Wirtschaftsbilanz

VCI bilanziert „durchwachsenes Jahr“

09.12.2016 Ein halbes Prozent mehr Produktion bei drei Prozent weniger Umsatz: Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat die wirtschaftliche Bilanz der chemisch-pharmazeutischen Industrie für das Jahr 2016 vorgelegt. Die Zahlen seien „durchwachsen“ und „unbefriedigend“ - und für das kommende Jahr ist wenig Besserung in Sicht.

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VCI-Präsident Kurt Bock (2. v.r.): „Das Chemiegeschäft dürfte 2017 ohne nennenswerte Dynamik bleiben.

VCI-Präsident Kurt Bock (2. v.r.): „Das Chemiegeschäft dürfte 2017 ohne nennenswerte Dynamik bleiben.“ (Bild: VCI / René Spalek)

Die gute Nachricht: Trotz eines schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeldes konnte Deutschlands drittgrößte Branche Investitionen, Kapazitätsauslastung und Beschäftigung stabil halten. Das Produktions-Wachstum betrug branchenweit mit 0,5 % allerdings deutlich weniger als erwartet. Pharmazeutika nicht mitberechnet, stagnierte die Produktionsmenge. „Diese Bilanz mag in Anbetracht der politischen Turbulenzen in Europa und der Verunsicherung vieler Marktteilnehmer nicht überraschen“, stellte VCI-Präsident Kurt Bock fest, „für uns ist sie gleichwohl unbefriedigend.“

2017 ohne Nennenswerte Dynamik

Auch für 2017 sieht der VCI keine stärkere Dynamik für die Chemie-Produktion: Der Verband geht von einer Steigerung um 0,5 % aus. Der Gesamtumsatz sollte bei leicht ansteigendem Preisniveau wieder um 1 % auf 185 Mrd. Euro zulegen können. Lediglich das Auslandsgeschäft wird dabei zum Wachstum beitragen, erwartet der Verband. „Zum Jahresende hin ist der Umsatz zwar wieder gestiegen, aber eine Trendwende können wir darin noch nicht erkennen“, beschreibt Bock. „Das Chemiegeschäft dürfte 2017 ohne nennenswerte Dynamik bleiben, zumal die politischen Unsicherheiten und konjunkturellen Risiken auf den Auslandsmärkten rund um den Globus zugenommen haben. Die Verunsicherung wegen der anhaltenden Wachstumsschwäche der Schwellenländer trägt dazu ebenso bei wie die Sorge um die Stabilität Europas.“#

Chemie-Jahresbilanz 2016 in Zahlen

PowerPoint-Präsentation

Bruttoinlandsprodukt, Industrie- und Chemieproduktion im Vergleich (bild: VCI)

Bei rückläufigen Preisen von minus 2 % verringerte sich der Gesamtumsatz der chemisch-pharmazeutischen Industrie um 3 % auf 183 Mrd. Euro. Im Inland orderten die Kunden aus anderen Industriezweigen deutlich weniger Chemikalien. Dadurch sank der Umsatz um 4 % auf 71,5 Mrd. Euro. Nur wenig besser verlief das Auslandsgeschäft: Der Auslandsumsatz sank im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 % auf 111,5 Mrd. Euro.

Die Zahl der Arbeitsplätze in der Chemie- und Pharmaindustrie blieb trotz des schwachen konjunkturellen Umfelds  2016 stabil. Die Beschäftigung ist mit 446.300 Mitarbeitern unverändert.

Investitionsausgaben stagnierten nach vier Jahren steigender Investitionen im Inland. Die Chemieunternehmen investierten mit 7,1 Mrd. Euro nahezu gleich viel (-0,3 %) wie im Jahr davor. Die Investitionen der Branche im Ausland waren rückläufig: Die Unternehmen investierten knapp 8,4 Mrd. Euro an ausländischen Standorten in Sachanlagen – fast 3 % weniger als im Jahr zuvor. Die Forschungsbudgets der Branche wurden 2016 erneut aufgestockt und erreichten Rekordviveau. Insgesamt gaben die Unternehmen rund 10,7 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung aus – 2 % mehr als im Vorjahr.

Chemie 4.0

Kurz- und mittelfristige Schwankungen der Konjunktur sind in einem marktwirt-schaftlichen System normal. Die Welt der chemischen Industrie befindet sich aber darüber hinaus grundsätzlich in einem Umbruch: Verschiebung der Wachstums-zentren nach Südostasien sowie Forcierung der Innovationsprozesse in Schwellen- und Industrieländern verschärfen den internationalen Wettbewerb für die Unternehmen, die am Standort Deutschland produzieren. Zudem muss sich die Branche durch Globalisierung und Digitalisierung der Wertschöpfungsketten darauf einstellen, ihre Produktionsweisen und Geschäftsmodelle zu verändern.

„Ich bin überzeugt, dass wir erneut vor einer Weichenstellung unserer Branche stehen. Chemie 4.0 drückt dies aus und ist mehr als nur die weitere Digitalisierung der chemischen Industrie“, betonte VCI-Präsident Bock. „Chemie 4.0 steht für die Strategie, durch Innovationen auf allen Ebenen nachhaltiges Wachstum für die Branche zu erzeugen. Mit Chemie 4.0 arbeiten wir daran, dass wir unsere globale Top-Position weiterhin behaupten – und so unseren Beitrag zum Standort Deutschland auch in Zukunft leisten werden.“

Die intensive Nutzung von digitalen Daten und die zunehmende horizontale Vernetzung von Wertschöpfungsketten verändern das Zusammenspiel der Unternehmen über Branchen hinweg. Die Chemie ist Teil dieser Entwicklung: Vorausschauende Steuerung der Anlagen durch „Predictive Maintenance“, punktgenauer Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln in der Landwirtschaft durch „Digital Farming“ oder bessere Steuerung der Logistik sind nur einige Beispiele für Anwendungsfelder, bei denen digitalisierte Informationen zur Steigerung der Kosten- und Ressourceneffizienz bereits genutzt werden. Auch Forschung und Entwicklung profitieren stark von den Auswertungsmöglichkeiten großer Datenmengen. Mit Chemie 4.0, so der VCI, will die Branche zudem ihre Funktion in den Wertschöpfungsketten weiterentwickeln. Das Ziel: Nicht nur Lieferant von Vorleistungen zu sein, sondern sich als Anbieter von ganzheitlichen Lösungen für die Kunden zu etablieren. 3D-Druck ist hier ein Beispiel für ein neues Geschäftsmodell.

„Unter Chemie 4.0 verstehen wir mehr, als nur die Chancen zu nutzen, die sich durch die Digitalisierung eröffnen. Nachhaltigkeit wird zum umfassenden Leitbild und Zukunftskonzept für das Handeln der Branche. Das unterstreicht unsere Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3“, betonte Bock. Dazu gehöre, dass die Chemie eine wichtige Funktion in einer Kreislaufwirtschaft durch die Wiederverwertung kohlenstoffhaltiger Abfälle übernehmen könne. Aber auch die mittelfristige Perspektive, Wasserstoff aus erneuerbaren Energien in Kombination mit CO2 für die Produktion von Grundchemikalien einzusetzen.

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