An alles denken – mit System

Sichere Wartung mit elektronischer Gefährdungsbeurteilung

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23.03.2015 Kein Ort für Leute, die Chemie in der Schule abgewählt hatten: Chlor, Natronlauge und Folgeprodukte (Chlormethane) sind die wesentlichen Erzeugnisse, die Akzo Nobel Industrial Chemicals in seinem Werk in Frankfurt herstellt – sogenannte Basischemikalien, die Kunden größtenteils direkt vor Ort im Industriepark Höchst verwerten. Um Vorgaben seitens des Gesetzgebers und des Unternehmens zu erfüllen, müssen die Mitarbeiter sehr viele Unterweisungen, Gefährdungsbeurteilungen (GBUs) und Gefahrenanalysen durchführen.

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Entscheider-Facts Für Betreiber


  • Im Werk Frankfurt von Akzo Nobel Industrial Chemicals muss der Betreiber regelmäßig große, für verschiedene Gefahrstoffe benötigte Lagertanks reinigen und warten.
  • Die für jeden Einzelfall individuell zu erstellende Gefährdungsbeurteilung setzt das Unternehmen mithilfe eines Dokumentationssystems um.
  • Die Softwarelösung unterstützt das Unternehmen dabei, sämtliche Maßnahmen und Abläufe zu planen, durchzuführen und zu protokollieren.

Doch hierbei auf gleichbleibende Wiederholungen, ein „same procedure as last time“ zu setzen ist nicht möglich; zu individuell sind jedes Mal die einzelnen Schritte. Das Beispiel der „richtigen“ Wartung und Instandhaltung der großen Lagertanks zeigt nachfolgend auf, was die Beteiligten alles beachten müssen – und wie eine Softwarelösung dabei hilft, alles im Blick zu behalten und den gesamten Prozess erfolgreich zu managen.

Regeln und Eigenvernunft
Das Arbeitsschutzgesetz (§§ 5 und 6) und die Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ schreiben die rechtliche Pflicht zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung vor. Die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie (BG RCI) hat in ihrem Merkblatt A 017 einen Gefährdungskatalog mit möglichen Schutzmaßnahmen zusammengetragen. Der Chemiekonzern hat entsprechend diesem Katalog seine Gefährdungsbeurteilungen aufgebaut und nutzt ihn, um tätigkeitsbezogen die erforderlichen Maßnahmen zuzuordnen. A 017 gibt dabei 56 verschiedene Punkte vor. Eine firmenspezifisch erweiterte Risikomatrix nach Nohl, die nach Wahrscheinlichkeiten und möglicher Schwere von Gefährdungen eingeteilt ist, enthält zwölf Punkte im „roten Bereich“. Neben dem Arbeitsschutzgesetz berücksichtigt das Instandhaltungspersonal beim Reinigen und Warten der Lagertanks die Regel 113-04 „Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen“ der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) sowie Sicherheitsrichtlinien des Unternehmens und des Industrieparks Höchst. Die Hauptgefährdungen beim Einsteigen in enge Räume und Behälter sind a) Absturz, b) Erstickung/Gefahrstoffe und c) Unzureichende Rettung. An der GBU beteiligt sind jeweils Vertreter der Bereiche Maintenance, Produktion und HSE, ergänzt durch entsprechende Mitarbeiter des TÜV. Es ist nicht möglich, die GBU für ähnliche Tätigkeiten einfach zu kopieren, da sich die Parameter ständig ändern. So ist allein schon aufgrund der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen das Einsteigen im Sommer anders als im Winter: Im Sommer sind es die warmen Temperaturen, die das Arbeiten im Schutzanzug beeinflussen. Im Winter können dafür Schnee und Eis Auswirkungen auf den Verkehrsweg haben. Trotz aller Regeln darf bei der jeweiligen Beurteilung von Gefährdungen eins nicht vergessen werden: der gesunde Menschenverstand.

Tauglichkeit feststellen und dokumentieren
Der Einstieg in die Lagertanks erfolgt möglichst unmittelbar nach erfolgreich abgeschlossener GBU. Vorher aber führen SCC-zertifizierte Kontraktoren noch eine Last-minute-risk-Analyse durch. Auch fragen sie die Tauglichkeit des Ausführenden persönlich ab („Fühlen sie sich in der Lage, die Arbeit durchzuführen?“). Ebenfalls eingeschlossen ist eine zusätzliche halbstündige Unterweisung, in der die Beteiligten die GBU gemeinsam durchgehen und mögliche Gefahren für den Ausführenden besprechen sowie dokumentieren. Das Erstellen eines Rettungsplans gehört ebenfalls zu den vorbereitenden Maßnahmen. Zum Durchführen selbst sind weitere Profis (Sicherungsposten, befähigte Personen zum Freimessen, Gefahrstoffmessung) hinzuzuziehen. Unmittelbar vor dem Einstieg und dann alle 5 min wird der Sauerstoffgehalt der Luft im Tank gemessen – er muss permanent bei 20,9 % bleiben. Zum Vermeiden von Abstürzen und zur Rettung erfolgt eine Dreibeinsicherung von oben. Die Gesamtdauer einer solchen GBU beträgt in Frankfurt-Höchst etwa zweimal drei Stunden. Um diesen Aufwand möglichst effizient zu managen, setzt das Unternehmen auf das Lösungssystem SAM (Secova Arbeitsschutz Management) vom westfälischen Softwareentwickler Secova. Dort ist der A-017-Gefährdungskatalog im GBU-Modul hinterlegt, womit sich sämtliche Gefährdungen systematisch betrachten und dokumentieren lassen. Weitere Vorteile sind die Möglichkeiten, Dateien hinzuzufügen, Verantwortlichkeiten festzulegen und Textfelder zu nutzen, um etwa konkrete Arbeitsaufträge zu beschreiben. Zudem umfasst das System eine Kontrollfunktion über die tatsächliche Umsetzung: Erst wenn alle Punkte der im System hinterlegten Checkliste abgearbeitet wurden, erfolgt eine Freigabe.

Heftausgabe: April 2015
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Über den Autor

Frank Schmitz-Gabriel, Pressereferent bei Secova
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