Artikel Pappkamerad statt IBC
12.09.2007
Schwergutverpackung
Großanlagen passen nicht in genormte Container, müssen aber trotzdem optimal vor Kälte, Hitze, Wind und Wasser geschützt werden. Auch Schwergutverpackung und die Verpackung von überdimensionalen oder hochempfindlichen Produkten bedeutet stets, individuelle Lösungen zu suchen und zu realisieren. Ein Lösungsansatz: Wellpappe.
Unmittelbar am Mittellandkanal entwickelt das Team um Design Manager Siegfried Ottensmeier Schwergutverpackungen aus Wellpappe. Das ist ihr Beitrag zu den zweistelligen Zuwachsraten im Bereich Schwergutverpackung (Heavy Duty) des skandinavischen Hygieneartikel- und Verpackungsunternehmens SCA Packaging Deutschland in Minden.
Jüngstes Kind des Design-Teams ist der Container „Corrlitainer“. Ein Kunstwort aus Corr (Corrugated Board, Wellpappe), li für Liner (Deckbogen) und Tainer (Behälter). Der Container ist eine Wellpappe-Verpackung für Flüssigkeiten, die das Verpackungsunternehmen gemeinsam mit dem Folienhersteller Nordenia entwickelt hat und künftig dem Platzhirsch aus Kunststoff, dem IBC (Intermediate Bulk Container), Konkurrenz machen soll. Konzipiert wurde der achteckige Behälter (Oktabiner), der im Inneren mit einem Beutel ausgekleidet ist, für Farbe, Leim, Milch, Flüssigei, Saftkonzentrate und sogar für Fische. „Transportiert werden kann damit quasi alles Flüssige außer Gefahrgut“, sagt Ottensmeier.
Der Oktabiner wird fest auf einer Palette verzurrt, und eine Person kann ihn allein aufbauen. Der Container hat einen Ausgießer integriert, der ein gutes Entleeren ermöglicht. Ziel des Papp-Containers: „Wir möchten Kunden neue Möglichkeiten erschließen, in Bereichen zu substituieren, an die wir und der Kunde jetzt noch gar nicht denken“, betont Vertriebsleiter Jörg Schmelter.
Wenn Ottensmeier von seinem Einsatzgebiet, der Schwergut- und Transportverpackung, spricht, wird er beinahe philosophisch. Auf die Frage, was Schwerwellpappe ist, antwortet er: „Schwerwellpappe ist nicht schweres Gut, es leistet physikalisch Schweres gut!“ Die eigentliche Antwort schiebt er nach: „Von Schwerwellpappe sprechen wir im Markt, wenn das Flächengewicht größer als 1000 g/m2 ist. Durchstoßarbeit und Kantenstauchdruck sind dabei besonders wichtig, wegen der Biegesteifigkeit und der Tragbarkeit.“ Die Mindener setzen deshalb auf Kraftliner. Kraftliner ist Papier in Flächengewichten ab 120 g/m2, überwiegend aus gebleichtem oder ungebleichtem Sulfatzellstoff, für die Deckschichten von Wellpappe.
Schwere Güter wie Maschinen- und Automobilteile sowie große Papierrollen stehen im Fokus des Unternehmens. Täglich verlassen 55 bis 65 LKWs gefüllt mit Wellpappe das Werk. Minden ist – am Ausstoß und der Fläche gemessen – eines der größten Werke des Verpackungsherstellers in Deutschland. Heavy Duty macht in Minden nach Aussagen von Deutschland Sales Manager Oliver Philipp etwa 10 Prozent des Volumens aus. Transportverpackungen, darin Heavy Duty integriert, bringen es auf einen Anteil von annähernd 50 Prozent. Wobei laut Philipp die Übergänge zwischen Transport- und Verkaufsverpackungen immer fließender werden – ausgelöst durch den Discount. „Heute werden zwei Drittel der Transportverpackung weggerissen und schon ist es eine Verkaufsverpackung“, so Philipp. Warum das Unternehmen in Ostwestfalen auf die schwere Wellpappe mit einer Wellenkombination aus Grobwelle-Mittelwelle-Grobwelle setzt, umschreibt Philipp wie folgt: „Heavy Duty gibt uns die Möglichkeit, in Geschäftsfelder zu gehen, in denen nur wenige Wettbewerber tätig sind. Zudem können wir dadurch bestehende Kunden stärker an uns binden.“ Damit spielt er auf die Hersteller von Fast Moving Consumer Goods an, die mittels schwerer Wellpappe aus einer Hand Bulk-Mengen und die klassischen Verkaufsverpackungen beziehen können. Erste Beispiele gibt es in Frankreich. Dort wurden Schwergut-Verpackungen mit im Offset bedruckten Hüllen verkleidet im Verkaufsraum aufgestellt. Insgesamt gesehen ist der Bereich Schwergutverpackung nach Aussagen von Oliver Philipp eine Nische, die das große Ganze unterstützen kann.
Statische Anforderungen meisternDie optimale Lösung von Verpackungsproblemen erfordert in gleichem Maße technische wie ökonomische Überlegungen. „Unsere Entwickler beraten Kunden nicht nur in Bezug auf die statischen Anforderungen, die an eine Verpackung gestellt werden müssen, sondern auch über den neuesten Stand der Verpackungstechnik und den sinnvollen Einsatz der verschiedenen Verpackungsmaterialien“, betont der Sales Manager Philipp. Sprich: Die Designer berechnen die jeweiligen Verpackungen und zeigen Schwachpunkte auf. Sie simulieren Transportschwingungen und testen diese vor dem Kundeneinsatz natürlich auch in der Praxis. „Bei der Bahn ist die Beschleunigung am stärksten, auf dem Schiff sind es die Rollbewegungen, die eine Schwergutverpackung unbeschadet bestehen muss“, berichtet Ottensmeier. Ganz nebenbei müssen Schwergutverpackungen neben den mechanischen Beanspruchungen unter Umständen vor Klimaschwankungen gewappnet sein. Beispielsweise dem Kot einer Möwe sowie Autoabgasen trotzen. Bei letzterem spricht man dann von biologischen oder chemischen Belastungen. Zurück zum Klima: Gerade die Umgebungsluft ist nicht unerheblich, deshalb kommt manchmal auch Folie zum Einsatz. Findet kein Luftaustausch statt, dann setzt sich die Feuchtigkeit in der Verpackung nieder. Die Resistenz vor Feuchtigkeit ist besonders wichtig, wenn es über mehrere Klimazonen hinweg geht. Dann kommen unter Umständen VCI-Papiere zur Anwendung. VCI steht für Volatile Corrosion Inhibitor (flüchtiger Korrosions-Verhinderer) und ist eine Substanz, die metallische Werkstoffe vor Korrosion schützt, indem sie Feuchtigkeit entzieht (verteuert Verpackung um etwa zehn Prozent).
Beim Geschäft mit der Schwergutverpackung geht es in erster Linie um Einweg. Mehrweg ist aufwändiger und teurer, ist die Meinung beim Mindener Unternehmen. Der größte Vorteil sei: Wellpappe könne überall auf der Welt recycelt werden. Wichtig sei zudem: „In der Vergangenheit wurden Schwergüter mit Holz verpackt, das ist teuer und schwer“, betont Schmelter. So hat das Verpackungsunternehmen einen Kunden aus dem Solaranlagenbereich für sich gewinnen können. Auch der verpackte zuvor mit Holz. Inzwischen wird der fast mannshohe Solarspeicher mit einem Metallbügel auf einer Palette befestigt. „Der Boden der Schwergutverpackung besteht aus einem teilbaren Stülpboden mit Distanzplatte und die beiden Bodenplatten können wie ein Faltkarton um den Speicher geheftet werden“, berichtet der Designer Ottensmeier. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Aber: „Schwerwellpappe? Da muss man schon mal nachdenken“, bekennt er. Nicht nur wegen der Spannungen im Material. Schwerwellpappe ist viel spannender als man denkt.[mf]
„Schwergutverpackung: eine Nische, die das große Ganzeunterstützen kann“
Oliver Philipp, SCA Packaging, Sales Manager Deutschland
Autor: Feldmann
Ausgabe:09/2007 September
Weitere Infos
Firma: |
|
|---|---|
Dokumente: |
Firmen
-
Gottlieb Duttenhöfer GmbH & Co. KG
67454 Haßloch/Pfalz
-
imec Messtechnik GmbH
74078 Heilbronn -
Ruland Engineering & Consulting GmbH
67435 Neustadt

