Ihm entgeht nichts

Tauchroboter inspiziert Flachbodentanks

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12.02.2016 Den geltenden gesetzlichen Vorschriften nach sind Betreiber von Tankanlagen und Raffinerien dazu verpflichtet, ihre Flachbodentanks zur Instandhaltung in regelmäßigen Abständen inspizieren zu lassen. Die bisherigen Verfahren hierzu waren stets mit großem Aufwand verbunden. Eine Neuentwicklung von Vinci Energies Konzernmarke Actemium setzt nun auf eine neuartige Technik. Der Tauchroboter wurde inzwischen mit dem Innovationspreis 2015 ausgezeichnet.

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Entscheider-Facts Für Betreiber

  • Bei dem Tauchroboter SIU4Tanks sind auf einer Gesamthöhe zwischen 1.200 und 1.500 mm sowie einem Durchmesser von 500 mm modernste Mess-, genaue Antriebs- und hochauflösende Kameratechnik untergebracht, sodass er alle gesetzlich geforderten Inspektionsschritte durchführen kann.
  • Die Technik zur Steuerung und Datenverarbeitung ist in zwei 6-m-Containern untergebracht, die standardmäßig im Abstand von höchstens 100 m zum Tank stehen - bei beengten Platzverhältnissen kann die Entfernung auf bis zu 200 m vergrößert werden.

Korrosionserscheinungen haben im schlimmsten Fall direkte Auswirkungen auf die Dichtheit von Tankböden. Um frühzeitig den Verlust von Teilen des Tankmediums auszuschließen, ist daher in regelmäßigen Intervallen eine Wanddickenmessung gesetzlich vorgeschrieben und somit unerlässlich. Für die Messung war es bisher notwendig, den kompletten Tank zunächst außer Betrieb zu nehmen, um ihn dann zu entleeren, zu entgasen und schließlich zu reinigen. Erst im Anschluss daran konnten die Prüfer das Tankinnere betreten, um den Tankboden mittels Floor-Scanner zu begutachten.

Aufgrund der Vorbereitungszeit und des Ausfalls des Tanks kommen in aller Regel hohe Kosten bei einer Inspektion auf den Betreiber zu. Daher wurde nach einer Lösung gesucht, die diese kritischen Punkte bei der Tankbodenbegutachtung umgeht und dadurch die Kosten deutlich reduziert.

Moderne Technik erfüllt hohe Anforderungen
Um eine akzepltable Lösung zu entwickeln, brauchte es eine Technologie, die es ermöglicht, das Medium während der Prüfung im Tank beizubehalten. Flüssigkeiten, wie beispielsweise Wasser, Benzin oder Kerosin, durften für die Inspektion kein Hindernis mehr darstellen. Das Verfahren musste aus diesem Grund schwimm- und tauchfähig sein, eine klare Positionsbestimmung gestatten und sicher sowie genau messen können.

Das Ergebnis der Entwicklungsarbeit war der Tauchroboter SIU4Tanks (Smart Inspection Unit for Tanks) – in der Entwicklungsphase ROV („Remotely Operated Vehicle“) genannt -, der alle zu Beginn gestellten Anforderungen erfüllte. Auf einer Gesamthöhe zwischen 1.200 und 1.500 mm sowie einem Durchmesser von 500 mm sind modernste Mess-, genaue Antriebs- und hochauflösende Kameratechnik untergebracht, sodass er alle gesetzlich geforderten Inspektionsschritte durchführen kann. Der Druckkörper ist so gebaut, dass sich selbst beim Anstoßen an Tankkomponenten keine Funken bilden. Außerdem ist das Gehäuse nicht elektrostatisch aufladbar und die Versorgungs- und Steuerkabel sind elektrostatisch ableitfähig. Folglich kann der Tauchroboter sogar bei entzündlichen Betriebsmedien, beispielsweise Rohölprodukten, eingesetzt werden. Abhängig vom Auftriebskörper beträgt das Gewicht des kleinen „U-Boots“ trotz der umfassenden Technik und der auf Sicherheit ausgelegten Bauweise weniger als 100 kg.

Auf Tauchfahrt mit dem Roboter
Üblicherweise wird der Roboter über das Dach des Tanks eingebracht. Dabei ermöglichen die geringen Abmessungen, dass das Gerät durch Öffnungen ab einer Nennweite von DN 500 hindurchpasst – das Mannloch muss jedoch perfekt rund sein, wenn es nur minimal größer als der Tauchroboter ist. Nach dem Einlassen in das Medium bewegt sich der Roboter ähnlich wie ein Forschungsunterseeboot mit Hilfe von Antriebspropellern: Zwei horizontale und vier vertikale Antriebseinheiten sorgen für sehr feine und genau kontrollierbare Bewegungen im Tank. Einbauten im Inneren wie Heizschlangen oder Füll- und Entnahmerohrleitungen lassen sich dank der vollumfänglichen Manövrierbarkeit problemlos umfahren. Die genaue Positionsbestimmung des Tauchroboters gelingt unterdessen mithilfe eines GPS-ähnlichen Systems auf Basis von Ultraschall.

Heftausgabe: Januar/Februar 2016
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Über den Autor

Jürgen Freisewinkel, Leiter Geschäftsfeldentwicklung UB Süd, Actemium Cegelec
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