Mit neuen Spielregeln zu kostengünstigeren Projekten

Shell will Anlagen-Projektierung in der Cloud durchsetzen

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22.05.2015 Es klingt nach der Quadratur des Kreises: Wie lassen sich jährlich 5 Mrd. Dollar sparen, wenn gleichzeitig der Druck steigt, noch mehr Investitionsprojekte anzuschieben? Der Energiemulti Royal Dutch Shell steht genau vor dieser Frage. Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr 35 Mrd. Dollar in Capex-Projekte gesteckt hat, will die Ausgaben in den kommenden drei Jahren um insgesamt 15 Mrd. Dollar reduzieren.

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Entscheider-Facts Für Planer und Betreiber


  • Der Energiekonzern Shell will die Kosten für den Bau neuer Anlagen massiv reduzieren. Dazu sollen die Arbeitsabläufe in der Planung und im Bau von Anlagen deutlich verändert werden.
  • Ein Schlüssel dazu ist die Planung mit einem datenzentrierten Ansatz, bei dem alle Beteiligten auf konsistente Daten in ein und derselben Arbeitsumgebung zugreifen.
  • Shell nutzt dafür die neue Cloud-Lösung von Intergraph und setzt diese bereits bei einem ersten Großprojekt (LNG Canada) ein.

Gleichzeitig steigt für den Öl- und Gaserzeuger der Druck, die Förderung auszuweiten und mehr Projekte als bisher anzuschieben. Ein Teil der Lösung sollen neue Abläufe im Anlagenbau bringen – und neue Formen der Zusammenarbeit mit Lieferanten und EPC-Unternehmen.

„Die Kosten in den Projekten der Öl- und Gasindustrie sind in den vergangenen Jahren überproportional schnell gestiegen“, stellte Gerhard Sallinger, Präsident Process, Power & Marine, bei Intergraph anlässlich des Cegug-Anwendertreffens im März fest. „Vor dem Hintergrund eines drastisch gesunkenen Ölpreises bleibt den Unternehmen der Branche deshalb gar nichts anderes übrig, als den Rotstift anzusetzen“, konkretisiert Sallinger. Die Produktivität aller Beteiligten in den Projekten zu erhöhen, heißt deshalb das Gebot der Stunde.

Planung  in der Cloud soll Zeit-
und Informationsverluste vermeiden

Anlagenplanung intelligenter und schneller machen, und weniger Arbeitsstunden für EPC – auf diesen Nenner lassen sich auch die Bemühungen des Energiekonzerns Shell bringen. Eine zentrale Rolle soll dabei die Planung in der Cloud spielen: Während sich bei der klassischen Vorgehensweise der Investor bzw. Betreiber bei der Auftragsvergabe an seine Kontraktoren erst einmal auf Planungswerkzeuge und die Details zur Dokumentation einigen müssen, verlagert Shell seit 2012 nach und nach die Planung in eine eigene Arbeitsumgebung in der Cloud. Dadurch will das Unternehmen die redundante Bearbeitung von Dokumenten vermeiden sowie Informationsverluste – und dadurch teure Änderungen auf der Baustelle – verhindern.

Die neue Vorgehensweise bedeutet nicht nur für die Ingenieure des Energieriesen einen Paradigmenwechsel. Auch Kontraktoren, EPC-Unternehmen und Lieferanten müssen sich auf neue Abläufe einstellen. Hatten bislang alle Beteiligten ihre, zum Teil in jahrelanger Optimierungsarbeit angepassten eigenen Planungswerkzeuge im Projekt eingesetzt, sind sie künftig gezwungen, die vom Betreiber (Owner-Operator, O-O) bereitgestellten in der Cloud-Umgebung zu nutzen. Eine Vorgabe, die vor allem Lump-Sum-Turnkey-Lieferanten die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Denn deren Kalkulation basiert in der Regel auf den an den mit eigenen Werkzeugen erprobten Arbeitsabläufen.

Heftausgabe: Juni 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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