Artikel Pumpen individuell dem Einsatzzweck anpassen
Pumpen, Classic, Select, Protect, Börger, Achema 2012
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Ausgangspunkt für die Entwicklung der Produktlinien war immer das zu befördernde Medium. Die in den 80er Jahren konzipierte Standard-Drehkolbenpumpe des Unternehmens bildet die technische Basis. In umfangreichen Testprojekten mit Kunden wurden die konkreten Anforderungen festgelegt und Standardmodule entwickelt.
In diesem Prozess wurde auch das Konzept „Maintenance in Place" (MIP) entwickelt, durch das bei allen Modellen Verschleißteile ohne Demontage der Pumpe ausgetauscht werden können. Müssen Pumpen zur Wartung oder zum Austausch von Einzelteilen ausgebaut werden, sind Produktionsausfälle durch lange Stillstandzeiten die Folge. Durch die MIP-Konstruktion lassen sich Anlagen mit minimalem Zeit- und Personalaufwand wieder in einen Neuzustand bringen. Das MIP-Siegel ist damit auch die Gewähr für die langfristige Wirtschaftlichkeit jeder Pumpe.
In einem Projekt, das für die Entwicklung der Produktlinien Pate stand, benötigte ein großer Ethanolhersteller eine Pumpe für die Entleerung von Tankwagen, in denen Dicksaft angeliefert wird. Dicksaft wird in einer Zuckerfabrik gewonnen und kann zu Bioethanol weiterverarbeitet werden, der als Biokraftstoff verwendet wird. Die Beanspruchung der Pumpe ist hierbei nicht sehr hoch, da der Dicksaft nur leicht viskos ist. Neben einer hohen Zuverlässigkeit und der geringen Verschleißanfälligkeit musste das geforderte Modell auch selbstsaugend und druckresistent bis 8 bar sein. Hierfür war das Basismodell Classic Typ FL 518 optimal geeignet.
Die Pumpe fördert rund 50 m3/h - generell ist in der Classic-Linie je nach Medium ein Fördervolumen von bis zu 1.000 m3/h möglich. Das Pumpengehäuse ist in Grauguss gefertigt. Wird ein abrasiveres Medium als der Dicksaft gefördert, kann es beschichtet oder komplett aus Edelstahl hergestellt werden. Die Pumpe ist mit 3-flügeligen Drehkolben und einfachwirkenden Gleitringdichtungen ausgestattet. In der Zwischenkammer erfolgt ein Überwachen der Dichtung; taucht eine Undichtigkeit auf, läuft das Fördermedium in die Quench-Flüssigkeit - in diesem Fall Zuckerlöseöl - der Zwischenkammer. Diese Ausstattung hat sich für unproblematische, nicht aushärtende Medien wie den Dicksaft als ideal erwiesen. Geeignet ist die Classic-Linie auch für abrasive Medien wie Schlämme und Abwasser und - mit entsprechender Materialauswahl - auch für Säuren und Laugen.
Höher waren die Anforderungen eines Kunden, der unter anderem Calciumstearat herstellt. Der hochviskose Stoff wird in der Baustoff- und Papierindustrie als Schmierstoff verwendet. Für den Test wurde eine Pumpe Modell PL 100 aus der Select-Linie ausgewählt. Zuvor hatte der Anwender eine Exzenterschneckenpumpe eingesetzt, bei der es aber regelmäßig zu Ausbrüchen aus dem Stator gekommen war. Da die Exzenterschneckenpumpe für Reparatur oder Wartung komplett ausgebaut werden musste, waren erhebliche Ausfallzeiten und Reparaturkosten die Folge.
Anforderungen an Wirtschaftlichkeit erfüllt
Durch den MIP-Aufbau der Pumpe war die Anforderung an Wartungsfreundlichkeit bereits erfüllt. Mit der hochwertigen, stabilen Konstruktion aller Komponenten - Gehäuse komplett aus Edelstahl, 2-flügelige Drehkolben aus EPDM - wurde die Laufstabilität gewährleistet. Dazu tragen insbesondere die einzeln, je Welle druckbeaufschlagten Wellenabdichtungen in der Zwischenkammer bei, die einen Austritt des Mediums aus dem Pumpenraum verhindern. Die Fördermenge des Calciumstearats von 10 m3/h konnte damit problemlos bewältigt werden.
Wie viel eine Pumpe wirklich zu leisten imstande ist, zeigt sich erst bei besonders starker Beanspruchung durch eine sehr hohe Fördermenge oder auch durch aggressive Fördermedien. Letzteres war der Fall bei einem Hersteller von Papier und Karton für Verpackungszwecke: Bei einer Pumpe, die zur Förderung von Streichfarbe mit etwa 65 % Feststoffanteil eingesetzt wurde, traten regelmäßig Dichtungsprobleme auf. Die Ursache: Das Bindemittel der aus Calciumcarbonat, Kaolin, Quarz und Biozid zusammengesetzten Farbe zerstörte die Wellenabdichtungen der eingesetzten Pumpe. Schon nach kurzen Laufzeiten wurde ein Austausch der Wellenabdichtungen notwendig - das sollte mit einer neuen Pumpe vermieden werden.
700 l der Streichfarbe stellte der Kunde zur Verfügung, um über mehrere Wochen einen Testlauf im Pumpenprüfstand durchführen zu können. Ausgewählt wurde für diesen Zweck das Modell PL 200 aus der Produktlinie Protect, die sich durch eine größtmögliche Betriebssicherheit der Gleitringdichtungen auszeichnet.
Das Synchrongetriebe mit optimalem Axialspiel ist bei der Protect-Pumpe vom Pumpenraum räumlich getrennt. In dem offenen Zwischenraum befinden sich die doppelt wirkenden Gleitringdichtungen, die durch ein angeschlossenes Thermosyphonsystem mit Drucküberwachung unter konstantem Druck gehalten werden. Ein Austritt des Mediums aus dem Pumpenraum wird damit effektiv verhindert. Die ausgesprochen robuste, hochstabile Bauweise mit Edelstahl-Gehäuse sowie stabile Wellen und Lager tragen ebenfalls zur Laufstabilität bei. Über die mehrflügeligen, gewendelten Drehkolben werden zwischen 8 und 25 m3/h der Streichfarbe gefördert.
Entsprechen TA-Luft und Atex
Über die individuellen Einstellungen hinaus erfüllen die Pumpen aller drei Produktlinien die gesetzlichen Anforderungen bezüglich Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit, zum Beispiel gemäß der im Bundes-Immissionsschutzgesetz festgelegten TA-Luft. Alle Pumpen stehen darüber hinaus als mit der EU-Explosionsschutzrichtlinie Atex-konforme Varianten zur Verfügung.n
Entscheider-Facts
Für Anwender
- Jede Pumpe muss auf die besonderen Eigenschaften des Fördermediums abgestimmt sein, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten und unnötige Stillstände zu vermeiden.
- Die Produktlinien Classic, Select und Protect sind nach dem MIP-Konzept (Maintenance in Place) konstruiert, durch das bei allen Modellen Verschleißteile ohne Demontage der Pumpe ausgetauscht werden können.
- Durch die MIP-Konstruktion lassen sich Anlagen mit minimalem Zeit- und Personalaufwand wieder in einen Neuzustand bringen.
- Über die individuellen Einstellungen hinaus erfüllen die Pumpen aller drei Produktlinien die gesetzlichen Anforderungen bezüglich Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit und stehen als Atex-konforme Varianten zur Verfügung.
Achema Halle 8.0 G - 37
Autor: Alois Börger, Geschäftsführer Börger
Ausgabe:05/2012 Mai
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