Artikel Mit gedämpftem Optimismus zur Achema

25.11.2009

Krise und Chance

Auf der Vor-Pressekonferenz zur Achema äußerten sich die Vertreter des VDMA trotz der weithin schwierigen konjunkturellen Lage eher optimistisch. Insgesamt erwarten die Hersteller von Pumpen, Kompressoren und Armaturen einen eher maßvollen Rückgang der Umsätze. Und manche sehen die Krise auch als Chance und wollen nicht in den Chor der Schwarzmaler einstimmen.

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Da Maschinen aus dem Großanlagenbau im Durchschnitt ein bis zwei Jahre Lieferzeit benötigen, verspüren in der gegenwärtigen Situation einige Investitionsgüterhersteller noch nicht die volle Schlagkraft der derzeitigen Rezession wie beispielsweise Betreiber von Chemieanlagen, die näher am Absatzmarkt für Endabnehmer sind,“ beschreibt Alexander W. Peters, Vorsitzender der VDMA Fachabteilung Prozesskompressoren, die derzeitige Wirtschaftslage der Kompressorenhersteller. Im Schnitt seien die Auftragsbücher zum Beispiel bei vielen Prozesskompressorenherstellern bis Mitte 2010 gut gefüllt. „Insofern sind mögliche Verschiebungen von Aufträgen ertragbar, Stornierungen oder Zahlungsunfähigkeit des Kunden hingegen gefährlich,“ so Peters. Und Rüdiger Vieten, Vorsitzender des VDMA-Forums Prozesstechnik und der Fachabteilung Verfahrenstechnik, ergänzt: „Zwar sind die Auftragseingänge zurückgegangen, aber eben nicht eingebrochen. Ich wage zu behaupten, dass sich der Umsatz Ende 2009 immer noch auf einem höheren Niveau als Ende 2007 bewegen wird.“ Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Wachstumsraten von 2008 auch 2009 erreicht werden könnten. Voraussetzung dazu sei allerdings, dass möglichst rasch das Vertrauen in die Geld- und Finanzmärkte weltweit wieder hergestellt werde.

Auch sieht Vieten die Branche gut gerüstet, denn die Unternehmen hätten aus der Krise Anfang der 1990er Jahre gelernt. „Die Eigenkapitalquote lag bei unseren Kennzahlenerhebungen 2007 je nach Teilbranche zwischen 32 und 41 Prozent und damit auf dem Höchststand seit Beginn ihrer Erfassung im Jahr 1969.“ Und Peters meint, dass Unternehmen, die strukturell gesund sind und die die Zeit des Auftragsüberhangs genutzt haben, um ihre Eigenkapitaldecke zu stärken, Investitionen tätigten, um Logistik und Produktion zu optimieren, besser gewappnet sind gegenüber den Auswirkungen der Rezession.

Der Krise mit Innovationen begegnen

Eigene Ressourcen zu nutzen und Forschung und Entwicklung weiter voranzutreiben sowie Innovationen mit Gewinnen vergangener Jahren zu finanzieren, könne eine erfolgreiche Strategie sein, stellt Peters dar, um aus der angespannten Krisensituation gestärkt heraus zu kommen. Und auch Jürgen Arnold, Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Pumpen + Systeme, stimmt dem zu: „Gerade in wirtschaftlich schlechteren Zeiten sind innovative Produkte gefragt. Zweistellige Wachstumsraten in der Vergangenheit bildeten die Basis für den Ausbau der F&E Kapazitäten und ermöglichen es den Unternehmen heute, Neuheiten und Trends vorzustellen, die auch künftig am Markt bestehen und nachgefragt werden.“ Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Verfahrenstechnik sei in den letzten fünf Jahren von 1,9 auf 3,3 Prozent gestiegen, legte Vieten dar.

Chancen im After Sales

Marktchancen sehen die VDMA-Vertreter nach wie vor in Verbesserung der Energieeffizienz der Geräte, in der Senkung der Life Cycle Costs und im After Sales Market. Speziell bei Pumpen, so schätzt Arnold, werde es in Zukunft um höhere Verfügbarkeit durch Zustandsüberwachung und derenEinbindung in Prozessleitsysteme, um niedrigere Energiekosten sowie um pulsationsfreie und geräuscharme Fluidförderung gehen. „In den nächsten Monaten wird der Service und das Ersatzteilgeschäft in den Fokus rücken. Stand in den letzten Jahren das Neumaschinengeschäft im Vordergrund, wird in Zukunft der für die Unternehmen auch bisher wichtige After-Sales-Bereich an Bedeutung gewinnen.“

Für die Kompressorenhersteller kann dies Peters nur unterstützen: „Dem After Market Bereich wird kurzfristig eine große Bedeutung zukommen, denn in den letzten Jahren liefen sämtliche produzierende Maschinen aufgrund der ebenfalls starken Kapazitätsauslastung bei unseren Kunden auf Hochtouren. Die Pflege der Maschinenmusstedeswegen häufig vernachlässigt werden. Jetzt ist die Zeit für Wartung des Maschinenbestandes und Modernisierungen, um alle Ressourcen einsetzen zu können, wenn die Konjunktur wieder anzieht.“

Fachkräfte halten

Die sehr gute konjunkturelle Lage der vergangenen Jahre hat auch die Nachfrage nach Fachkräften stark angekurbelt. Nach einer Umfrage unter Herstellern verfahrenstechnischer Maschinen und Apparate haben im Jahr 2008 mehr als 40 Prozent der Unternehmen Personal eingestellt. Derzeit fürchten möglicherweise viele, die sich in Ausbildung befinden, keine Stellung zu finden. Dem entgegnet Vieten jedoch: „Zwar ist die Personalpolitik vorsichtiger geworden, aber qualifiziertes Fachpersonal wird nach wie vor gesucht.“ Und der Vorsitzende der Namur, Dr. Robert Kuschnerus, forderte bereits im vergangenen Jahr auf der Namur-Hauptsitzung, die jungen Leute jetzt nicht im Stich zu lassen.

„Die nächsten Monate werden sicherlich schwierig und spannend, bieten aber auch etliche Chancen“
Jürgen Arnold, CEO Sterling SIHI und Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Pumpen + Systeme

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