Artikel Gesetzesnovelle für Gefahrguttransporte erwartet
IBC, Container, Permeation, Explosionsschutz
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Als Ergebnis eines entsprechenden Forschungsprojektes hat die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) bereits vor zwei Jahren vor konkreten Gefahren gewarnt. Demnach kann sich auch unter normalen Beförderungsbedingungen in belüfteten Containern durch Permeation von Lösemitteln in Kunststoffverpackungen (IBC) relativ schnell eine explosive Atmosphäre bilden. Das gilt selbst dann, wenn die Grenzwerte gemäß ADR/RID eingehalten werden.
In diesem Zusammenhang empfiehlt die BAM, künftig IBC und andere Transportbehälter mit Permeationsbarriere zu verwenden. Immerhin konnte sowohl unter echten also auch simulierten Bedingungen nachgewiesen werden, dass Barrieren wie SMP und EVOH oder Polyamid zu einer deutlichen Reduzierung des Gefahrenpotenzials führen. Die untere Explosionsgrenze in Frachtcontainern wurde nicht erreicht.
Gefahr soll von vornhereinvermieden werden
Die Untersuchungsergebnisse der BAM veranlassten das UN-Sub-Committee of Experts on the Transport of Dangerous Goods in Genf zur Reaktion. Als de facto international gesetzgeberische Instanz übernimmt sie für 2011 eine eindeutige Empfehlung in die 16. überarbeitete Edition des UN Orange Books. Demnach sollen für den Transport flüchtiger, entflammbarer Gefahrgutprodukte künftig nur noch Kunststoffbehälter eingesetzt werden dürfen, die die Entstehung explosiver Gemische durch Permeation unter normalen Transportbedingungen gar nicht erst zulassen.
Exakt diese Überlegung führte zur Entwicklung der EVOH-IBC. Ziel war es, einen Transportcontainer auf den Markt zu bringen, der keine Kompromisse in puncto Sicherheit zulässt, sich dennoch mit seinen Leistungsmerkmalen auf Augenhöhe mit Edelstahlcontainern befindet, zugleich aber sämtliche Vorteile eines Kombinations-IBC in sich vereint. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei der deutlich niedrigere Preis. Beim Vergleich über die gesamte Supply Chain können mit EVOH-IBC gegenüber anderen Verpackungen bis zu 25% der Kosten eingespart werden.
Grundlage dafür war die Security-Layer-Technology, ein Extrusionsblasverfahren, bei dem bis zu sechs unterschiedliche Funktionsmaterialien gleichzeitig plastifiziert werden können. Auf diese Weise konnte die EVOH-Barriere, ein Copolymer aus Ethylen und Vinylalkohol, in die IBC-Wandungen eingebettet werden.
Aufgrund der Sperrwirkung von EVOH gegenüber Toluenen, Xylenen, MEK und Benzin, aber genauso auch gegenüber Ölen, Fetten, Aromen, Geschmacksstoffen und Umgebungsgasen (Sauerstoff, Stickstoff) sowie bei einer gegebenenfalls notwendigen Stickstoffbeaufschlagung wird eine Permeation durch die Behälterwand effektiv verhindert. Explosive oder gesundheitsschädliche Mischungen an der IBC-Außenhülle sind von vornherein ausgeschlossen. Mit einer wahlweise leitfähigen (schwarz) oder antistatischen Außenschicht (weiß) sind die IBC für Einsätze in den Ex-Zonen 1 und 2 geeignet.
Belüftung ist keine Alternative
Der Ansatz, das Problem alleine durch Belüftung bzw. Kühlung zu lösen, verlief kaum überzeugend. Luftwechselratenmessungen unter unterschiedlichen Bedingungen verliefen eindeutig. Selbst bei einem Frachtcontainer mit 32 Lüftungsöffnungen, der mit 16 Toluen-IBC beladen war, konnte die Bildung explosiver Gemische nicht vermieden werden. Ein zusätzlicher Nachteil ist die Abhängigkeit des Permeationsverhaltens von Umgebungstemperaturen. Hier lautet die Formel: je wärmer, desto stärker die Permeation. Bei einer Klima-Messfahrt per Schiff nach Singapur wurden im Frachtcontainer immerhin Temperaturen bis zu 48°C gemessen. Das Füllgut selbst erwärmte sich auf bis zu 36°C.
Jetzt wurde auch die Eignung des EVOH-IBC für Transport und Lagerung des Gefahrgutes TDI (Toluylendiisocyanat) nachgewiesen. Dieses Isocyanat wird wie das chemisch ähnliche MDI (Diphenylmethandiisocyanat) vorwiegend als Rohstoff für die Herstellung von Polyurethanen verwendet. Endprodukte sind beispielsweise Schaumstoffmatratzen oder Stoßfänger und Armaturenbretter für Fahrzeuge. Während MDI seit Jahren in Kombi-IBC transportiert wird, kamen für TDI bislang vorwiegend Stahlfässer infrage. Grund dafür war das chemische Verhalten der Innenbehälter aus HDPE. Im Kontakt mit TDI kann HDPE um bis zu 13% aufquellen, was wiederum sein Eigenschaftsprofil um bis zu 20% verändert.
Zum einen wird so das Quellverhalten auf ein Minimum reduziert, und zum anderen bietet das Copolymer aus Ethylen und Vinylalkohol einen sicheren Permeationsschutz. So können weder flüchtige Inhaltsstoffe durch die Behälterwand nach außen dringen noch können sich Umwelteinflüsse schädlich auf das Transportgut auswirken – zum Beispiel durch Eindringen von Sauerstoff. Die Qualität bleibt dauerhaft erhalten. Anwender profitieren darüber hinaus von den bekannten Vorteilen bei Handhabung und Logistik. Die Verwendung von Kombinations-IBC spart im Vergleich zu Stahlfässern Zeit und Kosten bei Befüllung und Entleerung sowie bei allen Lade- und Transportvorgängen. Der Container verfügt über das Füllvolumen von fünf Fässern, benötigt jedoch nur einen Platzbedarf, der vier Fässern entspricht. Die Produktentnahme kann hermetisch über den Bodenauslauf erfolgen.
Im Ergebnis ist der Hersteller gemeinsam mit der BAM davon überzeugt, dass die Eliminierung der Gefahr durch Bildung explosiver Gasgemische bestmöglich mit Barriere-IBC in belüfteten Frachtcontainern erreicht wird. Schließlich wirke die EVOH-Barriere immer – gleichgültig ob kalt oder warm, bei vollem oder leerem Frachtcontainer.
entscheider-facts
Für Anwender
- Auch unter normalen Beförderungsbedingungen kann sich in belüfteten Containern durch Permeation von Lösemitteln in Kunststoffverpackungen (IBC) relativ schnell eine explosive Atmosphäre bilden.
- Ziel der Entwicklung des EVOH-IBC war es, einen Transportcontainer auf den Markt zu bringen, der keine Kompromisse in puncto Sicherheit zulässt, und sämtliche Vorteile eines Kombinations-IBC in sich vereint.
- Grundlage dafür war die Security-Layer-Technology, ein Extrusionsblasverfahren, bei dem bis zu sechs unterschiedliche Funktionsmaterialien gleichzeitig plastifiziert werden können.
- Durch die Sperrwirkung von EVOH wird eine Permeation durch die Behälterwand effektiv verhindert. Explosive oder gesundheitsschädliche Mischungen an der IBC-Außenhülle sind von vornherein ausgeschlossen.
Autor: Lind
Ausgabe:09/2010 September
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