Ruwais: Vom Fischereiort zum Petrochemie- und Olefinkomplex

Tausend und ein Cracker

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01.03.2011 Es klang nach tausend und einer Nacht, als Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan, damaliger Präsidend der Vereinigten Arabischen Emirate in den späten 70er Jahren die Vision des heutigen Abu Dhabi entwarf. Und der Raffinerie-Standort Ruwais, 250 km westlich von Abu Dhabi City, wurde darin zum Ausgangspunkt der Donwstream-Aktivitäten des Ölförderlands. Heute steht in Ruwais der Ausbau zum Olefin-Megakomplex im Vordergrund.

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Den Startpunkt markierte die Eröffnung der Takreer Ruwais Raffinerie, die im März 1982 mit einer Kapazität von 120000 b/d eröffnet wurde. Der komplette Industrie- und Siedlungskomplex Ruwais wurde damals von der staatlichen Petrofirma Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) erbaut und betrieben. Neben der Raffinerie besteht der Industriekomplex aus Erdgasverflüssigungsanlagen (Abu Dhabi Gas Industries, Gasco), und den von Ruwais Fertilizer Industries (Fertil) betriebenen Düngemittelfabriken sowie der Erdölverladestation Dschabal az-Zanna. Außerdem gehört das 1500-MW-Großkraftwerk mit Meerwasserentsalzungsanlage Shuweihat am westlichen Ende der Halbinsel zur Ortschaft Ruwais.

Um die Wertschöpfungstiefe zu erhöhen, wurde westlich der Raffinerie ein Produktionskomplex für Olefine, vor allem Polyethylen, gebaut. Betreiber ist Borouge, ein Joint-Venture aus Adnoc (60 %) und der österreichischen Borealis (40%). Derzeit befindet sich dort der Olefinkomplex II (Gesamtbudget: 4,845 Mio. US-Dollar) in der Realisierung. Bis 2014 sollen in die nächste Ausbaustufe (Borouge III) weitere 3 Mrd. US-Dollar investiert werden.

Borouge II beinhaltet einen Ethylen-Cracker (1,5 Mio. t/a) sowie die Erweiterung der PE-Einheit (0,54 Mio. t/a), der PP-Einheit (0,4 Mio. t/a) und der Olefin-Umwandlungseinheit (0,752 Mio. t/a). Zu den Produkten gehören vor allem Polyethylene für den Einsatz in Verpackungen, Röhren und Kabeln sowie in der Automobilindustrie im asiatischen Raum.

Linde baut den dritten Ethylen-
Cracker innerhalb von zehn Jahren

Der Lump-Sum-Turnkey-EPC-Auftrag für den Cracker wurde bereits Ende 2007 an ein Konsortium aus Linde Engineering und der arabischen Baufirma Consolidated Contractors Company (CCC) vergeben und im vergangenen Jahr fertiggestellt. Das Investitionsvolumen des zum damaligen Zeitpunkt größten Crackers der Welt: 1,3 Mrd. USD. Der Anlagenbauer Flour Middle East erhielt dabei den Auftrag für das Front End Engineering (FEED für die Polyolefin-Einheiten, ABB Lummus wurde mit den Leistungen FEED und Konstruktion der Olefin-Konvertierungseinheit beauftragt.

Doch auch die nächste Ausbaustufe (Borouge III) ist bereits über die FEED-Phase hinaus gediehen: Im Mai 2010 unterzeichneten Linde-Vorstandschef Wolfgang Reitzle und Sheikh Mohammed bin Zayed bin Sultan Al Nahyan, Kronprinz von Abu Dhabi, den Vertrag über den dritten Cracker, den Linde für Borouge innerhalb von zehn Jahren bauen wird (Kapazität: 1,5 Mio. t Ethylen p.a., Investitionsvolumen: 1,075 Mrd. USD). Insgesamt verbuchte der Münchner Anlagenbauer 2009 fast 60 Prozent seines Geschäftseingangs im Segment Olefin-Anlagen – allen Regionen voran im Mittleren Osten (Auftragseingang 2009: 916 Mio. Euro).

In 2010 vergab Borouge die EPC-Aufträge für die wichtigsten Gewerke von Bourouge III: Das Joint Venture-Konsortium Maire Tecnimont, Italien, wird gemeinsam mit Samsung Engineering (Südkorea) die nach dem Borstar-Verfahren arbeitenden PE- und PP-Anlagen errichten (1,255 Mrd. USD). Hyundai Engineering (Südkorea) wurde damit beauftragt, für 945 Mio. USD die Versorgungseinrichtungen zu bauen. Nicht zum Prozess gehörende Gebäude werden von der Alpine Bau Deutschland errichtet (111 Mio. USD). Mit Borouge III will der Betreiber seine Polyolefin-Kapazitäten von derzeit 2,5?Mio. t/a auf 4,5 Mio. t/a in 2014 ausbauen.

Um die dafür, sowie in der 220 km östlich gelegenen Abu Dhabi Chemicals Industrial City benötigten Rohstoffe bereitstellen zu können, wird derzeit auch die Takreer-Raffinerie ausgebaut. Geplant ist eine zweite Raffinerie mit einer Verarbeitungskapazität von 400?000 t/a. In dem 10?Mrd.-USD-Projekt, das bis 2013 fertiggestellt werden soll, liefert die Shaw Group die Raffinerietechnik, CBI Lummus ist Technologiegeber für die Cracker- und Olefinkonvertierungseinheit und UOP steht für die Hydro-Processing Technologie. Gebaut wird der Komplex von GS E&C, SK E&C sowie Daewoo E&C und Samsung E&C.[AS]

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Heftausgabe: März 2011

Über den Autor

Armin Scheuermann
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