Sinnstiftend führen

Sinn vermitteln als Führungsaufgabe

14.09.2015 Wie engagiert Mitarbeiter sind, hängt stark davon ab, inwieweit sie ihr Tun als sinnvoll erfahren. Doch die Sinnhaftigkeit ihres Tuns ist für viele Mitarbeiter in der modernen Arbeitswelt oft nur noch schwer erfahrbar. Deshalb wird es zunehmend eine Führungsaufgabe, Sinn zu vermitteln und zu stiften.

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Entscheider-Facts Für Manager

  • Auch aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen sollten sich Unternehmen mit dem Thema Sinn befassen, denn generationenübergreifend sehnen sich die Menschen nach einer Arbeit, die sie als sinnvoll erfahren - und diese Erfahrung können die Mitarbeiter, in einem von permanentem Wandel geprägten Umfeld ohne Unterstützung immer schwieriger sammeln.
  • Deshalb wird es eine Führungsaufgabe, diese Erfahrung durch eine sinnstiftende Führung den Mitarbeitern wieder zu ermöglichen, sodass deren intrinsische Motivation steigt.

Im Alltag benutzen wir das Wort „Sinn“ oft in der Bedeutung von „zielführend“ – zum Beispiel, wenn wir uns fragen: „Ist diese Maßnahme (oder dieses Vorgehen) sinnvoll?“ Zuweilen greift die Frage nach dem Sinn jedoch „tiefer“ und ist mit der Frage nach dem Sinn des Lebens verbunden – eine Frage, die im Film „Per Anhalter durch die Galaxis“ mit der universellen Antwort „42″ karikiert wird. Denn die Sinnfrage kann nur individuell beantwortet werden. Ja, sie muss sogar individuell beantwortet werden, denn die Antwort hat für uns Menschen eine identitätsstiftende Funktion.

Das Wort „Sinn“ hat seine Wurzeln im althochdeutschen Wort „sinan“, das so viel wie reisen, streben, trachten bedeutet. Doch wonach streben Menschen? Wohin wollen sie reisen? Wonach trachten sie? Studien belegen: Fast alle Menschen wollen Teil einer Gemeinschaft sein. Und wenn sie jemandem helfen, also etwas über ihren persönlichen Rahmen hinaus gehendes tun? Dann stellt sich bei ihnen ein Gefühl von Erfüllung, Zufriedenheit und Sinn ein.

Dieses Gefühl vermissen heute viele Mitarbeiter von Unternehmen, speziell großer Kapitalgesellschaften, bei ihrer Arbeit. Deshalb empfinden sie diese zunehmend als belastend. Das heißt: Statt (neue) Herausforderungen – getragen von einem positiven Eustress – beschwingt und voller Zuversicht anzugehen, bewegen sie sich in einer demotivierenden Disstress-Spirale, die auf Dauer zu einer inneren Kündigung oder einem Burn-out führt. Deshalb stellt sich die Frage: Sollten sich Unternehmen und ihre Führungskräfte mit der Sinnfrage befassen, oder ist die Frage nach dem Sinn im Business-Kontext Unsinn?

Sinn ist im Betriebsalltag oft schwer erfahrbar
Vielen Unternehmen geht es heute wie den Banken. Ihr Markt wird aufgrund der Globalisierung immer härter und komplexer, und ihre Rahmenbedingungen ändern sich immer schneller. Also müssen sie sich immer wieder neu definieren und ihre Strategien neu justieren. Das ist eine schwierige Managementaufgabe – auch weil oft unvorhergesehene Ereignisse die Planungen torpedieren. Deshalb nehmen die Mitarbeiter das Managementhandeln häufig nur noch als Schlingerkurs wahr, während sie zugleich das Damoklesschwert „Ertragssteigerung und/oder Entlassung“ über sich spüren. Und weil sie sich häufig nicht ausreichend informiert und als Person und Arbeitskraft gewertschätzt fühlen, verlieren sie den Glauben an die Sinnhaftigkeit ihres Tuns.

Heftausgabe: September 2015
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Über den Autor

Uwe Reusche, Geschäftsführer des ifsm Institut für Sales- und Managementberatung
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