BDI/VCI-Studie

„Steuerrecht benachteiligt deutsche Unternehmen“

05.09.2017 Einer aktuellen Studie von BDI und VCI zum internationalen Steuerwettbewerb zufolge sind deutsche Unternehmen durch das nationale Steuerrecht im internationalen Wettbewerb benachteiligt – weshalb die Verbände dringend Reformen anmahnen.

Anzeige
VCI_2017-09-05-grafik-entwicklung-der-steuerbelastung-von-gewerbebetrieben-in-deutschland-2013-bis-2021

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Steuerlast für deutsche Unternehmen bis zum Jahr 2021 auf 161 Mrd. Euro steigt. (Grafik: BDi/VCI)

Andere große Industrieländer wie die USA und Großbritannien machten Wirtschaftspolitik mit Steuersätzen und planen Steuersenkungen. Deutschland hingegen praktiziert laut der Studie das Gegenteil, die Steuerlast für Unternehmen nimmt weiter zu: Die Belastung der Gewerbebetriebe mit Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer steigt von derzeit 138,7 Mrd. Euro bis 2021 auf voraussichtlich 161 Mrd. Euro.

International tätige deutsche Unternehmen zahlen im Verhältnis zum Umsatz einen überproportionalen Anteil ihrer Ertragsteuern in Deutschland. In der Chemie ist er rund dreimal so hoch. Das belegt die neue Studie „Die Steuerbelastung der Unternehmen in Deutschland“, die der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) veröffentlicht haben.

„Ein weltweiter Steuerwettlauf nach unten benachteiligt deutsche Firmen. Deutschland liegt im internationalen Vergleich mit seinen Steuersätzen für Unternehmen schon jetzt am oberen Ende. Die Bundesregierung muss dafür Sorge tragen, dass Deutschland angesichts dieser Entwicklung den Anschluss nicht verliert“, fordert BDI-Präsident Dieter Kempf. „Auslandsaktivitäten der Unternehmen dürfen nicht schlechter gestellt werden als Inlandstätigkeiten. Es wäre sinnvoll, einer zunehmenden Verbreiterung der Bemessungsgrundlage bei den Unternehmensteuern entgegenzuwirken. Das hätte eine positive Signalwirkung für Investitionsentscheidungen hierzulande“, so Kempf weiter.

Auch für VCI-Präsident Kurt Bock ist Steuerpolitik ein wichtiger Baustein guter Industriepolitik: „Das deutsche Steuerrecht muss vor dem Hintergrund des zunehmenden internationalen Steuerwettbewerbs mit Staaten wie den USA oder Großbritannien Schritt halten. Nur dann können die hier ansässigen Unternehmen bestehende Arbeitsplätze sichern und neue schaffen“, betonte der VCI-Präsident. Er plädiert daher für eine mutige Steuerstrukturreform, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu sichern: „Im Fokus sollte dabei zum einen die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovationen durch steuerliche Anreize stehen. Die Einführung einer steuerlichen F&E-Förderung in Höhe von 10 Prozent neben der bestehenden Projektförderung würde zu einer Ausweitung der F&E-Tätigkeit der Unternehmen um rund 14 Prozent führen. Zum anderen zählt hierzu die dringend notwendige und überfällige Reform der Gewerbesteuer. Das würde sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig auszahlen.“

Loader-Icon