Die richtigen Dinge tun

Strategieentwicklung im Unternehmen

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23.07.2014 Nahezu 90 % der Chemieprodukte werden von anderen Industrien weiterverarbeitet. Chemieproduktehersteller bedürfen daher einer konsequenten Umsetzung einer durchdachten Unternehmensstrategie. Was ist bei der Strategieentwicklung und -anpassung zu beachten?

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Entscheider-Facts Für Betreiber

  • Ein- bis zweimal im Jahr sollte die Lage des Unternehmens analysiert werden, um die Strategie zu entwickeln beziehungsweise zu aktualisieren, sie schriftlich festzuhalten und sie allen Mitarbeitern zugänglich zu machen.
  • Zu empfehlen ist, die Führungskräfte in den Prozess der Strategieentwicklung einzubeziehen, damit alle das Ergebnis mittragen.
  • Bei der „Braunsfelder Methode" wird die Zukunft aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und visualisiert, wie sich ein Unternehmen künftig positionieren möchte.

Juli 2014

Bild: © fotomek – Fotolia.com

Im ersten Quartal 2014 verzeichnete die Chemieindustrie ein kräftiges Produktionsplus von 4,2 %. Zurückzuführen ist dieser Wert auch darauf, dass die deutschen Hersteller international gut aufgestellt sind und zur Weltspitze gehören. Doch nicht nur die „Entfernung“ zum Endkunden, auch beispielsweise das Auseinanderdriften der Energiepreise in Europa und den USA wirft neue Fragen auf nach den richtigen Produkten, Standorten – und letztlich nach der richtigen Zukunftsstrategie.

Fallstricke in der Strategieentwicklung
Auf die Frage, ob sie eine Unternehmensstrategie haben, antworten 99 % aller Geschäftsführer der Chemieindustrie: „Selbstverständlich!“. Doch ist die Strategie die Basis für alltägliche Entscheidungen? Wie wird diese mit Leben gefüllt? Hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Ein Beispiel: Befragt man die Mitarbeiter dieser Unternehmen zur Unternehmensstrategie, so ergibt sich in vielen Fällen ein differenziertes Bild. Regelmäßig ist bereits auf der zweiten Führungsebene Schluss mit der gemeinsamen Ausrichtung. Die Strategie ist nicht bekannt, wird nicht verstanden oder unterschiedlich interpretiert. Mit verheerenden Folgen: Ein konsistentes, abteilungsübergreifend abgestimmtes Vorgehen ist nicht möglich.
Dabei wäre dies wünschenswert. Die Chemieindustrie ist eine dynamische Branche. Gesetzliche Rahmenbedingungen in Deutschland und Exportmärkten, Neu-Entwicklungen und Patente, Trends und globale Entwicklungen, besonders im Hinblick auf Asien und die USA – all das macht ein abgestimmtes Vorgehen für Unternehmen aus der Chemieindustrie zur Voraussetzung für Erfolg.
Dabei darf sich die Strategie nicht allein, wie verbreitet üblich, an Vergangenheit und Gegenwart orientieren. Entscheidender für den Erfolg ist der gemeinsame Fokus auf die Märkte der Zukunft. Ein weiteres Muss: die Strategie schriftlich fixieren und Stand der Strategieumsetzung, Maßnahmenplan und Meilensteine dokumentieren. Denn selbst überzeugende Strategien können scheitern, wie etwa das Malik Management Zentrum St. Gallen ermittelte. Hauptgrund ist die „Dominanz des operativen Geschäfts“, wie die befragten Chefs selbstkritisch erklärten. Die Verantwortlichen in Unternehmen sind häufig so sehr am Tagesgeschäft beteiligt und bemüht, „die Dinge richtig zu tun“, dass sie nicht dazu kommen, innezuhalten und sich zu fragen, ob sie noch „die richtigen Dinge“ tun – sprich: über ihre Strategie nachdenken, diese anschließend intern kommunizieren und konsequent verfolgen.

Die Lage analysieren
Angesichts der Relevanz einer Unternehmensstrategie muss daher der Tipp lauten: Nehmen Sie sich ein- bis zweimal im Jahr die Zeit, um die Lage Ihres Unternehmens zu analysieren, Ihre Strategie zu entwickeln beziehungsweise zu aktualisieren, sie schriftlich festzuhalten und – ganz wichtig – sie allen Mitarbeitern zugänglich zu machen. Zu empfehlen ist, die Führungskräfte in den Prozess der Strategieentwicklung einzubeziehen, damit alle das Ergebnis mittragen.
Zehn zentrale Fragen sollten im Rahmen der Strategieentwicklung beantwortet werden:

  • Was ist unsere Mission, was ist unsere Vision? In welcher (Zukunfts-)Technologie sind wir „die Besten“?
  • Nimmt uns der Markt in unserem Geschäftsfeld ausreichend wahr?
  • Wer ist unser Kunde bzw. wer sollte es sein?
  • Worauf legen unsere Kunden Wert?
  • Was ist unser (derzeitiges) Geschäft?
  • Ist der Preis, den wir hierfür verlangen, der richtige?
  • In welchen Märkten und Technologien sind wir tätig, in welchen sollten wir es sein?
  • Können wir unsere Ziele alleine erreichen, oder brauchen wir hierzu Partner?
  • Was sind unsere Ergebnisse?
  • Was ist unser Plan? Wie erreichen wir unsere Ziele?

Fragen zergliedern
Die Erfahrung zeigt: Diese Fragen zu beantworten, erscheint leichter, als es in der Praxis ist. Idealerweise werden die Antworten im Team diskutiert. Meist gibt es unterschiedliche Meinungen. Um zu erreichen, dass ein einheitliches Verständnis und letztlich eine konsistente Strategie entsteht, hilft es, diese Fragen in Teil- oder Unterfragen zu zergliedern. Beispielsweise erleichtert es die vierte Frage „Worauf legen unsere Kunden Wert?“ zu beantworten, wenn folgende Teilfragen formuliert und Antworten dafür erarbeitet werden:

  • Welche Bedürfnisse der Kunden werden mit unserer Lösung (besser) befriedigt? Welchen Einfluss hat dies auf die Kunden unseres Kunden und dessen Wünsche/Bedürfnisse?
  • Welchen Wert hat diese Lösung für  unsere Kunden?
  • Entsteht dadurch gegebenenfalls ein finanzieller Vorteil für die weiterverarbeitende Industrie? Kurzfristig oder langfristig?
  • Wissen wir das genau oder glauben es zu wissen?
  • Welche Kenntnis über unseren Markt benötigen wir dringend?
  • Wie kann der Einzelne im Team sich daran beteiligen, dieses Wissen zu bekommen?
  • Wie erfahren wir, was unseren Kunden wichtig ist?
  • In welchem Maße erfüllen wir die Erwartungen?
  • Was bzw. wovon würden sich unsere Kunden  oder Anwender mehr wünschen? usw.

Je fundierter diese Fragen beantwortet werden, desto zutreffender ist die darauf basierende Strategie.

Systematisch vorgehen
Bei vielen Geschäftsführern entsteht allerdings häufig der Eindruck, dass sie einem Holzfäller ähneln, der sagt: „Ich habe keine Zeit, meine Axt zu schleifen – ich muss so viele Bäume fällen!“ Besser ist es, sich die Zeit zu nehmen, immer wieder die „Axt zu schleifen“ und dadurch sicherzustellen, die richtigen Dinge zu tun.
Hilfreich dabei ist beispielsweise die sogenannte „Braunsfelder Methode“. Dabei wird die Zukunft aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und visualisiert, wie sich ein Unternehmen künftig positionieren möchte. Klarheit verschafft es, sowohl eine „wahrscheinliche Zukunft“ und eine „unwahrscheinliche Zukunft“ als auch eine „visionär-kreative Zukunft“ darzustellen. Dann wird es leichter, die Zukunft eines Unternehmens so zu gestalten, wie es sich die Entscheider wünschen. Risiken werden zudem auf diese Weise genauso sichtbar wie Chancen.
Der Aufwand dafür lohnt, schließlich wird tagtäglich belegt, dass die Unternehmen, die über eine durchdachte Strategie verfügen und diese konsequent verfolgen, nicht nur erfolgreicher sind. Sie sind auch zukunftsfähiger, da sie sich gegenüber Schwankungen und Krisen als unempfindlicher erweisen.

 

Mehr zum Thema Strategietools wie die Braunsfelder Methode oder die Sales-Toolbox erfahren Sie hier

Heftausgabe: Juli 2014
Markus Milz, Geschäftsführer Milz & Comp.

Über den Autor

Markus Milz, Geschäftsführer Milz & Comp.

Markus Milz, Geschäftsführer Milz & Comp.

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