Editorial CT 6/08

Spionage mit der Kaffeekanne

04.06.2008 Möglicherweise sind Sie unfreiwillig als Industrie-Geheimagent unterwegs. GlaubenSie nicht? Ihr Kugelschreiber, als Werbegeschenk getarnt, ist vielleicht mit einem GPS-Sender ausgestattet, um der Konkurrenz wertvolle Daten über Ihre Kundenkontakte zu liefern. Der Sicherheitsexperte Dr. Udo Ulfkotte erklärte in einem Bericht des Handelsblatts, wie leicht es ist, an vertrauliche Daten zu gelangen. Ob das vertrauensselige Gespräch am Messestand oder der Anruf eines vermeintlichen Kollegen von einem anderen Unternehmensstandort, überall lauert die Gefahr.

Anzeige

Da wundert es nicht, dass Anlagenbetreiber gegenüber durchgängigen IT-Netzwerken, in denen Daten von der Leitebene bis ins Feld transferiert werden können oder über Web-Interface zugänglich sind, kritisch sind. Ein durchgängiges Ethernet-Netzwerk erlaubt zwar, Anlagen komfortabel zu managen, erfordert aber auch eine verstärkte Sicherheitstechnik. Durchgängig, aber nicht löchrig sollte das Netz werden. Doch kein Zweifel, auch dem werden die Automatisierungsexperten gerecht werden können. Die Branche ist wie die Chemische Industrie im Aufwind. Nach einem sehr guten Jahr 2007 verzeichnet der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) einen erfolgreichen Start in 2008. Dabei profitiert die Prozessautomatisierung auch von der guten Lage der Chemischen Industrie. Für 2008 erwarten die Unternehmen branchenübergreifend ein bescheideneres Wachstum.

Da könnte Aktenzeichen XY glatt warnen: Gefährden Sie dasWachstum nicht durch unachtsamen Umgang mit IhrenDatensystemen. Weniger komisch ist dabei, dass laut einer aktuellen Studie von Corporate Trust zum Thema Industriespionage die Deutsche Wirtschaft einen jährlichen Schaden von mindestens 2,8 Milliarden Euro durch Spionage erleidet. Am häufigsten sind dafür eigene Mitarbeiter verantwortlich, denn neben der IT ist der Mensch die größte Sicherheitslücke. Durch Social Engineering, dem gezielten Ausspionieren der Mitarbeiter über zwischenmenschliche Beeinflussung, kamen acht Prozent der betroffenen Unternehmen zu Schaden. Und nur etwa 35 Prozent aller befragten Unternehmen bereiten Ihre Mitarbeiter darauf vor.

SindSie vorbereitet?
Mail an: etwina.gandert@huethig.de

Heftausgabe: Juni 2008

Über den Autor

Gandert
Loader-Icon