Artikel Möglichkeiten von RFID noch nicht ausgeschöpft
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Damit sich Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche auch im internationalen Wettbewerb durchsetzen können, spielen innovative Technologien wie Radio Frequency Identification (RFID) eine immer wichtigere Rolle. Denn neben dem eindeutigen Erkennen von Chemikalien und Originalmedikamenten erfasst und verfolgt die Funktechnologie in vielen Betrieben sämtliche Rohstoffe, Zwischen- und Endprodukte entlang der gesamten Lieferkette. In Echtzeit können Produzenten und Kunden über den Zustand und den Verbleib der Ware informiert werden. Die Lieferkette wird dabei nicht nur effizienter, sondern auch weniger anfällig für Störungen – und damit sicherer.
Branche unter ZugzwangGerade gesetzliche Richtlinien wie der neue „Compliance Policy Guide“ der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) fordern Chemie- und Pharmaunternehmen auf, neue Wege in Sachen Sicherheit zu gehen. So müssen in den USA Produkte über Tracking & Tracing eindeutig identifiziert und zurückverfolgt werden können, um etwa Fälschungen zu erkennen. Auch in Europa werden an die Hersteller von Medikamenten und Chemikalien hohe Anforderungen bezüglich der Produktverfolgung gestellt. Seit 1. Juni letzten Jahres greift für alle Unternehmen der chemischen Industrie mit Sitz in der Staatengemeinschaft die EU-Richtlinie Reach (Regulation, Evaluation and Authorisation of Chemicals). Danach ist jeder Hersteller dazu angehalten, selbstverantwortlich für die Sicherheit seiner Chemikalien über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu sorgen. Zudem muss er für bestimmte, gefährliche Stoffe detailliert angeben, wie die Produkte sicher transportiert, verkauft und eingesetzt werden können. Auch Regelungen hinsichtlich Explosionsschutz sowie Beständigkeit gegen Chemikalien, UV-Licht, Temperatureinflüsse, Feuchtigkeit und Erschütterung gilt es zu berücksichtigen.
Damit es Betrieben gelingt, diese strengen Bestimmungen auch einzuhalten, werden sie von IT-Dienstleistern mit modernen Technologien, beispielsweise RFID, unterstützt. Dabei muss der Dienstleister die Anforderungen der Branche genau kennen und mit geeigneten Lösungen – etwa unterschiedlichen Bauarten der Funkchips – darauf reagieren. So benötigt der Transponder für ex-geschützte Bereiche eine spezielle Oberfläche oder muss entsprechend in Schutz-Gehäuse verpackt werden.
Auch Fehlinformationen über den Inhalt von Behältern oder deren Verwendung kann RFID nahezu ausschließen. Besonders wichtig ist dies, um gefährliche Substanzen zu identifizieren und zuzuordnen. Hinzu kommt ein weiterer Sicherheitsaspekt der Funktechnologie: Produkte und Prozesse lassen sich berührungslos kontrollieren beziehungsweise durchführen. Das macht ein Auslesen der Etiketten durch das menschliche Auge und häufige Kontakte mit den Chemikalien überflüssig.
Doch nicht nur die jeweiligen gesetzlichen Richtlinien und Vorgaben setzen die Chemieindustrie unter Druck. Expansionsbestrebungen der Unternehmen im Rahmen der Globalisierung sowie der verstärkte Kostendruck verschärfen darüber hinaus den Wettbewerb in der Branche. Tiefgreifende Veränderungen haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren zudem durch Fusionen, aber auch durch die Ausgliederung von Produktionsschritten erfahren.
So stellt beispielsweise die Auslagerung von Qualitätslabors eine große Herausforderung für das Supply Chain Management dar. Die Labors müssen regelmäßig mit Proben aus den unterschiedlichsten Produktionsstandorten versorgt werden. Hier kommt RFID ins Spiel: Denn die Funktechnologie überwacht und dokumentiert den Warenaus- und -eingang sowie Lagerung und Transport der Proben lückenlos von der Produktion bis ins Labor. Sämtliche Prozesse beschleunigen sich durch die elektronische Übertragung der Daten und den Wegfall menschlicher Interaktion – ein klarer Wettbewerbsvorteil. Dieser Aspekt ist vor allem hilfreich, um die Entwicklungszyklen von Produkten zu verkürzen.
Chemischen Substanzen auf der SpurAls typisches Einsatzgebiet von RFID in der Chemie- und Pharmabranche gilt das Behältermanagement. Das Funksystem bildet die Materialbewegungen dabei exakt ab. So kann der Standort und der Transportweg von Containern, die meist mit sensiblen Produkten und Substanzen bestückt sind, jederzeit überwacht werden. Hinzu kommt, dass sich jederzeit prüfen und dokumentieren lässt, wie viel Zeit ein Container von A nach B benötigt, wie hoch der Füllstand ist und welche Ware er genau beinhaltet.
So erfolgreich die Technologie in vielen Unternehmen im Einsatz ist, überschreitet sie die Firmengrenzen bisher nur selten. Um die gesamte Lieferkette zu optimieren, gewinnt RFID jedoch langsam auch über mehrere Kreisläufe hinweg an Bedeutung. Immer häufiger statten Chemiebetriebe ihre Produkte bereits an der Abfüll- beziehungsweise Verpackungslinie mit RFID-Tags aus. Bei Wareneingang im weiterverarbeitenden Unternehmen werden die Chargennummern der Lieferung elektronisch in dessen SAP-System übernommen. Auf diese Weise kann man jederzeit exakt feststellen, welche Charge welchen Produkts in welchem Produktionsprozess genutzt worden ist. darüber hinaus ist eine lückenlose Überwachung der einzelnen Stationen der Lieferkette vom Rohstoffeingang beim Chemieunternehmen bis hin zum Warenausgang im Pharmaunternehmen möglich.
Um Produkte zuverlässig rückzuverfolgen, ist jedoch eine entsprechende technische Infrastruktur mit Transpondern sowie Schreib- und Lesegeräten notwendig. Hinzu kommt die sinnvolle Integration der Daten und Systeme auf IT-Ebene. Dies ist besonders für kleine und mittelständische Unternehmen eine schwierige Aufgabe. Denn personelle und finanzielle Ressourcen sind dort oft nicht ausreichend vorhanden. Deshalb bieten Full-Service-Provider sowohl für diesen Markt als auch für internationale Lieferketten neuerdings RFID-Betreibermodelle mit flexiblen Service- und Abrechnungsmodellen. Kunden erhalten dadurch – zugeschnitten auf ihre speziellen Anforderungen – eine komplette RFID-Infrastruktur mit ganzheitlichen Services. Der Dienstleister übernimmt hierbei die Verantwortung für die gesamte Prozess- und Wertschöpfungskette. Durch den Aufbau eines derartigen Netzwerks können wesentliche Prozesse in der Produktion und Distribution von Waren und Dienstleistungen unternehmensübergreifend automatisiert werden. Die anfallenden Kosten verteilen sich verbrauchsgerecht auf alle Partner der Supply Chain. Das Abrechnungsmodell ist dabei flexibel: So sind beispielsweise eine Zahlung pro Transaktion beziehungsweise pro Stück oder eine monatliche Flatrate denkbar.
Autor: Jürgen Manz , Director Tracking and Tracing, Siemens IT Solutions and Services
09/2008 September
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