Studie: Großanlagenbau unterschätzt Potenzial der Industrie 4.0

16.11.2015 Der deutsche Großanlagenbau sieht in den Technologien der Industrie 4.0 eine Chance um seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Allerdings unterschätzen die Unternehmen bislang noch die Potenziale der vierten industriellen Revolution. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA.

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„Wir stehen am Anfang eines fundamentalen Umbruchs“, sagt Dr. Rainer Hauenschild, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Anlagenbau im VDMA und CEO bei Siemens Energy Solutions: „Als Anlagenbauer sollten wir uns darauf einstellen – Industrie 4.0 kann für uns ein Alleinstellungsmerkmal werden.“ Klaus Gottwald, Referent der Arbeitsgemeinschaft, verdeutlichte in einem Pressegespräch heute, dass der Wettbewerbsdruck auf den deutschen Anlagenbau weiter zunimmt. So sind in den vergangenen Jahren beispielsweise die Angebotskosten weiter angestiegen. „Der Anlagenbau muss auf diese Herausforderungen reagieren und verschiedenste Stellschrauben nutzen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern“, sagt Gottwald.

Obwohl der Anlagenbau sich derzeit noch auf bestehende Prozesse und Geschäftsmodelle konzentriert, sehen die Befragungsteilnehmer der Studie, dass Industrie 4.0 einen disruptiven Einfluss haben kann. „Das Risiko einer Disruption bestehender Geschäftsmodelle wird im Anlagenbau tendenziell unterschätzt“, sagt Dr. Sven Haverkamp vom Beratungsunternehmen maexpartners, das die Studie gemeinsam mit dem VDMA durchgeführt hat. Obwohl die Befragungsteilnehmer sehen, dass Industrie 4.0 die Arbeitsweise im Engineering verändern wird, glauben die Befragten, dass nur 10 Prozent der Anlagenbauer gut für die Industrie 4.0 gerüstet ist. „Die Anlagenbranche ist nicht besonders gut auf Industrie 4.0 vorbereitet“, konstatiert Haverkamp.

Fast 90 Prozent der Teilnehmer erwarten, dass sich das Engineering hin zu einem multidisziplinären Systems Engineering entwickeln wird. Außerdem rechnen die Anlagenbauer damit, dass sich der Datenaustausch mit den Betreibern deutlich intensivieren wird. 70 Prozent der Teilnehmer rechnen allerdings damit, dass die Mehrheit ihrer Lieferanten bis 2020 nicht für die digitale Zusammenarbeit qualifiziert sein wird. „Eine so deutliche Positionierung hatten wir nicht erwartet“, so Haverkamp: „Das kann zum Vorteil von Lieferanten aus hochentwickelten Industrienationen werden.“

Die durch Industrie 4.0 entstehenden Potenziale für den Anlagenbau werden vor allem in effizienten Logistikprozessen, einer höheren Qualität und Termintreue auf der Baustelle und einem effizienteren Engineering mit geringeren Durchlaufzeiten und niedrigeren Kosten gesehen. „Wir stehen im Großanlagenbau noch am Anfang einer Diskussion über die Chancen der Industrie 4.0 – und die einzelnen Mitgliedsunternehmen bewerten das noch sehr unterschiedlich. Aus meiner Sicht besteht aber kein Zweifel, dass wir uns darauf einstellen sollten.“

Die Studie wird auf dem 4. Engineering Summit in Mannheim vorgestellt und diskutiert werden.

(as)

 

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