeren Gebinde mehr zum Kunden hin und nach dem Entleeren zum Lieferanten zurück transportiert werden müssen. Außerdem entfällt das Reinigen von Containern und Fässern. Das sind enorme Kosteneinsparungen; dazu kommt die Möglichkeit, Gebinde und Prozesse staubfrei zu befüllen und zu entleeren.

CT: Wo lohnt sich der Einsatz am meisten?
Untch: Der Einsatz der Flecotec-Systeme lohnt sich überall dort, wo das Produkt und das Personal geschützt werden müssen und gleichzeitig die hohen Kosten beim Produkthandling reduziert werden müssen.

Heftausgabe: Juli 2011

Über den Autor

Armin Scheuermann ,
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