Big Data nur im Big Apple?

USA drohen Deutschland bei Industrie 4.0 abzuhängen

Anlagenbau
Chemie
Pharma
Ausrüster
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

19.03.2015 Industrie 4.0 ist auch, wenn in Frankfurt Höchst ein MID-Sensor ausgewechselt wird, weil am Vortag im amerikanischen Charlotte dasselbe Gerät in einer ähnlichen Anwendung ausgefallen war. Obwohl der Vorwurf im Raum steht, dass der Industrie-4.0-Hype sich derzeit schon dem „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ nähert, zeigt das Beispiel deutlich, dass in dem Thema auch für die Chemie einiger Nutzen durch Big-Data-Mechanismen steckt.

Anzeige

Entscheider-Facts Für Manager

  • In Deutschland wird die Plattform Industrie 4.0 neu aufgesetzt. Künftig werden nicht mehr Verbände die Aktivitäten führen. Die Plattform wird in den nationalen IT-Gipfel des Bundeswirtschaftsministeriums eingegliedert.
  • Bei den bisherigen Aktivitäten wurde vor allem die mangelnde Etablierung von technischen Standards bemängelt.
  • In den USA geht das Industrial Internet Consortium dagegen mit großen Schritten voran.

Und diese sollen in der Industrie 4.0 erschlossen werden. Schade, dass sich Deutschland seit zwei Jahren eine verbandspolitisch geprägte Pause gönnt, während in den USA das Industrial Internet Consortium zügig voranschreitet. Eine Bestandsaufnahme im Rennen um die vernetzte Industrie.

Während in den USA das im März 2014 gegründete Industrial Internet Consortium IIC zügig Grundlagen für die Vernetzung der Industrie schafft, kommt in Deutschland das vor zwei Jahren mit der Plattform Industrie 4.0 gestartete Projekt kaum voran. Während Erstere mit Pragmatismus und der Marktmacht großer Player Quasi-Standards setzt und sogar schon in Europa erste Demo-Testfelder installiert, wird in Deutschland zäh um künftige Normen gerungen.

Plattform Industrie 4.0 künftig nicht mehr
in der Hand von Verbänden

Geht es nach Wirtschaftsminister Siegmar Gabriel, könnte der Knoten nun platzen. Die Plattform Industrie 4.0 wird zur Hannover Messe im April umstrukturiert. Künftig werden nicht mehr die drei Verbände VDMA, ZVEI und Bitkom die Aktivitäten führen, sondern die Umsetzung der Industrie-4.0-Ideen wird in den nationalen IT-Gipfel des Bundeswirtschaftsministeriums eingegliedert. Wie die Fachzeitung Produktion unter Berufung auf informierte Kreise im März berichtete, werden von Seiten der Politik sowohl Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel als auch Bildungsministerin Johanna Wanka der Plattform vorstehen, gemeinsam mit drei führenden Köpfen der Wirtschaft aus den Branchen Automatisierung, Maschinenbau und IT. Der Zeitung zufolge werden das Siegfried Russwurm (Siemens), Eberhard Veit (Festo) sowie Bernd Leukert (SAP) sein.

Die drei Verbände, die bisher die Plattform getragen haben, werden künftig die Interessen ihrer Mitglieder über Lenkungs- und Strategiekreise vertreten, die sich mit Fragen der strategischen Ausrichtung sowie der technischen und praktischen Umsetzung von Industrie 4.0 auseinandersetzen. Der bisherigen Führung der Plattform durch die Verbände war in den vergangenen Monaten Erfolglosigkeit bei dem für die Industrie wichtigen Projekt vorgeworfen worden. Vor allem die mangelnde Etablierung von technischen Standards wurde bemängelt. Ein Problem, dass dem Projekt bereits in die Wiege gelegt war, weil Verbände keine Lösungen einzelner Hersteller favorisieren dürfen.

Heftausgabe: April 2015
Seite:

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
Loader-Icon