Betriebsstunden lügen nicht

Schraubenspindelpumpen für hoch- und niedrigviskose Medien

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01.04.2015 Bei Produkten sind Innovationen gerne gesehen, bei der Auswahl des Lieferanten zählt Erfahrung: Bei der Anlagenplanung eines neuen Batch-Betriebes kam ein weltweit agierender Chemiekonzern, mit dem in der Vergangenheit bereits Projekte realisiert wurden, auf den Pumpenhersteller Leistritz zu. Es ging darum, einen geeigneten Pumpentyp für die Anwendungen des Unternehmens zu finden. „Gemeinsam haben wir dafür die unterschiedlichen Fahrweisen und Produkttypen unserer Pumpen untersucht und analysiert“, erläutert Björn Sapper, Branchenmanager Chemie bei Leistritz.

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Entscheider-Facts Für Betreiber


  • Schraubenspindelpumpen kommen seit Jahrzehnten in der chemischen Industrie überall dort zum Einsatz, wo es um die hocheffiziente und zuverlässige Förderung meist hochviskoser Produkte geht.
  • Merkmale dieser Verdrängerpumpen sind ihre hohe Saugkraft und die schonende Behandlung der Förderflüssigkeit.
  • Durch eine europaweite Standardisierung seiner Pumpen konnte ein Betreiber die Vorratshaltung optimieren und Lieferzeiten minimieren.

Seit 50 Jahren in der Chemie
Um den anspruchsvollen Anwendungen Rechnung zu tragen, entschied sich das Chemieunternehmen schließlich für den Pumpentyp L2. Diesen setzen Betreiber von Chemiewerken bereits seit den 1960er Jahren ein – einzelne Exemplare können mittlerweile 300.000 Betriebsstunden vorweisen. Speziell darauf ausgerichtete Entwicklungsarbeiten, beispielsweise die Strömungsuntersuchungen an Plexiglasmodellen, ermöglichen den Einsatz der Schraubenspindelpumpe in Bereichen mit abrasiven, aggressiven beziehungsweise schlecht schmierenden Flüssigkeiten und hochviskosen Medien. Die Pumpen der Serie sind nach dem Baukastensystem konstruiert: Durch Zusammenfügen einzelner Bauteile erhält der Anwender Variationsmöglichkeiten, mit denen er die Pumpe allen Arbeitsbedingungen in der Praxis anpassen kann. „Für ein Polyether-Projekt in einem westdeutschen Chemiepark wurde eine Pumpe mit absoluten Sonderwerkstoffen konstruiert und ausgeführt“, erinnert sich Sapper. „Hier wurden beispielsweise die Lagerbuchsen aus Edelstahl mit einer Spezial-Keramik-Beschichtung gefertigt, um die Pumpe in einem breiten Viskositätsbereich von 1 bis 30.000 mPas einsetzen zu können.“ Neben einem problemlosen Spülbetrieb lassen sich damit auch hochviskose Medien fördern. Das Spindelmaterial besteht aus Chromstahl, der mit einer Keramikbeschichtung im Lagerstellenbereich versehen ist. Durch diese Kombination können Betreiber auch extreme Betriebsparameter fahren, ohne die Standzeiten der Pumpe negativ zu beeinflussen. Die Pumpen können ohne Änderung der Konstruktionsart auch in entgegengesetzten Drehsinn gefahren werden. Der in diesem Fall maximale Druck beträgt 4 bar. Die Pumpen sind daher in der Lage, Druckleitungen zu entleeren.

Umwelt- und Qualitätsstandards
Auch beim Thema Umwelt muss die Pumpe einsatzbedingt bestimmte Richtlinien erfüllen. Daher besteht sie aus speziellen Bauteilen und Materialien, die unter anderem den aktuellen Vorschriften der TA-Luft (Anforderungen an Dichtungssysteme für umweltbelastende Medien zur Luftreinhaltung) entsprechen. Das Flachdichtungsmaterial besteht bei Chemieanwendungen meist aus PTFE-Dichtungsplatten. Doppelt wirkende Gleitringdichtungen mit komplettem Sperrsystem sowie eine hermetisch dichte Bauform mit Magnetkupplung sind die häufigsten Abdichtungssysteme der Antriebswelle. „Schon bei der Pumpenauslegung haben wir sehr eng mit dem Anlagenplaner sowie der Qualitäts- und Werkstoffabteilung des Betreibers zusammengearbeitet“, erinnert sich Sapper. Um mögliche Lunkereinschlüsse (Hohlräume) aufzuspüren, wurde das Pumpengehäuse deshalb nach dem Abgießen einer Ultraschalluntersuchung unterzogen. Bisher führte die Gießerei nur eine chemische Analyse (Spektrometer) und eine mechanische Zugprobe durch, die durch ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach DIN EN 10204 bescheinigt wurde. „Durch die Durchführung einer Ultraschall­prüfung konnten wir uns sicher sein, bei der späteren Gehäusebearbeitung auf keine Hohlräume zu stoßen“, erklärt Sapper.

Heftausgabe: April 2015
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Über den Autor

Armin Mosandl, Area Sales Manager West-Norddeutschland, Leistritz
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