Artikel Säcke und Fässer geschlossen entleeren
Sackentleerung, API, Wirkstoffhandling, Hygienic Design, easy to clean, Hecht
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In der Praxis bedeutet dies, dass je nach toxischer Einstufung der Produkte gemäß der Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) ein geeignetes geschlossenes System zur Handhabung der Ausgangsstoffe, Zwischenprodukte und des Endproduktes zu wählen ist. Die Arbeitsplatzgrenzwerte bewegen sich bei der Wirkstoffherstellung in einem Bereich von <100µg/m³ bis hin zu <10µg/m³. Speziell bei CMR (CMR: Cancerogener Mutagener Reproduktionstoxischer Stoff)-Produkten wird sogar ein Wert von bis zu <1µg/m³ gefordert.
Für all diese Anforderungen gibt es geeignete Containmentsysteme. Ein Vorteil dieser Systeme ist, dass neben dem Personenschutz auch Produktschutz geboten wird. In einem gänzlich geschlossenen Prozess kann es zu keiner Kreuzkontamination kommen.stoffhandlings vereinfacht werden. Durch die Vorgaben der FDA (Food & Drug Administration) hat das Vermeiden der Kreuzkontamination bei den Behörden einen besonders hohen Stellenwert. Die FDA bemängelt immer häufiger die Übertragung einer Kreuzkontamination durch ungeeignete Schleusensysteme für die Mitarbeiter. Diese Problematik ist seit langem bekannt und wird im Zuge der AMWHV (Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung) beschrieben. Hier wird auch das Wechseln und Verbleiben der Kleidung am Verwendungsort dargestellt. Auf die Wirkstoffhersteller kommt daher Anpassungsarbeit zu.
Isolator zur Sackentleerung mit Schutzfolien-Schleusen
Mit Hilfe der Schutzfolientechnologie ist ein kontaminationsfreies Einschleusen von Säcken in einen Isolator möglich. Dazu wird der Isolator mit zwei Endlosfolien-Schleusen ausgestattet. Ein Schutzfoliensystem ermöglicht die Sackeinschleusung. Über ein zweites Schutzfoliensystem erfolgt das Ausschleusen der Leersäcke.
Der Bediener zieht einen am Ende verschlossenen Folienschlauch vom Endlosfolienmagazin und schiebt den Sack in die Endlosfolie ein. Mit einer Spezialzange wird die Folie hinter dem Sack ein bis zwei Mal verschlossen. Der Sack ist von der Schutzfolie umhüllt. Über Gloves wird der Sack innerhalb des Isolators entleert. Seine Handlungen kann der Bediener über ein Sichtfenster koordinieren. Optional können die Säcke von einem zweiten Bediener geöffnet und entleert werden. So wird der Durchsatz erhöht. Die leeren Säcke und Folien werden durch das zweite Schutzfoliensystem aus dem Isolator ausgeschleust. Der Wechsel der Endlosfolienmagazine erfolgt ebenfalls kontaminationsfrei. Der Isolator wird mit maximal 40Pa Unterdruck betrieben. Durch die Druckregelung können Leckagen erkannt werden. Der Isolator ist als WIP-System ausgeführt. Der Weitertransport des Pulvers erfolgt über eine Vakuumförderung.
Schutzfolie-System zur Umwandlung von Fässern in Containmentgebinde
Fässer sind für den innerbetrieblichen Transport und das geschlossene Einbringen in Reaktoren eher ungünstig. Deshalb empfiehlt es sich, die Fässer in größere Containmentgebinde umzuwandeln. Die kostengünstigsten Containmentgebinde sind Big-bags mit Inliner. Im Vergleich mit Containern entfallen hohe Anschaffungs-, Lagerungs- und Reinigungs-Kosten. Das Entleeren der Fässer erfolgt mit Hilfe eines Isolators, an den ein Fass von außen mit Schutzfolie angedockt wird. Das Fass muss nicht in den Isolator eingeschleust werden und wird somit auch nicht kontaminiert. An der Rückseite des Isolators befindet sich ein Schutzfolienanschluss, der mit einer Restfolie verschlossen ist. Mit einer Fasshebe- und Kippvorrichtung wird das Fass am Schutzfolienanschluss positioniert. Der Bediener öffnet das Fass und verbindet Schutzfolienanschluss und Fass mit einem Folienschlauch. Über Gloves wird die Restfolie in den Isolator gezogen und in einem Abfallsack separiert. Anschließend wird das Fass über die Kippvorrichtung so weit in den Isolator eingeschoben, bis der Bediener mit den Handschuhen den Inliner erreicht und öffnen kann. Nach dem Entleeren wird das Fass aus dem Isolator zurückgezogen, die Schutzfolie zweifach verschlossen und zwischen den Verschlüssen getrennt. Die eine Hälfte der Schutzfolie verbleibt als Verschluss am Isolator, die andere Hälfte der Schutzfolie als Verschluss am Fass. Es erfolgt weder eine Kontamination des Produktes noch kommt die Umgebung mit dem Produkt in Berührung.
Da das Entleeren im Isolator durch Schwerkraft erfolgt, ist es möglich, stark verklumpte Produkte problemlos zu entleeren. Ein hygienegerechter Knollenbrecher zerkleinert verklumpte Produkte soweit, dass diese mit dem nachgeschalteten Dosiersystem in das Zwischengebinde eingewogen werden können. Zwischen dem Zerkleinerer und dem Dosiersystem werden Fremdteile über ein Schutzsieb zurückbehalten.
Probenahme mit Einwegfoliensystem
Die Probenahme ist in der aseptischen (keimfreien) und sterilen Produktion ein wichtiger Schritt zur Beurteilung der Qualitätseigenschaften von Rohmaterialien, Inprozess-Kontrollen und Endprodukten. Ihre Bedeutung hängt vom Zweck ab und steigt mit der Reinheit des Herstellungsprozesses und den Produktkosten. Unzuverlässige Probenahmemethoden können ungenaue oder falsche Ergebnisse verursachen und zur kostspieligen Neuverarbeitung von Zwischenprodukten bis hin zum Zurückweisen ganzer Chargen führen.
Der Probenahmeprozess, insbesondere das Gewährleisten einer repräsentativen Probe, ist noch kritischer, wenn Echtzeit- oder echtzeitnahe Ergebnisse für Prozesseinstellungen benötigt werden. Es gibt jedoch keine ausführlichen Richtlinien, zum Beispiel „Gute Probenahmepraktiken“, für den gesamten Probenahmeprozess.
Bei diesem Schutzfoliensystem handelt es sich um ein primäres Containmentsystem zum Bemustern von Ausgangsstoffen in Fässern. Die Schutzfolientechnologie schützt sowohl das Produkt vor Verunreinigung durch die Umgebung, als auch den Bediener, falls es sich bei der zu beprobenden Substanz um eine für ihn gefährliche Substanz handelt. Speziell der letzte Punkt gewinnt immer mehr an Bedeutung, da es für viele der angelieferten Ausgangsstoffe keine Klassifizierung gemäß AGW (Arbeitsplatz-Grenz-Werte) gibt. Die Schutzfolie zur Probenentnahme ist ausgestattet mit zwei Handschuhen, einem Probenahmestutzen sowie einem Entlüftungsstutzen mit Beatmungsfilter. Innerhalb der Schutzfolie befindet sich noch eine Aufnahmetasche für Werkzeuge, die zur Proben-Entnahme benötigt werden.
Nach Öffnen des Fasses wird der äußere Inliner – nicht der Produktliner – mit einem Spannring am Einweg-Probenahme-System fixiert und mit einem Gegenring mit Blähdichtung abgedichtet. Der Entlüftungsstutzen mit Beatmungsfilter wird an ein Entstaubungssystem angeschlossen. Beim Bemustern von hochgefährlichen Substanzen wird ein Sicherheitsfilter vorgesehen, damit die Produktstäube nicht in die zentrale Entstaubung entweichen. Mit Hilfe der Handschuhe öffnet der Bediener den inneren Foliensack und startet mit der Bemusterung. Sobald der Probenahmebeutel mit ausreichend Produkt gefüllt ist, wird der Folienbeutel zweifach mit Spezialverschlüssen geschlossen und mittig zwischen den Verschlüssen getrennt. Das Foliensystem kann am Fass verbleiben oder in geschlossener Form ohne Kontaminationsrisiko entfernt werden. Ein Umverpacken in einen Folienbeutel mit Containmentauslauf ist möglich, so dass das Produkt anschließend problemlos am Reaktor entleert werden kann. Das Einweg-Probenahme-System kann zur Bemusterung von mehreren Fässern mit gleichem Inhalt verwendet werden.
entscheider-facts
Für Anwender
- Schutzfoliensysteme haben sich für das geschlossene Feststoffhandling bewährt.
- Personen- und Produktschutz wird mit vergleichsweise geringem Aufwand erreicht.
- Die Liner, in die die Schüttgüter verpackt sind, werden in kontaminationsverhindernden Systemen optimal genutzt.
- Bei Bedarf wird zusätzlich Schutzfolie zugeführt. So ist es möglich, mit hohem Containment die AMWHV-Vorschriften einzuhalten und gleichzeitig Kosten für großräumige Isolatoren, Reinigung und Validierung einzusparen.
Autor: Richard Denk
Ausgabe:10/2009 Oktober
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