Artikel VDMA: 11% Plus im Großanlagenbau/Chemie-Anlagenbau noch weit von Rekordjahren entfernt

23.04.2012

Großanlagenbau packt‘s an

Die Unternehmen des deutschen Großanlagenbaus konnten ihren Auftragseingang im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 24,9 Mrd. Euro steigern. Mit Bestellungen im Wert von 2,3 Mrd. Euro in 2011 erreichten die Aufträge aus der Chemie in etwa das Vorjahresniveau. Von den Rekordjahren 2006 und 2007 sind die Chemie-Anlagenbauer allerdings noch weit entfernt.

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Es waren vor allem Projekte kleinerer und mittlerer Größenordnung in rohstoffreichen Ländern wie Russland und Saudi-Arabien, die das Geschäft der Chemieanlagenbauer im Vorjahr geprägt haben. „Es fehlt nicht an Projekten, sondern die Wettbewerbssituation ist nach wie vor sehr herausfordernd", begründet AGAB-Sprecher Helmut Knauthe, der gleichzeitig Mitglied der Uhde-Geschäftsführung ist, seine konservative Prognose für die kommenden Jahre: „Schon die Annäherung an den langfristigen Durchschnitt von 3,5 Milliarden Euro wäre für 2012 ein ambitioniertes Ziel. Realistisch erscheinen mir vielmehr Bestellungen in Höhe von 2,5 bis 3 Milliarden Euro - also ein Zuwachs von etwa 10 bis 20 Prozent im Auftragseingang."

Unter den Branchen des Großanlagenbaus dominierten vor allem Kraftwerksprojekte: Dieses Segment verzeichnete ein Auftragsplus von 42 Prozent. Für Sonderkonjunktur sorgte im Inland vor allem der Bau von Offshore-Windparks. Dadurch stieg die inländische Nachfrage nach Großanlagen um 38 Prozent auf 6,6 Mrd. Euro. Für den Neubau fossiler Kraftwerke sind die Perspektiven dem  Verband zufolge unklar. So ist es aktuell vor allem für die großen Versorger wenig attraktiv, hochflexible Gaskraftwerke zu bauen, oder sich in der Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid zu engagieren.

Derzeit sei das internationale Großanlagengeschäft von vielfältigen Unsicherheiten geprägt. Insbesondere auf dem für den Chemieanlagenbau wichtigen Markt Nordafrika haben Revolutionen und Unruhen zu Projektunterbrechungen und -aufschüben geführt.Vor allem „Newcomer" aus Südkorea und zunehmend auch Firmen aus China buhlen um die Aufträge. „Das Vergabevolumen wächst derzeit nicht in der gleichen Geschwindigkeit wie das Angebot", erklärt Knauthe.

Wettbewerb wächst schneller als das Vergabevolumen

„Angesichts eines Umfelds, das somit von neuen, hungrigen Wettbewerbern geprägt ist, können wir uns nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. Vielmehr erfordert die zunehmende Konkurrenz eine rasche und umfassende Antwort auf allen Ebenen." So arbeiten die deutschen Chemieanlagen-Anbieter derzeit fieberhaft an der Sicherung der eigenen Technologieführerschaft sowie den klassischen Projektelementen Preis, Qualität und Zeit .

Vor allem in den Gewerken Einkauf und Beschaffung sowie Bau und Montage, die für bis zu 90 Prozent des Auftragsvolumens stehen, sehen die Anbieter Optimierungspotenzial. „Die ständige Suche nach den Lieferländern mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis, aber auch ein zunehmender lokaler Einkauf in dem Land der Anlagenerrichtung gehören zu den wichtigsten Ansätzen zur Kostenreduzierung", so Knauthe. Dazu kommt der Wiederauf- und Ausbau eigener Bau- und Montagekompetenzen, um die Forderungen der Kunden nach schlüsselfertigem Bau erfüllen zu können.

Ressourceneffiziente Technologien als Trumpfkarte

Für die Zukunft gibt sich die Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau vor allem aufgrund des Vorsprungs bei ressourcen- und energieeffizienten Verfahren optimistisch. Knauthe: „Angesichts der Umsetzung der anspruchsvollen Reorganisations-Programme und der nach wie vor robusten Nachfrage, vor allem aus Schwellenländern, befindet sich der deutsche Chemieanlagenbau auf einem guten Weg. Ich schätze die kurzfristigen Aussichten unserer Branche daher verhalten positiv ein. Ein Plus im niedrigen zweistelligen Prozentbereich sollte 2012 möglich sein."

Neue Strategien im internationalen Wettbewerb werden auch Thema des 2. Engineering Summit sein, der im November in Mannheim stattfinden wird. Nähere Informationen finden Sie unter www.engineering-summit.de

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