Artikel Interview mit Eric Peeters, Global Executive Director Dow Corning Solar Solutions

18.09.2009

Das Chemieunternehmen Dow Corning hat sich mit bemerkenswerter Konsequenz der Solartechnik verschrieben: In den vergangenen fünf Jahren hat es angekündigt, fünf Milliarden US-Dollar in Solaraktivitäten investieren zu wollen. Wir sprachen mit Eric Peeters über die Strategie des Unternehmens und die Erwartungen für den Einstieg weiterer Chemieunternehmen in das Geschäft.

Welche strategische Bedeutung hat die Photovoltaik-Produktion für Dow Corning?

Peeters: Das wird anhand unserer Investitionen deutlich: Dow Corning erzielt einen Jahresumsatz von etwa 5,5 Mrd. Dollar. In den vergangenen fünf Jahren haben wir Investitionen in der Höhe von 5 Mrd. Dollar angekündigt, um die Solarindustrie zu beliefern. Davon ist ein Großteil in unser Joint Venture, die Hemlock Semiconductor-Gruppe, geflossen, einem der führenden Hersteller von Polysilizium. Außerdem haben wir in den USA ein Anwendungszentrum für Solar-Lösungen eröffnet und ein weiteres in Korea angekündigt.

Ein Schwerpunkt unserer Entwicklung zielt darauf ab, die Kosten der Solarenergie zu senken. Wir haben ein starkes Bekenntnis zur Solarindustrie abgegeben. Die Solarbranche spielt bei unserer langfristigen Geschäftsstrategie eine Schlüsselrolle. Dow Corning ist eine der wenigen Firmen in der Welt, die Materialien entwickeln kann, die in allen Bereichen der Wertschöpfungskette der Solarindustrie eingesetzt werden können. Von der Polysilizium-Produktion über die Ingot- und Waferfertigung bis zur Modulmontage und Dichtungstechnik.

Modulhersteller gehen mehr und mehr dazu über, ihre Wertschöpfungskette nach oben hin – zum Beispiel um Siliziumprozesse – zu erweitern. Werden sich Chemiefirmen wie Dow Corning im Gegenzug stärker „Downstream“ – also beispielsweise in der Modulfertigung engagieren?

Peeters: Ich kann natürlich nur für Dow Corning sprechen. Wir haben keine Pläne, in die Modulfertigung einzusteigen. Wir sind Spezialisten für Materialien und F&E und wollen eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten und dabei helfen, die Solarindustrie zu entwickeln.

Bislang gibt es vergleichsweise wenige Silizium-Produzenten. Rechnen Sie damit, dass angesichts der attraktiven Wachstumsraten im Photovoltaik-Markt mehr Chemieunternehmen in dieses Geschäftsfeld einsteigen werden?

Peeters: In den vergangenen Jahren haben über 100 Firmen angekündigt, die Produktion von polykristallinem Silizium aufnehmen zu wollen. Einige werden dabei erfolgreich sein, andere sind daran gescheitert. Der Produktionsprozess ist komplex und sehr kapitalintensiv. Unser Joint Venture Hemlock Semiconductor stellt das Material seit über 40 Jahren her und hat sich dabei ein enormes Wissen erworben – sowohl beim Betrieb der Anlagen, als auch bei deren Bau.

Aus welchen Bereichen der Photovoltaik erwartet sich Ihr Unternehmen die größten Impulse für technologischen Fortschritt?

Die Technologieentwicklung in der Photovoltaik konzentriert sich stark darauf, während der gesamten Lebensdauer der Solarmodule die Kosten pro Watt erzeugtem Solarstrom zu senken und eine tragfähige Industrie zu etablieren, die ein nahezu endloses Wachstumspotenzial hat. Technologien, die dieses unterstützen, werden auf der Gewinnerseite sein. Wir glauben, dass das, was wir derzeit entwickeln und anbieten, diesem Anspruch genügt.

Bei Dow Corning ist die Solartechnik zu einer der beidenPrioritäten des Unternehmens geworden. Und dementsprechend investieren wir. Es gibt viele Möglichkeiten, die Kosten der Solartechnik zu senken – wir glauben aber, dass die Arbeit an neuen Materialien ein kritischer Faktor ist. Fakt ist, dass 50 Prozent der Kosten eines Modules Materialkosten sind. Von der Materialauswahl hängt es ab, wie hoch die Produktionskosten sind und wie lange ein System hält. Zum Beispiel haben wir einen Produktionsprozess für die Kapselung von Solarmodulen entwickelt, bei dem neu entwickelte Materialien helfen, die Produktivität sowie Effizienz und Lebensdauer der Module deutlich zu erhöhen.

Welche Rolle wird die Dünnschichttechnologie aus Ihrer Sicht in Zukunft spielen?

Peeters: Eine ganz bedeutende. Wir glauben, dass die Chancen in der Solarindustrie so groß sind, dass verschiedene Technologien notwendig sein werden, um den Weltbedarf an sauberer Energie zu decken. Wir gehen von einem dauerhaften Anteil der Dünnschichttechnik von 10 bis 25 % aus – und das sind zehn Prozent von einer sehr großen Industrie! Im Dezember haben wir deshalb zum Beispiel angekündigt, dass wir demnächst eine Fabrik für Monosilan bauen werden. Dies ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die Dünnschichttechnik.K

Entscheider-Facts
Investitionen in Milliardenhöhe geplant
  • Dow Corning hat im Juli 2009 angekündigt, mehrere Milliarden Dollar investieren zu wollen, um die schnell wachsende Solartechnologie-Industrie mit Materialien beliefern zu können.
  • Gemeinsam mit dem Joint Venture Hemlock Semiconductor will Dow Corning in Hemlock, Michigan (USA), mit der Produktion von hochreinen Monosilanen, einem wichtigen Spezialgas zur Herstellung von Dünnschicht-Photovoltaikmodulen und LCDs beginnen.
  • In Michigan soll die Produktion der Hemlock Semiconductor Corp. Erweitert werden, gleichzeitig soll ein neues Werk in Clarksville, Tennessee, gebaut werden, um die Produktionskapazität für Polysilizium u erhöhen.


„Für uns ist die Solartechnik zu einer der beiden Prioritäten des Unternehmens geworden. Und dementsprechend investieren wir“
Eric Peeters ist bei Dow Corning Solar Solutions Global Executive Director

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