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Überangebot belastet den Ölpreis

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01.09.2015 Es ist das alte Gesetz von Angebot und Nachfrage: Die Preise für die Ölsorten WTI und Brent haben im Sommer nach einer mehrmonatigen Erholungsphase wieder massiv nachgegeben und den Tiefpunkt vom Januar unterschritten. Mit dem „Double Dip“, dem zweifachen Unterschreiten der 50-Dollar-Marke, sehen Pessimisten ihre schlimmsten Erwartungen erfüllt.

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Entscheider-Facts Für Manager und Planer

  • Kurz- bis mittelfristig gibt es keine Anzeichen für eine Erholung des Ölpreises. Der Markt wird auch in den kommenden Monaten von einer massiven Überproduktion geprägt sein.
  • Zuletzt hat die Abwertung des chinesischen Yuan den Ölpreis auf ein Sechs-Jahres-Tief gedrückt, die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich auf 49 US-Dollar pro Barrel.
  • Die Überproduktion in der Ölindustrie wird auch in 2016 noch fortbestehen. Außerdem wird der Ölpreis weiter unter Druck geraten, wenn die Iran-Sanktionen aufgehoben werden.
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Ende Juli hatte der US-Öldienstleister Baker Huges neue Zahlen zu den derzeit aktiven Ölbohrungen in den USA veröffentlicht und damit den Ölpreis weiter nach unten getrieben. Denn im Juli waren trotz bestehenden Überangebots in Nordamerika zahlreiche Fördereinrichtungen eröffnet worden. Die nordamerikanische Fracking-Branche zeigt sich damit zunehmend unbeeindruckt und widerstandsfähig gegenüber dem Versuch der saudischen Produzenten, mit hohen Förderquoten so lange Druck auf die Fracker auszuüben, bis diese aufgeben. Zuvor war bis zum Frühsommer 2015 die Zahl der Förderanlagen in den USA gegenüber 2014 um 55 Prozent zurückgegangen. Was den Ölpreis zusätzlich unter Druck setzt, ist dass derzeit immer noch weiteres Öl aus Projekten hinzukommt, die in den vergangenen Jahren begonnen wurden.

Und noch ein Umstand trägt zur steigenden Volatilität im Ölmarkt bei: Während die Erschließung konventioneller Ölfelder ein vergleichsweise langwieriges und teures Unterfangen ist, lassen sich die mobilen Frackinganlagen, mit denen Tight-Oil und Schiefergas gefördert werden, flexibel und kostengünstig ab- und wieder anfahren. Dazu kommt, dass die Produzenten Produktionspausen dazu nutzen, die Effizienz ihrer Anlagen zu erhöhen. So steigt die erzielbare Ausbeute durch den Einsatz immer modernerer Bohrtechniken und der Computermodellierung der Vorkommen jährlich um rund zehn Prozent.

Überangebot: keine Erholung in Sicht
Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass sich das Überangebot an Rohöl seit Juli 2014 im zweiten Quartal 2015 auf 3 Mio. Fass pro Tag verdoppelt hat, der zusätzliche Bedarf allerdings nur halb so schnell steigt. Bis Jahresende werden laut IEA weltweit täglich 1,6 Mio. Fass mehr benötigt. Doch ob diese nach oben korrigierte Prognose zu halten ist, bleibt fraglich. Denn ob der Bedarf im wichtigsten Abnehmerland China auf dem prognostizierten Niveau bleiben wird, scheint spätestens seit Mitte August ungewiss. Angesichts eines schrumpfenden Wirtschaftswachstums hatte die chinesische Regierung beschlossen, den Yuan deutlich abzuwerten. Damit verteuern sich für chinesische Abnehmer die Ölimporte deutlich. Der Ölpreis wurde durch die Ankündigung auf ein Sechs-Jahres-Tief gedrückt, die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich auf 49 US-Dollar pro Barrel.

Zeitgleich präsentierte die Weltbank eine Analyse, nach der ein Wiedereintritt des Irans in den internationalen Ölmarkt den Ölpreis um weitere zehn Dollar pro Fass drücken könnte. Auch die Ölindustrie scheint nicht mit einer kurzfristigen Erholung zu rechnen. Der Öldienstleister Schlumberger hat zu Jahresbeginn angekündigt, weltweit 20.000 Stellen zu streichen – 15 Prozent der Belegschaft muss mit der Kündigung rechnen. Auch der französische Anlagenbauer Technip begründete im Juli die Ankündigung eines Abbaus von 6.000 Stellen ebenfalls mit dem anhaltend niedrigen Ölpreis und dem Rückgang von Aufträgen im Explorationsgeschäft.

Heftausgabe: September 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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