Artikel Markt für Industriedienstleister unter der Lupe
15.04.2010
Gefragter Service
Trotz der angespannten Wirtschaftslage konnten die Industriedienstleister im vergangenen Jahr ihren Umsatz um durchschnittlich fast 10 % steigern und erwarten das auch für 2009 mit steigender Tendenz bis 2014. Der Markt für Industriedienstleistungen scheint unterschätzt zu sein, wie eine aktuelle Studie unter 44 Unternehmen für industrielle Instandhaltung zeigt.
Das interne und externe Marktvolumen für industrielle Instandhaltung in Deutschland summiert sich auf über 120 Mrd. Euro. So die Einschätzung der Teilnehmer der Studie „Führende Unternehmen für industrielle Instandhaltung in Deutschland", welche die Unternehmensberatung Lünendonk im Oktober 2009 veröffentlichte. „Wir sehen hier für die Dienstleister ein sehr, sehr hohes Potenzial. Der Markt ist immens groß, auch im Vergleich zu anderen Branchen wie dem Facility Management mit knapp 60 Mrd. Euro", stellt Jörg Hossenfelder, Geschäftsführer von Lünendonk dar. Die Industriedienstleister blicken optimistisch in die Zukunft und erwarten für 2009 eine Zunahme des deutschen Marktvolumens um 7,1?%, bis 2014 sogar um 12,7?%. Das spiegelt sich auch im Umsatz nieder, denn die Dienstleister konnten ein Umsatzwachstum 2007/2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 9,3?% erzielen und rechnen auch 2009 mit einem ähnlichem Zuwachs. Für die nachfolgenden Jahre bis 2014 werden sogar 14,4?% mehr Umsatz erwartet.
Der Studie liegt eine Erhebung zu Grunde, in der 44 Instandhaltungs-Dienstleister ihre Geschäftsentwicklung einschätzten. Kriterien, nach denen die Unternehmen ausgewählt wurden, waren: Mindestens 50?% des Umsatzes resultieren aus industrieller Instandhaltung, keine OEMs sowie Industrieparks, keine Kraftwerk-Services. Mindestens 66?% des Gesamtumsatzes resultieren aus externen Aufträgen.
Größter Player im Markt ist nach der Erhebung Bilfinger Berger Industrial Services mit 753 Mio. Euro Umsatz in Deutschland, 2353 Mio. Euro Gesamtumsatz in 2008. Und das Unternehmen expandiert. Es hat im Oktober 2009 die Übernahmen von MCE bekanntgegeben sowie sich bereits 2005 mit der Instandhaltungseinheit von Infraserv Höchst verstärkt. MCE erzielte laut Lünendonk-Liste in 2008 knapp 91 Mio. Euro Umsatz im deutschen Markt. ThyssenKrupp Xervon belegt Platz zwei der Liste mit 500 Mio. Umsatz im Inland und 600 Mio. Euro Gesamtumsatz.
Für die Industrieparks erstellte Lünendonk eine separate Rangliste nach Umsatz. Diese wird angeführt von Currenta mit 1750 Mio. Euro in 2008, gefolgt von Infraserv Höchst mit 1049 Mio. Euro.
Die gelisteten Unternehmen erzielen mit Instandhaltung einen durchschnittlichen Anteil am Gesamtumsatz von 20,6?%. Diagnose trägt mit 13?%, Modernisierung mit 12,9?%, Reparaturleistungen sowie Anlagen- und Maschinenreinigung mit jeweils etwa 10?% bei. Die größten Zielmärkte der Industriedienstleister liegen in der Chemischen und Petrochemischen Industrie (22,1?%), in der Automobilindustrie (22,8?%) wie auch in der Stahl- und Metallindustrie (20,6?%). Anteile anderer Branchen liegen im einstelligen Prozentbereich. Das Beratungsunternehmen Lünendonk rechnet jedoch damit, dass die Anteile der Marktsektoren Öl & Gas, Nahrungs- und Genussmittel, Kraftwerke und Energie, Pharma steigen werden.
Behinderungsfaktoren
für den Unternehmenserfolg
In der Studie wurden auch die Behinderungsfaktoren bezüglich der Entwicklung und des Erfolgs der Unternehmen abgefragt und eingestuft. Dabei wurde die aktuelle wirtschaftliche Situation mit 1,5 am einflussreichsten bewertet, der Nachfragemangel mit 1,1. Darin liegt eine Diskrepanz zu den Umsatzerwartungen der Studienteilnehmer. Doch Hossenfelder meint: „Es zeigt sich, dass die Unternehmen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen in der Krise sehen." Weiter sehen die Dienstleister den Mangel an qualifiziertem Personal als größeren Behinderungsfaktor auf mittelfristige Sicht. Das ist besonders kritisch im Hinblick auf die Erwartung der Kunden der Service-Unternehmen. Hier legt die Studie offen, dass Fachkompetenz (78,6?%) der Anbieter außerordentlich wichtig ist. Außerdem halten die Kunden ein gutes Preis- und Leistungsverhältnis (50?%) und Qualität (42,9?%) für wichtig. In diesem Zusammenhang verweist Hossenfelder auf das nun eingeführte Gütesiegel des WVI. Es soll den Industriekunden ermöglichen, das Auswahlverfahren zu vereinfachen und die Güte der Leistungen sowie die Einhaltung übergreifender Qualitäts-und Umweltstandards sicherzustellen. Außerdem sehen die Dienstleister Finanzierungsengpässe bei Kunden als starken Behinderungsfaktor. Vor allem den größeren Dienstleistungs-Unternehmen machen Finanzierungsengpässe zu schaffen.
Wettbewerbsumfeld der Dienstleister
Mit der Frage nach den wichtigsten Wettbewerbern versucht Lünendonk etwas über die Konkurrenzsituation am deutschen Instandhaltungs-Markt aus Sicht der Markt-Teilnehmer zu erfahren. ThyssenKrupp Industrieservice und Voith Industrial Services sind die beiden meist genannten Anbieterunternehmen, wenn es um die Angabe der Mitbewerber geht, gefolgt von Bilfinger Berger Industrial Services. Im Hinblick auf die Service-Einheiten von Maschinen und Anlagenbauern (OEM) wie ABB, MTU oder Siemens schätzen die Befragten deren Rolle überwiegend als Wettbewerber und Partner zu gleichen Teilen ein (71,4?%). Als harte Wettbewerber werden die OEM-Service-Einheiten nicht gesehen. Immerhin erwarten 50?% der Befragten neue Impulse von den Herstellerunternehmen für den Instandhaltungs-Markt. Diese Dienstleister können sich regionale Partnerschaften, Kooperationen, gemeinsamen Weiterentwicklungen der Maschinen- und Anlagendiagnose und Übernahme von Serviceleistungen vorstellen. Außerdem erkennen sie das spezifische Anlagen-Know-how sowie eine Zunahme der herstellereigenen Serviceleistungen.
Branchentrends - Übernahme
von Sekundärprozessen
Trotz namhafter Übernahmen in diesem Geschäftsjahr durch Bilfinger Berger und Wisag - in 2009 steht für die befragten Instandhaltungs-Unternehmen das Wachsen aus eigener Kraft an erster Stelle. Auf einer Skala von -2 (völlig unwichtig) bis +2 (sehr wichtig) erhielt diese Zielsetzung eine durchschnittliche Bewertung von +1,2. Die Konzentration der Kunden auf die Kernkompetenzen (+1,0) passt zu der Aussage, das eigene Leistungsspektrum erweitern zu wollen (+0,8). Zudem wird eine zunehmende Outsourcing-Tendenz erwartet (ebenfalls +0,8).
Der Ausbau des Leistungsspektrums spielt eine relevante Rolle für die befragten Unternehmen. Dies deckt sich bei der hohen Bewertung der Aussage „Integrierte Services sind für uns der Weg in die Zukunft" (+1,1). Das Pendant „Wir sehen unsere Chancen als Spezialist" erhält lediglich eine Bewertung von +0,5. Die Mehrheit der befragten Unternehmen traut sich dementsprechend zukünftig auch die Übernahme kompletter Sekundärprozesse beim Kunden zu. 69,2?% stimmten diesem Vorhaben zu. Dabei werden neben Instandhaltung (55,5?%) auch Abfallmanagement, Abfüllungen, Lohnarbeiten, ET-Management und Industrielle Nebenprozesse zu je 11,1?% genannt.
Um den aktuellen Anforderungen in der Instandhaltungs-Branche gerecht werden, müssen die Service-Anbieter adäquat mit neuen Technologien umgehen. Bei der Frage, welche Auswirkungen der technologische Fortschritt auf das Portfolio hat, gaben 55,6?% der Studienteilnehmer eine Erweiterung des Leistungsspektrums an. 44,4?% sehen die neuen Technologien als erweiterte Aufgabenstellung innerhalb der Unternehmen an. Im Zusammenhang mit Portfolio-Erweiterung und aktuellen Technologien stellt sich die Frage, inwieweit die Studienteilnehmer das Erschließen von neuen Geschäftsfeldern planen. Die Mehrheit (57,1?%) steht diesem Aspekt positiv gegenüber, vor allem mit Fokus auf das Engineering (50?%). Außerdem könnten sich mit Ausbildung, Full Service-Konzepten und neuen Messmethoden weitere Geschäftsfelder öffnen. Die Studie ist bei Lünendonk, Kaufbeuren verfügbar.
Autor: Etwina Gandert, Redaktion CT
Ausgabe:04/2010 April
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