Artikel Feldgeräteintegration: Organisationen und Automatisierer einigen sich auf Gemeinschaftsunternehmen

04.11.2011

FDI-Knoten geplatzt?

Die fünf großen Interessenverbände – FDT Group, Fieldbus Foundation, Hart Communication Foundation, Profibus und Profinet sowie OPC Foundation – haben eine gemeinsame Firma gegründet, um die FDI-Technik als einheitliche Lösung für die Feldgeräteintegration weiterzuentwickeln.

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Die Erwartungshaltung der Anwender in puncto Feldgeräteintegration war auf der vergangenen Namur-Hauptsitzung mindestens so groß wie der Leidensdruck: „Es ist erschreckend, wie langsam es bei der Harmonisierung voran geht", stellte Michael Pelz im November 2010 am Rande eines Workshops in Bad Neuenahr fest, Zu viele unterschiedliche Interessen der Organisationen und Systemhersteller behinderten die Weiterentwicklung der Gerätebeschreibungstechnik FDI, mit der die bislang in die Beschreibungskonzepte EDDL und FDT getrennte Feldgerätewelt zum Nutzen von Anwendern und Geräteherstellern wieder geeint werden soll.
Nun, so die Hoffnung der Automatisierungscommunity, könnte der Knoten geplatzt sein: „Mit der Gründung der FDI Cooperation, LCC, haben wir nun den organisatorischen Rahmen geschaffen, um die Arbeiten an den FDI-Tools und -Components zügig voranzutreiben", sagt Achim Laubenstein (ABB) und neuer Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens im CT-Interview. Die FDI Cooperation wird von einem Vorstand geführt, der sowohl aus Vertretern der beteiligten Organisationen als auch Managern von weltweit führenden Leitsystem- und Geräteherstellern wie ABB, Emerson, Endress+Hauser, Honeywell, Invensys, Siemens und Yokogawa besteht. Hans-Georg Kumpfmüller von Siemens übernimmt die Position des Vorstandsvorsitzenden. Die Organisation hat sich folgende Ziele gesetzt:

  • Abschluss der Standardisierungsaktivitäten von FDI in der IEC (Internationale Elektrotechnische Kommission)
  • Betreuung der FDI-Spezifikation
  • Fertigstellung der FDI-Toolkits für System- und Gerätehersteller

Allerdings ist der Gesellschaftsvertrag nur auf drei Jahre angelegt. Danach soll FDI von den beteiligten Organisationen weiter gepflegt werden.
Die FDI Cooperation wurde auf Basis des EDDL Cooperation Teams (ECT) gegründet, um die Entwicklung einer FDI-Lösung voranzutreiben. Das FDI-Projekt wurde im Jahre 2007 auf der Hannover Messe ins Leben gerufen und seitdem in Richtung der konvergierten FDI-Lösung vorangetrieben. FDI bezeichnet eine einheitliche Lösung, die einfache ebenso wie komplexe Feldgeräte einschließt und den verschiedenen Aufgaben in allen Lifecycle-Phasen Rechnung trägt. Die Kooperation umfasste zunächst die fünf großen Interessenverbände FDT Group, Fieldbus Foundation, Hart Communications Foundation, Profibus und Profinet und die OPC Foundation. Im Oktober 2009 kamen die Automatisierungslieferanten ABB, Emerson Process Management, Endress+Hauser, Honeywell, Invensys, Siemens und Yokogawa hinzu. Der Aufgabenbereich der FDI Cooperation wurde erweitert, um gemeinsame Design- und Konformitätstest-Tools zu entwickeln und die Anwendung von EDDL, einschließlich eines gemeinsamen Interpreters für EDDL in Hart, FF- und Profibus-Protokollen, zu standardisieren.

Interview mit Achim Laubenstein, ABB,
Geschäftsführer der FDI Cooperation
„Alle ziehen an einem Strang"

CT: Was bedeutet der jüngste Schritt für die Fortentwicklung der Geräteintegrationstechnik FDI?
Laubenstein: Die Gründung der FDI Cooperation, LLC, dokumentiert den Willen der Foundations, gemeinsam an einer einheitlichen Geräteintegrationslösung zu arbeiten und das Wettbewerbsdenken in diesem Bereich ein Stück weit aufzugeben. Die neue Organisation übernimmt die Entwicklung und Pflege der FDI-Spezifikationen, der EDDL-Spezifikation und der feldbusübergreifenden FDI-Tools und Standard-Host-Components. Sie ist also Technology-Provider, das Marketing und den Vertrieb übernehmen die Foundations. Mit der Gründung einer eigenen Firma, der FDI Cooperation, haben wir nun auch den organisatorischen Rahmen geschaffen, um die Arbeiten an den FDI-Tools und -Components zügig voranzutreiben und Aufträge für deren Entwicklung zu vergeben.

CT: Im Umkehrschluss: Ist das bislang nicht geschehen und ist die Entwicklung noch nicht so weit, wie man sich das vor einem Jahr erhofft hat?
Laubenstein: Zum Teil ja; durch den bislang fehlenden organisatorischen Rahmen hat sich eine kleine Verzögerung ergeben. Unabhängig davon haben die technischen Teams aber die ganze Zeit mit voller Kraft an den Spezifikationen gearbeitet.

CT: Wie ist der aktuelle Stand der technischen Entwicklung von FDI und womit können Anwender und Hersteller in naher Zukunft rechnen?
Laubenstein: Wir haben eine Draft-Spezifikation erarbeitet, die noch in diesem Jahr veröffentlicht wird. Die Hersteller können sich damit auf die Produktentwicklung vorbereiten und Prototypen bauen. Mitte nächsten Jahres wird die Spezifikation freigegeben, außerdem sollen 2012 die Tools und Components fertiggestellt werden. Damit können 2013 Produkte auf den Markt kommen.

CT: Wie sieht der Migrationspfad für Anwender aus, die bislang sowohl FDT- als auch EDDL-Geräte installiert haben und diese pflegen müssen?
Laubenstein: Hier muss man zwei Dinge sehen: Einerseits wird die Migration durch die FDI Technologie unterstützt. Die EDD-Engine - das ist der gemeinsame Interpreter für den EDD-Anteil in FDI - wird in der Lage sein, existierende EDDs zu interpretieren. D.h. sie wird rückwärtskompatibel zur installierten Basis sein. In Zusammenarbeit mit der FDT Group haben wir dafür dafür gesorgt, dass FDI mit FDT interoperabel ist, so dass ein FDT-Rahmen in Zukunft auch FDI-Packages bearbeiten und ausführen kann. Vergleichbare technische Lösungen gibt es heute bereits für die Interpretation von EDDs in FDT Systemen.
Den zweiten Teil der Migration haben die Hersteller in der Hand. In den realen Prozessleitsystemen und Asset Management-Tools wird es eine zeitlang eine Parallelität geben von FDI und den Vorgängertechnologien EDD oder FDT.
Die Host-Hersteller sorgen generell im Rahmen ihrer Life Cycle Konzepte für die Kompatibilität zur installierten Basis. Auch die Gerätehersteller müssen die installierte Basis unterstützen. Für neue Geräte reicht es, FDI Device Packages zur Verfügung zu stellen, die wie gesagt in allen von allen Host Systemen untertützt werden. Eine EDD oder ein DTM sind nicht mehr erforderlich.

CT: Geräteanwender und auch -hersteller befürchten, dass Field Device Integration, FDI, neben FDT und EDDL zu einem dritten Standard werden wird.
Laubenstein: Die Befürchtung ist meiner Meinung nach unbegründet. Wir haben hier eine völlig neue Situation: Alle großen System- und Gerätehersteller der Prozessautomatisierung unterstützen FDI. Sie sehen die Geräteintegration nicht mehr als ein Unterscheidungsmerkmal, sondern als „Enabling Technology", die für den erfolgreichen Feldbuseinsatz erforderlich ist. Die Foundations arbeiten zusammen an einer Technologie.
Bei der Spezifikation von FDI haben wir aus der Vergangenheit gelernt: Zum Beispiel sind die für das Life Cycle Management wichtigen Versionierungsmechanismen inhärenter Bestandteil der Spezifikation. Es gab und gibt über das gesamte FDI- Projekt immer wieder Abstimmungen mit Endanwendern insbesondere der Namur. Auch die Namur unterstützt die Einführung von FDI. Zusammengefasst: Die Technologie ist gut, und alle ziehen an einem Strang. 

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