VDMA-Lagebericht Großanlagenbau

Stürmische Zeiten

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24.03.2015 Der deutsche Großanlagenbau hat stürmische Zeiten zu meistern. Im vergangenen Jahr machte den in der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA vertretenen Engineeringfirmen die schwache Weltkonjunktur, die Volatilität auf den Rohstoffmärkten und der Zusammenbruch des Kraftwerksmarktes in Deutschland zu schaffen. Insgesamt ging der Bestelleingang um sieben Prozent zurück.

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Entscheider-Facts Für Planer und Manager

  • Den Unternehmen des deutschen Großanlagenbaus macht derzeit die schwache Konjunktur - insbesondere in den Schwellenländern China, Indien und Brasilien - zu schaffen.
  • Der Bestelleingang ist 2014 gegenüber dem Vorjahr um 7 % auf 19,6 Mrd. Euro gesunken.
  • Im Chemieanlagenbau konnten Großaufträge in Russland und USA gewonnen werden. Künftig soll vor allem der Serviceanteil deutlich ausgeweitet werden.
  • Besserung scheint auch in 2015 nicht in Sicht. Diese sei erst in 2016 oder 2017 zu erwarten.

Wir haben uns trotzdem im Weltmarkt gut behauptet“, gibt sich Helmut Knauthe, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft und Technologiechef bei Thyssen Krupp Industrial Solutions, zweckoptimistisch. Wirkliche Besserung sei zwar auch für 2015 nicht in Sicht – diese werde es frühestens 2016 oder 2017 geben – aber die Unternehmen machen ihre Hausaufgaben, indem sie lokale Chancen – beispielsweise in Russland und den USA – nutzen, und gleichzeitig die Wertschöpfungskette um Serviceangebote ausweiten. Gegenüber heute soll der Anteil um fünf Prozent auf 20 Prozent steigen. Auch die Innovationskraft sowie neue Technologien sollen weiterhin Erfolg bringen.
Insgesamt haben die AGAB-Mitglieder 2014 Aufträge in Höhe von 19,6 Mrd. Euro verbucht (2013: 21,2 Mrd. Euro). Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind um fünf Prozent auf 15,9 Mrd. gesunken. Vor allem aus den Schwellenländern Brasilien, Indien und China kamen weniger Aufträge, aber auch Kunden in der Türkei, Indonesien und Mexiko bestellten weniger Anlagen. Wachstum verzeichneten die Unternehmen dagegen aus Südostasien und Russland. Besonders aus Russland kamen Großaufträge im Chemieanlagenbau – so zum Beispiel für Linde Engineering, die im Mega-Projekt „ZapSibNeftekhim“ eine Ethylenalage mit einer Kapazität von 1,5 Mio. Jahrestonnen Ethylen bauen soll.

Klassischer Chemieanlagenbau deutlich im Plus
Während vor allem Kraftwerksbauer in Deutschland einen Rückgang um 18 Prozent verkraften mussten, konnte der klassische Chemieanlagenbau (ohne Luftzerlegungsanlagen) deutlich zulegen. Lag dessen Anteil an den Aufträgen im Großanlagenbau 2013 noch bei 7,3 Prozent (ca. 1,5 Mrd. Euro), stieg der Anteil 2014 mit 11,1 Prozent auf ein Volumen von rund 2,2 Mrd. Euro. Allerdings entwickelte sich das Geschäft mit Luftzerlegungsanlagen, die beispielsweise Stahlwerke versorgen, deutlich rückläufig. Obwohl die Zerlegung von Luft klassisch keine Stoffumwandlung (Chemie) ist, werden diese vom VDMA unter chemischen- und verfahrenstechnischen Anlagen geführt – wodurch für das Segment insgesamt ein Minus von 12 Prozent zu verzeichnen ist.
Aus Sicht der deutschen Anlagenbauer ist der Trend zu Mega-Anlagen und Komplettpaketen ungebrochenen. Außerdem werden verstärkt lokale Leistungsanteile gefordert. Die Branche antwortet mit Zusammenschlüssen und Kooperationen und stärkt ihre Auslandsstandorte. Im Kraftwerksanlagenbau wurden in jüngster Zeit massiv Engineering-Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Auf 61.000 Mitarbeiter im deutschen Großanlagenbau kommen heute rund 100.000 Mitarbeiter an Auslands­standorten.
Von der Politik erhofft sich der Großanlagenbau den Abbau von Wettbewerbshürden bei der Exportkreditversicherung sowie Investitionen in die Transport-Infrastruktur. „Marode Autobahnbrücken machen es dem Großanlagenbau schwer, große Teile hierzulande zu fertigen“, verdeutlicht Dieter Rosenthal vom Walzwerksbauer SMS: „Wir können deshalb hierzulande gar nicht mehr so viel fertigen, wie wir eigentlich wollen.“

Hier finden Sie viele weitere Beiträge zum Anlagenbau.

Heftausgabe: April 2015

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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