Nicht alles selbst machen

Start-ups: Mit Expertenrat durchstarten

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06.11.2015 Im Jahr 2014 verzeichnete das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) 309.900 Existenzgründungen. Wenn die Erfahrung recht behält, werden viele von ihnen bereits nach wenigen Jahren scheitern. Bei Start-up-Unternehmen reichen die Zahlen – je nach Studie – von 50 bis 70 Prozent. Zu den häufigsten Gründen für das Scheitern zählen Finanzierungsprobleme sowie falsch besetzte Teams. Doch auch die großtechnische Umsetzung eines Verfahrens kann Unternehmensgründer vor existenzbedrohende Probleme stellen. Denn im Labormaßstab spielen beispielsweise Abwasser, Abgase und Abfälle keine Rolle.

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Entscheider-Facts Für Betreiber

  • Start-ups haben zündende Geschäftsideen, ein motiviertes Team und innovative Technik - trotzdem ist der Weg zur großtechnischen Anlage für viele Start-ups in der Prozessindustrie ausgesprochen mühsam. Denn viele unterschätzen die Bedeutung eines darauf optimierten Vorgehens.
  • Neben der reinen Technik gehören dazu auch umfangreiche Betreiberpflichten für Produktionsanlagen.
  • Hier kann sich eine externe Unterstützung durch erfahrene Engineering-Experten eines Dienstleisters gerade in der Aufbauphase der Produktion lohnen.

Startvorteil durch Expertenwissen
Will ein Start-up eine Anlage aus dem Pilotmaßstab in eine Technikumsanlage überführen oder steht sogar der Schritt zur großtechnischen Anlage an, kommen weitere Fragen hinzu: Wie flexibel soll die Anlage für den Einsatz unterschiedlicher Rohstoffe ausgelegt werden? Welche Prozessalternativen gibt es? Wie sind die eingesetzten Rohstoffe zu lagern? Welche Produktspezifikationen sind einzuhalten? Oder wo soll produziert werden? Im Wachstumsprozess eines jungen Unternehmens können sich durch Marktveränderungen oder spezielle Kundenwünsche außerdem schnell Faktoren in der Entwicklung ändern, die es zu berücksichtigen gilt. „Es braucht Zeit, Geld und Erfahrung, um wirtschaftliche Prozesse für neue Technologien zu entwickeln. Deshalb ist es wichtig, bereits am Anfang des Entwicklungsprozesses, Experten zu finden, die diese Aufgabe lösen können“, erklärt Tobias Kirchhoff, Senior Consultant bei BCNP Consultants, ein deutsches Beratungsunternehmen, das sich auf die Branchen Biotechnologie, Chemie, Nanotechnologie und Pharma spezialisiert hat. „Nach unserer Erfahrung sind daher die Start-ups in der Prozessindustrie erfolgreicher, die eigene Ingenieure an Bord haben oder sich für bestimmte Umsetzungsfragen externe Unterstützung ins Boot holen.“

Technik und Betriebswirtschaft
Wer schon in der Konzeptionsphase professionellen Rat aus dem Engineering in Anspruch nimmt, kann eventuell entstehende große Hindernisse aufdecken, bevor sie die Umsetzung scheitern lassen könnten. Start-ups legen ihren Schwerpunkt in der Regel auf die Entwicklung der Technologie. Sicherheitstechnische Aspekte, Energieversorgung oder Logistik sind für sie in einem ersten Schritt nachrangig – obwohl auch sie ein Projekt an seine Grenzen führen können. „Solche Themen lassen sich ideal von externen, spezialisierten Beratungsprofis unter die Lupe nehmen“, weiß Gordana Hofmann-Jovic aus dem Engineering von Infraserv Knapsack, einem mittelständischen Industriedienstleister und Chemieparkbetreiber. Das Unternehmen berät Start-ups in Verfahrensfragen, die eine Kommerzialisierung ihrer Idee anstreben und den Proof of Concept im Labormaßstab bereits erbracht haben. Die Engineering-Experten erstellen nicht nur umfangreiche Gesamtkonzepte, sondern auch Machbarkeitsstudien, Kostenschätzungen oder beraten in Einzelfragen mit praxiserprobten Fachexperten, die eine mögliche Umsetzung und die damit verbundenen Fragen von der Technik bis zu den Kosten beantworten. Um beispielsweise auf Marktveränderungen besser reagieren zu können, ist es in vielen Fällen möglich, Laborversuche schon im Vorfeld so zu gestalten, dass sie eine größere Bandbreite abdecken und so im Nachgang Kosten sparen. „Dabei ist es für ein budget­schonendes Arbeiten wichtig, im Vorfeld gezielt die Arbeitspakete zu definieren, die für die großtechnische Umsetzung essenziell sind“, so Hofmann-Jovic. „Solche Beratungsleistungen sind dann bei Weitem nicht so teuer, wie man es von klassischen Consultants kennt.“ Eine selektive Vergabe von Beratungsleistungen nach außen ist in der Regel außerdem deutlich effizienter als die Bearbeitung durch das Start-up selbst. Denn ihm fehlen gerade in der Anfangsphase meist nicht nur die personellen Ressourcen, sondern auch die notwendigen Tools und Methodiken.

Heftausgabe: November 2015
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Über den Autor

Katja Sallewsky, freie Autorin für Infraserv Knapack
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